Schnecke 100

"Fehler passieren, aber wir müssen darüber reden" - Berichte von der DCIG-Fachtagung

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Sicher durchs MRT mit Implantat

MED-EL macht Hörimplantate fit für die Magnetresonanztomographie

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Neu: Cochlear™  Nucleus® 7 

Der weltweit erste Soundprozessor für Cochlea-Implantate  „Made for iPhone" 

Im Mittelpunkt steht der Patient

Anforderungen der DCIG an die Neufassung der Leitlinen zur CI-Versorgung

Erfolg und Misserfolg

Die 6. DCIG-Fachtagung diskutierte in Hamburg über die CI-Versorgung.

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1_

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

24. Mai 2018

Ideen nicht nur fürs Ohr, sondern auch für den Kopf!

Hörtechnologien-Hersteller Med-El Medical Electronics lud am 4. und 5. April 2018 die Gewinnerkinder des Nachwuchserfinder-Wettbewerbs „Ideas for Ears“ aus sechs Nationen in die Firmenzentrale nach Innsbruck ein. Mit dem Wettbewerb will Med-El auf die weltweite Problematik des Hörverlustes aufmerksam machen.

Sie haben wochenlang getüftelt, geforscht und wurden schließlich für ihr Engagement belohnt: Acht Gewinner des letztjährigen internationalen „Ideas for Ears“- Wettbewerbs besuchten vom 4.-5. April 2018 die Firmenzentrale des in Innsbruck ansässigen Unternehmens Med-El, wo sie die Forschung und Produktion von Hörimplantaten hautnah erleben konnten. Der Auslobung der Gewinner im November 2017 durch eine Med-El Fachjury unter der Leitung von Med-El Chefentwickler Geoffrey Ball ging ein Erfinderwettbewerb voraus, der Kinder und Jugendliche von 6 bis 15 Jahren dazu aufrief, Ideen einzureichen, die das Leben von Menschen mit Hörverlust erleichtern. Vier Mädchen und vier Jungs konnten mit ihren kreativen Ideen besonders überzeugen und zur Belohnung gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern in der vergangenen Woche nach Innsbruck reisen, um den Med-El Experten bei der Herstellung von Hörimplantaten über die Schulter zu schauen und viele Erfinder persönlich kennenzulernen. Ihre Reiseeindrücke sowie weitere Informationen zum Wettbewerb finden sich hier.

Junger Forschergeist trifft auf soziales Engagement
Während der mehrmonatigen Wettbewerbsphase von März bis Oktober 2017 konnten die jungen Tüftler sowohl eigene Ideen entwickeln als auch Verbesserungen eines bereits vorhandenen Gegenstandes einreichen. Einzige Voraussetzung: die gezeichneten, beschriebenen oder gebastelten Ideen sollten eine Hilfe im Alltag und eine Erleichterung für Menschen mit partiellem oder ganzheitlichem Hörverlust darstellen. Besonders erfreulich: Die Med-El Jury stellte fest, dass die zahlreichen eingereichten Ideen Hörverlust nicht als das Problem eines einzelnen verstanden, sondern die Teilnehmer das Thema Hörverlust vielmehr auf gesellschaftlicher Ebene betrachteten und entsprechende Lösungen mehrschichtiger Natur entwickelten. „Die Ideen der Schüler und Schülerinnen sind genial“, freut sich der Forscher Geoffrey Ball, technischer Leiter bei Med-El und Erfinder des Mittelohrimplantats Vibrant Soundbridge. „Die Kinder haben ein unglaubliches Engagement gezeigt und keine Mühen gescheut, ihre hervorragenden Ideen auch in aufwändig gebastelten Modellen zu präsentieren. Viele der Ideen könnten gut umsetzbar sein und gehörlosen und schwerhörigen Menschen wirklich helfen“, lobt er.

Auch Med-El Hörimplantat-Nutzer unter den Gewinnern
Dass eine gewisse Nähe zum Thema ein Ansporn für das Finden von Lösungen sein kann, zeigen besonders zwei Gewinnerfälle: Der junge Alexandre aus Brasilien ist seit über 10 Jahren bilateraler Cochlea-Implantat-Nutzer. Er entwickelte im Zuge des Forscherwettbewerbs gleich sieben Smartphone-Apps, darunter eine Highlight-Anwendung, die in lauten Umgebungen aktiviert wird und Geräusche rausfiltert - womit sie für eine bessere Tonqualität sorgt und Hörgeschädigten das Verstehen von gesprochener Sprache erleichtert. Der Südamerikaner traf in Innsbruck auch Professor Rudolph Häusler wieder, der ihm damals in Brasilien seine Hörhilfe einsetzte - ein besonders schönes und emotionales Erlebnis für den stolzen Gewinner.

Besonders schön war das Event für betroffene Implantat-Träger auch aus einem weiteren Grund: „Jedes Med-El Cochlea-Implantat hat eine eigene Seriennummer. So konnten Med-El Nutzerkinder jene Menschen kennenlernen, die ihr Implantat produziert haben“, erklärt Geoffrey Ball.

Der Wunsch nach Hilfe motivierte auch den jungen Parker aus den USA zu seiner Idee, regenerative Zellen von Salamandern in menschliche Fresszellen einzubauen. So könnten Heilung und Regeneration von Gewebe (speziell: der Haarzellen in der Cochlea im Innenohr) erzielt werden. Parker hofft, dass auf diese Art seiner Mutter Tracy und seinem Bruder Carter medizinisch geholfen werden könne, die beide gehörlos und mit Med-El Implantaten versorgt sind.

Deutsche Girlpower und Nähe zur Problemlösung im Alltag
Ein Kinobesuch brachte dagegen die beiden deutschen Erfinderinnen Arwen und Katharina auf ihre Gewinneridee: Eine 3D Brille mit Untertiteln für Gehörlose, bei der das gesprochene Wort automatisch am unteren Rand der Brille eingeblendet wird. „Das Projekt hat mir gut gefallen, weil ich tauben Menschen helfen möchte. Im Alltag bin ich hilfsbereit. Wir sind auf die Idee gekommen, weil wir selber gerne ins Kino gehen“, so die 9-Jährige Katharina.

Die deutschen Gewinnerinnen. 


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