HNO
30. Juli 2010
Ukrainisches Mädchen kann jetzt erstmals hören

Svitlana Brachenko mit ihrer Tochter Orina.
Das AMEOS Klinikum St. Salvator Halberstadt und die Firma MED-EL machen möglich, woran die Mutter der kleinen Ukrainerin Orina schon nicht mehr zu glauben wagte: Ihr Kind bekommt eine Chance zu hören.
Es war ein Schock für Svitlana Brachenko, die Mutter der jetzt dreijährigen Orina, als ihr mitgeteilt wurde, dass ihr Kind „gehörlos” sein soll. Schlimmer aber war eigentlich die Zeit danach. Die Ungewissheit. Die Schmerzen zu sehen, wie andere Kinder sprechen lernen. Die Angst vor der Zukunft. Das Allein-Sein mit dem Problem. Und anfangs nur die leise Ahnung, dass es eine teure Technologie gibt, die dem eigenen Kind helfen könnte.
Aber Svitlana Brachenko will das Schicksal für Orina so nicht akzeptieren. Sie macht sich schlau. Sie lernt über Umwege Julia Wilkens und Josef Heitmann aus Warendorf im Münsterland kennen. Die beiden nehmen dann die Sache in die Hand. Ein Visum wird organisiert. Parallel dazu kommt über die niedergelassene HNO-Ärztin im Dezember 2009 der Kontakt zur HNO-Klinik des AMEOS Klinikums Halberstadt zustande.
Prof. Dr. Klaus Begall verspricht, Orina zu untersuchen. Zusammen wird in schier unendlichen Telefonaten zwischen Kiew, Berlin, Warendorf und Halberstadt alles organisiert. Nach drei Tagen in Halberstadt steht fest: Orina kann mit einem Cochlea-Implantat geholfen werden. Und fest steht auch: die Schwestern und Ärzte in Halberstadt haben sich in Orina verliebt. Orina – der kleine freundliche Geist, der überall auf der Station herumwirbelt.
Doch ein weiteres Problem ist noch zu lösen. Woher das Geld für Operation, Implantat und Nachbetreuung nehmen? Als Josef Heitmann erstmalig den Wert erfährt, den die Krankenkasse in Deutschland für eine CI-Versorgung ausgeben muss, bleiben ihm die Worte weg. Aber nur ganz kurz.
Schon wird wieder organisiert. Das AMEOS Klinikum in Halberstadt bietet an, die Kosten für die Operation und den stationären Aufenthalt zu übernehmen. Im Münsterland läuft eine große Spendenaktion an. In nahezu 20 Zeitungsartikeln wird zu Spenden aufgerufen. Mit der Firma MED-EL wird intensiv verhandelt. Viele der in der Ukraine versorgten Patienten haben ein Implantat von MED-EL, und die Nachbetreuung vor Ort ist besonders wichtig. Implantate sind jedoch in der Ukraine genauso teuer wie in Deutschland. Im Münsterland und im Harz wird gespendet: Vereine, politische Parteien und vor allem Privatpersonen geben Geld. Dann endlich ist es soweit: alle Vorbereitungen sind fertig. Das Implantat ist in Halberstadt.
Am 6. Mai 2010 wird Orina in Halberstadt operiert. Alles verläuft ohne Probleme, und Svitlana Brachenko kann gar nicht glauben, dass das schon alles war. Die Zeit auf der Station kommt allen Beteiligten fast wie der einfachste Schritt vor. Orina hat gleich eine Freundin gefunden, die wie sie selbst auch ein CI besitzt.
Verständigungsprobleme gibt es keine. Zusammen haben sie alle anderen Patienten, die Schwestern und Ärzte mit ihrer offenen und liebevollen Art fest im Griff. Nach einer Woche wird das CI zum ersten Mal ausprobiert. Als Orina einen Ton auf das Ohr bekommt und innehält, kann ihre Mama es fast nicht glauben.
Orina hat jetzt einen langen Weg vor sich. Erst der Weg nach Hause. Und dann der lange Weg, um Hören und Sprechen zu lernen. Sie haben eine Ahnung, was vor ihnen liegt. Oft genug haben alle gewarnt. Sie wissen, dass die Anpassung und das Hörtraining ein besonders wichtiger und langer Abschnitt im Rahmen einer CI-Versorgung sind. Die Ärzte aus Halberstadt haben Kontakt aufgenommen zu den Kollegen in Kiew, um die CI-Rehabilitation zu organisieren. Sollte es dennoch Probleme geben, würde das CI-Rehazentrum in Halberstadt für Orina sogar kostenlos eine Rehabilitation organisieren. Einen Platz für Orina gibt es im Münsterland und im Harz immer. Denn Orina hat sich einen Platz in unseren Herzen geschaffen.
Dr. Wolfram Pethe
AMEOS Klinikum St. Salvator Halberstadt
Es war ein Schock für Svitlana Brachenko, die Mutter der jetzt dreijährigen Orina, als ihr mitgeteilt wurde, dass ihr Kind „gehörlos” sein soll. Schlimmer aber war eigentlich die Zeit danach. Die Ungewissheit. Die Schmerzen zu sehen, wie andere Kinder sprechen lernen. Die Angst vor der Zukunft. Das Allein-Sein mit dem Problem. Und anfangs nur die leise Ahnung, dass es eine teure Technologie gibt, die dem eigenen Kind helfen könnte.
Aber Svitlana Brachenko will das Schicksal für Orina so nicht akzeptieren. Sie macht sich schlau. Sie lernt über Umwege Julia Wilkens und Josef Heitmann aus Warendorf im Münsterland kennen. Die beiden nehmen dann die Sache in die Hand. Ein Visum wird organisiert. Parallel dazu kommt über die niedergelassene HNO-Ärztin im Dezember 2009 der Kontakt zur HNO-Klinik des AMEOS Klinikums Halberstadt zustande.
Prof. Dr. Klaus Begall verspricht, Orina zu untersuchen. Zusammen wird in schier unendlichen Telefonaten zwischen Kiew, Berlin, Warendorf und Halberstadt alles organisiert. Nach drei Tagen in Halberstadt steht fest: Orina kann mit einem Cochlea-Implantat geholfen werden. Und fest steht auch: die Schwestern und Ärzte in Halberstadt haben sich in Orina verliebt. Orina – der kleine freundliche Geist, der überall auf der Station herumwirbelt.
Doch ein weiteres Problem ist noch zu lösen. Woher das Geld für Operation, Implantat und Nachbetreuung nehmen? Als Josef Heitmann erstmalig den Wert erfährt, den die Krankenkasse in Deutschland für eine CI-Versorgung ausgeben muss, bleiben ihm die Worte weg. Aber nur ganz kurz.
Schon wird wieder organisiert. Das AMEOS Klinikum in Halberstadt bietet an, die Kosten für die Operation und den stationären Aufenthalt zu übernehmen. Im Münsterland läuft eine große Spendenaktion an. In nahezu 20 Zeitungsartikeln wird zu Spenden aufgerufen. Mit der Firma MED-EL wird intensiv verhandelt. Viele der in der Ukraine versorgten Patienten haben ein Implantat von MED-EL, und die Nachbetreuung vor Ort ist besonders wichtig. Implantate sind jedoch in der Ukraine genauso teuer wie in Deutschland. Im Münsterland und im Harz wird gespendet: Vereine, politische Parteien und vor allem Privatpersonen geben Geld. Dann endlich ist es soweit: alle Vorbereitungen sind fertig. Das Implantat ist in Halberstadt.
Am 6. Mai 2010 wird Orina in Halberstadt operiert. Alles verläuft ohne Probleme, und Svitlana Brachenko kann gar nicht glauben, dass das schon alles war. Die Zeit auf der Station kommt allen Beteiligten fast wie der einfachste Schritt vor. Orina hat gleich eine Freundin gefunden, die wie sie selbst auch ein CI besitzt.
Verständigungsprobleme gibt es keine. Zusammen haben sie alle anderen Patienten, die Schwestern und Ärzte mit ihrer offenen und liebevollen Art fest im Griff. Nach einer Woche wird das CI zum ersten Mal ausprobiert. Als Orina einen Ton auf das Ohr bekommt und innehält, kann ihre Mama es fast nicht glauben.
Orina hat jetzt einen langen Weg vor sich. Erst der Weg nach Hause. Und dann der lange Weg, um Hören und Sprechen zu lernen. Sie haben eine Ahnung, was vor ihnen liegt. Oft genug haben alle gewarnt. Sie wissen, dass die Anpassung und das Hörtraining ein besonders wichtiger und langer Abschnitt im Rahmen einer CI-Versorgung sind. Die Ärzte aus Halberstadt haben Kontakt aufgenommen zu den Kollegen in Kiew, um die CI-Rehabilitation zu organisieren. Sollte es dennoch Probleme geben, würde das CI-Rehazentrum in Halberstadt für Orina sogar kostenlos eine Rehabilitation organisieren. Einen Platz für Orina gibt es im Münsterland und im Harz immer. Denn Orina hat sich einen Platz in unseren Herzen geschaffen.
Dr. Wolfram Pethe
AMEOS Klinikum St. Salvator Halberstadt



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