Schnecke 112

Hörbeeinträchtigt in Europa - Wie ist die Situation in den Nachbarländern?

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Vereint gutes Design, Spitzentechnologie und noch natürlicheres Hören.

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Cochlear Nucleus Kanso 2 

Unser neuester frei vom Ohr getragener Soundprozessor

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CI-Infoveranstaltung

Für Interessierte und Kandidaten

Lautstark 

Online-Talk rund ums Hören

Bundestagswahl 2021

Wahlprüfsteine der DCIG und DSB an die Parteien

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

Notfallblatt

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

Appell zum Abbau von Hörbarrieren

14. Juni 2021

Gemeinsam gegen Hörbarrieren – Bündnis von Hörgeschädigten-Verbänden in Deutschland stellt Forderungen auf!

In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit einer Hörschädigung. Eine Hörschädigung ist eine auf den ersten Blick nicht sichtbare Behinderung. Daher wird sie oft übersehen, wenn es um Teilhabe und Inklusion geht. Dies mag auch an der weit verbreiteten Auffassung liegen, dass Menschen mit einer Hörhilfe (z.B. Hörgerät oder Cochlea-Implantat) weitgehend „normal“ hören können – ein Irrglaube, der es Betroffenen schwer macht, ihre Bedarfe an Barrierefreiheit glaubhaft zu vertreten.

Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, hat die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e. V. ein breites Bündnis mit anderen Verbänden und Vereinen aus der Hörgeschädigten-Szene geschlossen und anlässlich des 15. Deutschen CI-Tages die Aktion „Gemeinsam gegen Hörbarrieren“ ins Leben gerufen.

So zeigte sich in einer von Mitgliedern der DCIG durchgeführten, nicht repräsentativen, Umfrage in öffentlichen Behörden (z.B. Bürgerbüros, KfZ-Zulassungsstellen, Rathäusern etc., n=74), dass die Probleme bereits am Empfangsschalter beginnen: Mehr als 80 Prozent hatten entweder verglaste Tresen ohne Gegensprechanlage oder einfach offene Schalter, die bei Umgebungsgeräuschen für hörgeschädigte Menschen eine oft unüberwindbare Hürde darstellen. Weiter geht es im Wartebereich: Aufrufe, die rein akustisch – schlimmstenfalls sogar über einen Lautsprecher – erfolgen, sind für die meisten hörgeschädigten Menschen nicht verständlich, da das Mundbild als Unterstützungshilfe fehlt.

Hörbarrieren gibt es dann auch bei der Bearbeitung von Anliegen, die mehrheitlich in Großraumbüros ohne Trennwände (44%) oder in Büros mit Mehrfachbelegung (27%) erfolgt.

Bei Hinweisschildern zu Barrierefreiheit in Behörden wird besonders deutlich, dass Hörbehinderungen oft nicht mitgedacht werden: Lediglich 2% der befragten Behörden gaben an, dass es Hinweise für hörbehinderte Besucher gebe.

Dies alles zeigt deutlich, dass eine Sensibilisierung für die Belange von Hörgeschädigten fehlt und Hörbarrieren selbst bei Bemühungen um Barrierefreiheit oft bestehen bleiben.

Zudem ergab eine weitere, nicht repräsentative, Umfrage des Cochlea Implantat Verband Nord (n=170), dass etwa zwei Drittel der Befragten unzufrieden oder sehr unzufrieden sind mit der Kommunikationssituation in Bahn und Flugzeug und rund die Hälfte hat schon sehr oft oder oft eine Kontaktaufnahme vermieden, weil sie eine Hörbarriere fürchteten. Weitere Situationen, in denen klassische Hörbarrieren auftreten sind: Telefonieren (allzu häufig sind Terminvereinbarungen nur telefonisch möglich), fehlende Untertitel im Fernsehen, keine Schriftdolmetschung bei Veranstaltungen, rein akustische Aufrufe in Wartezimmern, Alarm-Signale, die nicht nach dem Zwei-Sinne-Prinzip erfolgen (d.h. nur akustisch und nicht auch optisch), Videokonferenzen, in denen Teilnehmer mit schlechtem Internet ihre Kamera ausgeschaltet lassen (und so das Mundbild nicht mehr sichtbar ist) und viele weitere.

Ein Online-Talk am 11. Juni rundete die Kampagne „Gemeinsam gegen Hörbarrieren“ ab. Bei diesem Talk ging es unter anderem um die Fragen, warum Menschen mit Hörhilfen denn immer noch schlecht hören, wie Räume akustisch gestaltet sein müssten, damit angenehmes Verstehen möglich ist und zu guter Letzt gab es noch eine live-Präsentation der zukünftigen Notruf-App „nora“. Mithilfe der nora-App können auch hörgeschädigte Menschen, die nicht telefonieren können, einen Notruf absetzen. 


Quelle: Youtube/DCIG

Da das Thema Hörbarrierefreiheit mit dem Ende der Kampagne selbstverständlich nicht erledigt ist, richtet das Bündnis der Hörgeschädigten-Verbänden gemeinsam einen Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und ruft dazu auf, konsequent das Zwei-Sinne-Prinzip anzuwenden, bestehende Hörbarrieren abzubauen und auf eine gute Hörversorgung hinzuarbeiten. Dieser kann auf der Webseite der DCIG unter https://dcig.de/politische-arbeit/appell/ eingesehen werden.

Quelle: DCIG


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