DCIG
30. Juli 2010
Der CI-Tag 2010 in München:
Wir hören. Wir verstehen. Wir verschaffen uns Gehör.

Rund 200 Interessierte besuchten die Info-Veranstaltung zum CI-Tag in München.
Gutes Hören ist die Voraussetzung für lautsprachliche Kommunikation. In den vergangenen Jahren hat eine rasante Entwicklung sowohl in der Hörgerätetechnologie als auch in der operativen Versorgung einer Hörbehinderung mit Cochlea-Implantaten stattgefunden.
Gemeinsam luden deshalb der Bayerische Cochlear Implant Verband e.V. und die Selbsthilfegruppen MuCIs, Bayerisches Oberland und JuGru München in Zusammenarbeit mit dem Klinikum rechts der Isar zu einer Informationsveranstaltung in München ein.
Regine Zille, die sowohl bei den MuCIs als auch im BayCIV aktiv ist, begrüßte und verwies auf die von der Firma Jaggo Media verlegten Ringschleifen. Sie bedankte sich auch bei den Firmen Advanced Bionics, Cochlear und Med-El, die die Veranstaltung unterstützten. Regine Zille verlieh ihrer Freude Ausdruck, dass Vertreter der Kliniken Rechts der Isar wie auch Großhaderns und des Kinderzentrums dabei seien und betonte aus persönlicher Sicht, wie wichtig das Hören für die Lebensqualität des Einzelnen sei.
Dr. Stark, Klinikum rechts der Isar, dankte Regine Zille für die Organisation und moderierte die medizinischen Vorträge.
Wie funktioniert Hören?
Dr. E. Krause, Klinikum Großhadern, definierte Hören und erklärte Aufbau und Zusammenhänge des Hörorgans in einer auch für Laien klar verständlichen Weise.
Welche Erkrankungen führen zu welchen Hörstörungen?
Dr. Lisa Tinz, Klinikum Rechts der Isar, sprach über Schallleitungs-Schwerhörigkeit, bei der eine Blockade im äußeren oder im Mittelohr vorliegen muss, über Schallempfindungs-Schwerhörigkeit, deren Ursache im Innenohr zu suchen sei, die Kombinationen aus beiden sowie einer zentralen Hörstörung.
Operative Behandlungsmöglichkeiten von Hörstörungen
Dr. Th. Stark, Klinikum rechts der Isar, sprach insbesondere über Otosklerose (Wiederherstellung der Schallleitung), die Probleme, die durch chronische Mittelohrentzündungen auftreten, und über die nachlassende Funktion der Haarzellen im Innenohr, die eine Versorgung mit Hörgeräten notwendig macht. Er zeigte ein Baha (knochenverankertes Hörgerät) sowie ein implantierbares Hörgerät und sprach auch über die operative Wiederherstellung der Ohrmuschel. In Bezug auf das CI verwies Dr. Stark darauf, dass die Indikation für ein CI die Hilfe für die Kommunikationsfähigkeit sei.
CI-Nachbehandlungskonzept für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder im
Kinderzentrum München
Dr. A. Nickisch, selbst im Kinderzentrum tätig, beschrieb die Zusammenarbeit zwischen der Kliniken Großhadern/Kinderzentrum und dem Klinikum rechts der Isar. Er beschrieb das Konzept der Anpassung und Sprachförderung unter Einbeziehung der Eltern und der Teams aus den Bereichen der Pädaudiologie, Psychologie, Sozialpädiatrie, Musiktherapie, Sprachheilpädagogik und Logopädie. Dr. Nickisch verwies auf den weiten Weg von der Wahrnehmungsförderung hin zum Kommunizieren durch Sprache. Er verwies auch auf die Entwicklung der Erfahrungen mit Kindern; im Jahr 2004 wurden 20 Kinder behandelt und 2009 waren es bereits 238 Kinder.
Neugeborenenhörscreening
Prof. Dr. H. P. Niedermeyer, Klinikum rechts der Isar, berichtete, dass ein bis zwei von 1000 Neugeborenen mit bleibender Hörstörung zur Welt kämen. Dank des Hörscreenings konnten Zeitpunkt der Erkennung und Versorgung (vor wenigen Jahren noch 23 bzw. 36 Monate) wesentlich reduziert werden. Er zeigte die Vorgehensweise beim Hörscreening in einem Video, das verdeutlichte, wie sich die Zellen bei akustischen Reizen zusammenziehen. Kinder, die bei diesem Test auffällig seien, würden später genauer untersucht (BERA).
Entstehung von Hörstörungen in der frühen Kindheit
Dr. J. M. Hempel, Großhadern, beleuchtete am Beispiel der vierjährigen plötzlich schwerhörigen Moni die Hintergründe für genetisch bedingte Hörschädigung. Er ging ausführlich auf dominante und rezessive Vererbung und Gendiagnostik ein. Dr. Hempel zeigte auf, dass angelegte Schwerhörigkeit durch kleine Ereignisse
ausgelöst werden könne und appellierte an Ärzte, die Eltern ernst zu nehmen, die den Verdacht einer plötzlich auftretenden Hörschädigung äußerten.
Altersschwerhörigkeit und Möglichkeiten ihrer Behandlung
Dr. Claudia Teschke, Klinikum rechts der Isar, sprach nicht nur über Altersschwerhörigkeit, sondern auch über eintretende Hörschädigung im Erwachsenenalter. Sie beleuchtete Ursachen wie Lärm, Hörstürze, Vererbung, Meningitis oder die Einnahme ototoxischer Antibiotika ebenso wie die Beobachtung, dass Betroffene eine beginnende Schwerhörigkeit oftmals nicht ernst genug nähmen. Sie forderte dazu auf, auf jeden Hörverlust zügig zu reagieren. Ein unversorgter geringgradiger Hörverlust bringe eine hochgradige Einbuße im Sprachverstehen.
Nach der Mittagspause moderierte Christl Vidal. Es spielte zunächst die Band ‘Supanova’. Diese nur aus schwerhörigen Jugendlichen bestehende Band unterhielt das Publikum auch am Ende der Veranstaltung mit „Get up” und weiteren mitreißenden Songs.
Seelsorge und Begleitung von Hörgeschädigten
Diakon M. Romanow von der Katholischen Hörgeschädigtenseelsorge München stellte die Angebote der katholischen Kirche vor, die speziell auf Hörgeschädigte abgestimmt sind.
CI-Reha in der Praxis, Sprachtherapie für Hörgeschädigte
T. Hubert und C. Häußinger, Therapeutinnen aus der Praxis Roland Hanik, gingen hauptsächlich auf die Therapieschwerpunkte wie Artikulation, Stimmpflege, Absehtraining und – gerade bei CI-Trägern – die Entwicklung des Hörens ein. Sie verwiesen auch darauf, bei Kindern mit Zusatzbehinderung mehr visuelle Hilfen einzusetzen.
Sketch
Die JuGru München, vertreten durch Anna, Jana, Tobi, Lisa und Franzi, stellte die Kommunikationsprobleme Hörgeschädigter dar. Sie zeigte auf, dass ein hörender junger Mann, der seine hörgeschädigte Freundin zu einer Feier begleitete, in einer Gruppe gebärdender junger Damen nichts mehr verstand.
Andershörend
Was bedeutet es schwerhörig zu sein? – Anja Kittlitz, Studentin der LMU München, betrachtete in ihrem Vortrag das Thema aus kultureller Sicht und schloss mit der Ansicht, schwerhörig zu sein bedeute in einer besonderen Art und Weise über seinen Körper zu denken, ihn wahrzunehmen und mit ihm umzugehen.
Samuel-Heinicke-Realschule – einzige Realschule für Schülerinnen und Schüler mit Förderschwerpunkt Hören in Bayern
Tobias Scheffler von der SHR München gab einen Einblick in die Struktur der Schule, an der seit 2006 sowohl schwerhörige als auch gehörlose Schüler unterrichtet werden. Eingebunden sind auch Schüler mit Sprachproblemen und ein kleiner Anteil normal hörender Schüler.
Studium mit Hörbehinderung, wie schlage ich mich durch?
Anna Stangl, Psychologie-Studentin und CI-Trägerin aus München, berichtete über die gravierend andere Situation, die der Wechsel von der Schule zum Studium mit sich brachte. Sie kommt zurecht durch Hilfen mit FM-Anlage und Gebärdendolmetscher und durch viel eigenständiges Nacharbeiten von Informationen.
Alle Chancen nutzen – Ausbildungsbegleitung für junge CI-Träger
Nina Riedel, BBW München, nannte die vier Säulen, auf denen das BBW aufbaut: die Werkstätten mit den verschiedenen Berufen, die Berufsschule, die Wohnmöglichkeiten und die begleitenden Fachkräfte. Sie beschrieb die Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
Mit den Klängen von ‘Supanova’ endete die Veranstaltung. Die Themen fanden
Interesse quer durch alle Altersstufen. Gekommen waren – trotz des herrlichen Wetters – über 200 beruflich Interessierte, CI-Träger und Schwerhörige. Es war zu spüren, dass CI-Träger und Schwerhörige gemeinsam an ihren doch sehr ähnlichen Problemen arbeiten.
Gerda Großmann
Radeberger Weg 8
85748 Garching
Bildergalerie und weitere Infos:
http://www.bayciv.de/index.php/2010/articles/ci-tag2010.html
Gemeinsam luden deshalb der Bayerische Cochlear Implant Verband e.V. und die Selbsthilfegruppen MuCIs, Bayerisches Oberland und JuGru München in Zusammenarbeit mit dem Klinikum rechts der Isar zu einer Informationsveranstaltung in München ein.
Regine Zille, die sowohl bei den MuCIs als auch im BayCIV aktiv ist, begrüßte und verwies auf die von der Firma Jaggo Media verlegten Ringschleifen. Sie bedankte sich auch bei den Firmen Advanced Bionics, Cochlear und Med-El, die die Veranstaltung unterstützten. Regine Zille verlieh ihrer Freude Ausdruck, dass Vertreter der Kliniken Rechts der Isar wie auch Großhaderns und des Kinderzentrums dabei seien und betonte aus persönlicher Sicht, wie wichtig das Hören für die Lebensqualität des Einzelnen sei.
Dr. Stark, Klinikum rechts der Isar, dankte Regine Zille für die Organisation und moderierte die medizinischen Vorträge.
Wie funktioniert Hören?
Dr. E. Krause, Klinikum Großhadern, definierte Hören und erklärte Aufbau und Zusammenhänge des Hörorgans in einer auch für Laien klar verständlichen Weise.
Welche Erkrankungen führen zu welchen Hörstörungen?
Dr. Lisa Tinz, Klinikum Rechts der Isar, sprach über Schallleitungs-Schwerhörigkeit, bei der eine Blockade im äußeren oder im Mittelohr vorliegen muss, über Schallempfindungs-Schwerhörigkeit, deren Ursache im Innenohr zu suchen sei, die Kombinationen aus beiden sowie einer zentralen Hörstörung.
Operative Behandlungsmöglichkeiten von Hörstörungen
Dr. Th. Stark, Klinikum rechts der Isar, sprach insbesondere über Otosklerose (Wiederherstellung der Schallleitung), die Probleme, die durch chronische Mittelohrentzündungen auftreten, und über die nachlassende Funktion der Haarzellen im Innenohr, die eine Versorgung mit Hörgeräten notwendig macht. Er zeigte ein Baha (knochenverankertes Hörgerät) sowie ein implantierbares Hörgerät und sprach auch über die operative Wiederherstellung der Ohrmuschel. In Bezug auf das CI verwies Dr. Stark darauf, dass die Indikation für ein CI die Hilfe für die Kommunikationsfähigkeit sei.
CI-Nachbehandlungskonzept für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder im
Kinderzentrum München
Dr. A. Nickisch, selbst im Kinderzentrum tätig, beschrieb die Zusammenarbeit zwischen der Kliniken Großhadern/Kinderzentrum und dem Klinikum rechts der Isar. Er beschrieb das Konzept der Anpassung und Sprachförderung unter Einbeziehung der Eltern und der Teams aus den Bereichen der Pädaudiologie, Psychologie, Sozialpädiatrie, Musiktherapie, Sprachheilpädagogik und Logopädie. Dr. Nickisch verwies auf den weiten Weg von der Wahrnehmungsförderung hin zum Kommunizieren durch Sprache. Er verwies auch auf die Entwicklung der Erfahrungen mit Kindern; im Jahr 2004 wurden 20 Kinder behandelt und 2009 waren es bereits 238 Kinder.
Neugeborenenhörscreening
Prof. Dr. H. P. Niedermeyer, Klinikum rechts der Isar, berichtete, dass ein bis zwei von 1000 Neugeborenen mit bleibender Hörstörung zur Welt kämen. Dank des Hörscreenings konnten Zeitpunkt der Erkennung und Versorgung (vor wenigen Jahren noch 23 bzw. 36 Monate) wesentlich reduziert werden. Er zeigte die Vorgehensweise beim Hörscreening in einem Video, das verdeutlichte, wie sich die Zellen bei akustischen Reizen zusammenziehen. Kinder, die bei diesem Test auffällig seien, würden später genauer untersucht (BERA).
Entstehung von Hörstörungen in der frühen Kindheit
Dr. J. M. Hempel, Großhadern, beleuchtete am Beispiel der vierjährigen plötzlich schwerhörigen Moni die Hintergründe für genetisch bedingte Hörschädigung. Er ging ausführlich auf dominante und rezessive Vererbung und Gendiagnostik ein. Dr. Hempel zeigte auf, dass angelegte Schwerhörigkeit durch kleine Ereignisse
ausgelöst werden könne und appellierte an Ärzte, die Eltern ernst zu nehmen, die den Verdacht einer plötzlich auftretenden Hörschädigung äußerten.
Altersschwerhörigkeit und Möglichkeiten ihrer Behandlung
Dr. Claudia Teschke, Klinikum rechts der Isar, sprach nicht nur über Altersschwerhörigkeit, sondern auch über eintretende Hörschädigung im Erwachsenenalter. Sie beleuchtete Ursachen wie Lärm, Hörstürze, Vererbung, Meningitis oder die Einnahme ototoxischer Antibiotika ebenso wie die Beobachtung, dass Betroffene eine beginnende Schwerhörigkeit oftmals nicht ernst genug nähmen. Sie forderte dazu auf, auf jeden Hörverlust zügig zu reagieren. Ein unversorgter geringgradiger Hörverlust bringe eine hochgradige Einbuße im Sprachverstehen.
Nach der Mittagspause moderierte Christl Vidal. Es spielte zunächst die Band ‘Supanova’. Diese nur aus schwerhörigen Jugendlichen bestehende Band unterhielt das Publikum auch am Ende der Veranstaltung mit „Get up” und weiteren mitreißenden Songs.
Seelsorge und Begleitung von Hörgeschädigten
Diakon M. Romanow von der Katholischen Hörgeschädigtenseelsorge München stellte die Angebote der katholischen Kirche vor, die speziell auf Hörgeschädigte abgestimmt sind.
CI-Reha in der Praxis, Sprachtherapie für Hörgeschädigte
T. Hubert und C. Häußinger, Therapeutinnen aus der Praxis Roland Hanik, gingen hauptsächlich auf die Therapieschwerpunkte wie Artikulation, Stimmpflege, Absehtraining und – gerade bei CI-Trägern – die Entwicklung des Hörens ein. Sie verwiesen auch darauf, bei Kindern mit Zusatzbehinderung mehr visuelle Hilfen einzusetzen.
Sketch
Die JuGru München, vertreten durch Anna, Jana, Tobi, Lisa und Franzi, stellte die Kommunikationsprobleme Hörgeschädigter dar. Sie zeigte auf, dass ein hörender junger Mann, der seine hörgeschädigte Freundin zu einer Feier begleitete, in einer Gruppe gebärdender junger Damen nichts mehr verstand.
Andershörend
Was bedeutet es schwerhörig zu sein? – Anja Kittlitz, Studentin der LMU München, betrachtete in ihrem Vortrag das Thema aus kultureller Sicht und schloss mit der Ansicht, schwerhörig zu sein bedeute in einer besonderen Art und Weise über seinen Körper zu denken, ihn wahrzunehmen und mit ihm umzugehen.
Samuel-Heinicke-Realschule – einzige Realschule für Schülerinnen und Schüler mit Förderschwerpunkt Hören in Bayern
Tobias Scheffler von der SHR München gab einen Einblick in die Struktur der Schule, an der seit 2006 sowohl schwerhörige als auch gehörlose Schüler unterrichtet werden. Eingebunden sind auch Schüler mit Sprachproblemen und ein kleiner Anteil normal hörender Schüler.
Studium mit Hörbehinderung, wie schlage ich mich durch?
Anna Stangl, Psychologie-Studentin und CI-Trägerin aus München, berichtete über die gravierend andere Situation, die der Wechsel von der Schule zum Studium mit sich brachte. Sie kommt zurecht durch Hilfen mit FM-Anlage und Gebärdendolmetscher und durch viel eigenständiges Nacharbeiten von Informationen.
Alle Chancen nutzen – Ausbildungsbegleitung für junge CI-Träger
Nina Riedel, BBW München, nannte die vier Säulen, auf denen das BBW aufbaut: die Werkstätten mit den verschiedenen Berufen, die Berufsschule, die Wohnmöglichkeiten und die begleitenden Fachkräfte. Sie beschrieb die Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
Mit den Klängen von ‘Supanova’ endete die Veranstaltung. Die Themen fanden
Interesse quer durch alle Altersstufen. Gekommen waren – trotz des herrlichen Wetters – über 200 beruflich Interessierte, CI-Träger und Schwerhörige. Es war zu spüren, dass CI-Träger und Schwerhörige gemeinsam an ihren doch sehr ähnlichen Problemen arbeiten.
Gerda Großmann
Radeberger Weg 8
85748 Garching
Bildergalerie und weitere Infos:
http://www.bayciv.de/index.php/2010/articles/ci-tag2010.html





