Schnecke 99

Die Eine hört, der Andere kaum - Erfolge und Enttäuschungen in der CI-Versorgung

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Sicher durchs MRT mit Implantat

MED-EL macht Hörimplantate fit für die Magnetresonanztomographie

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Neu: Cochlear™  Nucleus® 7 

Der weltweit erste Soundprozessor für Cochlea-Implantate  „Made for iPhone" 

Im Mittelpunkt steht der Patient

Anforderungen der DCIG an die Neufassung der Leitlinen zur CI-Versorgung

Blogwerkstatt V

Zur fünften DCIG-Blogwerkstatt kamen rund 40 Teilnehmer nach Kassel.

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1_

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

15. Februar 2018

Australia – Here we come!

G‘day! Erst einmal möchten wir uns vorstellen: Wir, Ann-Sophie Huber und Eva Kolb, sind zwei CI-Trägerinnen (beidseitig versorgt) und erfüllten uns einen langgehegten Traum – gemeinsam eine Australien-Reise zu erleben. Schon lange wollten wir die weißen Sandstrände und die vielen Tiere aus der Nähe beobachten. So entdeckten wir im September 2017 einen der schönsten Kontinente der Erde. Nach einem 23-stündigen Flug, mit Zwischenstopp in Abu Dhabi, erreichten wir Down Under. In 4 Wochen legten wir eine Strecke von 1500km mit dem Mietwagen zurück und übernachteten in insgesamt 10 über Airbnb gebuchten Privatunterkünften. Wir starteten in Melbourne und beendeten unsere Reise in Sydney. Bis dahin machten wir viele Zwischenstopps, unter anderem Philip Island, der Wilsons Promontory Nationalpark, Batemans Bay und Wollongong. Zu unseren Highlights zählten die Nationalparks mit sämtlichen australischen Tieren (Kängurus, Wombats, Koalas, Pinguine), die Strände mit türkisblauem Meer (z.B. der Ninety Mile Beach mit einer Länge von sagenhaften 150km) und die Whale-Watching-Tour in Merimbula. Sydney faszinierte uns natürlich mit seinen Berühmtheiten wie dem Opera House, die Harbour Bridge, der Taronga Zoo und der Bondi Beach mit seinem Bondi Iceberg (Meeresfreibad). Den krönenden Abschluss bildete die Führung im Cochlear Headquarters in Sydney.

Viele Freunde und Verwandte von uns hatten Bedenken, wie wir diese Reise mit unserer Hörschädigung und auf uns alleine gestellt, meistern können. Das war allerdings kein großes Problem, weil die meisten Australier sehr deutlich sprechen und hilfsbereit sind. Und auch die befürchtete Englischbarriere war dadurch kaum vorhanden. Menschen mit starkem Dialekt begegneten wir selten. Unser CI war unser alltäglicher Begleiter, ohne den es schwierig gewesen wäre, diese Reise zu bewältigen. „Fun Fact“: Wenn die Eine von uns etwas nicht verstanden hat, dann hat es die Andere verstanden.

Dennoch stellte Australien uns vor viele Herausforderungen. Unserer größten Schwierigkeit begegneten wir direkt nach dem Hinflug. Wir sollten unseren Mietwagen „after hour“ (außerhalb der Öffnungszeiten) bei der Mietwagenstation abholen. Jedoch konnten wir dort die Box mit dem Schlüssel nicht öffnen, weil wir den falschen Code bekommen hatten. Es war 21.00 Uhr, sehr dunkel und unser Ziel war die Unterkunft. Wir verzweifelten. Die Rettung: Eine nette Australierin, welche für uns mit dem Hilfsservice der Mietwagenfirma am Telefon diskutierte. Gott sei Dank konnten wir das Problem doch noch lösen.

Auch mussten wir uns beim Autofahren konzentrieren, besonders der Linksverkehr war am Anfang eine ziemliche Umstellung. Es erforderte viel Multi-Tasking, denn wir mussten uns auf den Verkehr konzentrieren, uns gegenseitig verstehen und mit dem Navi den Weg finden, somit war auch das Musikhören im Auto anstrengend.

In den letzten Tagen in Sydney hatten wir die Ehre das Cochlear Headquarters besuchen zu dürfen. In einer knappen Stunde wurden wir durch alle Abteilungen geführt und konnten unser Wissen über CIs erweitern. Im Hauptsitz werden die Implantate hergestellt und weltweit verschickt. 800-1000 Mitarbeiter werden dort beschäftigt und produzieren pro Woche ca. 700 Implantate in Feinarbeit. Diese werden anschließend mehrmals auf Fehler und Schäden kontrolliert. Die gesamte Produktion findet dabei in sehr steriler und sauberer Umgebung statt. Dafür muss sich der Hersteller mit Schuhen, Anzug, Handschuhen, Haube, Brille und Mundschutz einkleiden, wofür er 20 Minuten braucht. Der Hauptsitz arbeitet mit der nebenstehenden Macquarie University von Sydney zusammen sowie mit dem„ Australian Hearing Hub“ (Hörzentrum), in dem die Anpassungen, Voruntersuchungen und Hörtests stattfinden. Das zeigt, dass zwischen Australien und Deutschland große Ähnlichkeiten in der CI-Versorgung bestehen.

Anderen reiselustigen CI-Trägern können wir eine Reise ins Down Under auf jeden Fall weiterempfehlen. Scheut euch dabei nicht immer nachzufragen, wenn ihr etwas nicht verstanden habt. Am besten weist vorher auf die Hörschädigung hin. Die Australier sind sehr aufmerksam und entgegenkommend. Am wichtigsten ist, wegen des langen Fluges die Ersatzbatterien bzw. Akkus nicht zu vergessen.

Eine letzte Randnotiz von uns: Zeigt den Mut, eine solche abenteuerliche Reise anzugehen,
denn Reisen erweitert den Horizont. Die vielen aufregenden Erlebnisse und Erfahrungen, die auch unsere Freundschaft gestärkt haben, werden wir niemals vergessen. Für uns ist klar: Wir kommen wieder!

Verfasser und Bilder: Eva Kolb und Ann-Sophie Huber


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