Schnecke 106

Nie mehr Ärger mit dem MDK? Das Gutachtersystem wird reformiert.

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Auf zum Hör-Verbund!

DSB und DCIG einigten sich im November 2019 auf die „Frankfurter Erklärung“! 

7. DCIG-Fachtagung

Mit dem CI durchs Leben – Veränderungen | Umbrüche | Wandel

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

Vom 19. bis 21. Juni veranstaltet die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e.V. ihre 7. Fachtagung in Hamburg.

Das Programm der Fachtagung folgt in Kürze.

Anmeldungen sind bis zum 4. Mai 2020 möglich unter www.dcig.de

DCIG-Umfrage: Wissen Sie, was ein CI ist?

 

23. Dezember 2019

Der taube Meister himmlischer Klänge

Trotz seiner zunehmenden Taubheit schuf Ludwig van Beethoven ein gewaltiges musikalisches Werk. Zu seinem 250. Geburtstag präsentiert die Bundeskunsthalle in Bonn eine Sonderausstellung, die auch für Gehörlose und Hörbehinderte zugänglich ist.

Der Komponist Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827), geboren in Bonn, gestorben in Wien, ist ein Künstler der Superlative. Er gilt als Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter der romantischen Musik. Er schuf ein umfangreiches konzertantes Werk – Sinfonien, Klavierwerke, die Oper Fidelio. Ein bleibendes musikalisches Vermächtnis wollte er der Nachwelt hinterlassen. Dies ist ihm gelungen. Das Hauptthema der „Ode an die Freude“ aus dem letzten Satz der neunten Sinfonie hat es sogar zur Europa-Hymne geschafft.

Aber während Beethoven schon zu Lebzeiten als Tonkünstler gefeiert wurde, spielte sich in seinem persönlichen Leben ein Drama ab. Schon mit 28 Jahren zeigten sich erste Symptome eines Gehörleidens, das ihn schließlich vollständig ertauben und zwischendurch immer wieder verzweifeln ließ. Bis heute rätseln die Menschen, wie es einem Komponisten gelang, mit zunehmendem Gehörverlust derartige musikalische Meisterwerke zu schaffen. Es ist, als habe ein blinder Michelangelo die Sixtinische Kapelle ausgemalt.

Wie war ein derartiges Wunder möglich? Die Bundeskunsthalle in Bonn will sich aus Anlass seines 250. Geburtstags in einer großen Sonderausstellung „Beethoven – Welt.Bürger.Musik“ (vom 17. Dezember 2019 bis 26. April 2020) diesem rätselhaften Ausnahmekünstler nähern. Und weil Beethoven als „Identifikationsfigur in der Gehörlosen-Community“ gilt, wie Birgit Tellmann, fachliche Leiterin Inklusion und Vermittlung, sagt, soll diese Ausstellung in besonderer Weise auch für Hörbehinderte zugänglich sein.

Denn Beethoven, so Tellmann, „ist eine Ausnahme und ein Beispiel zugleich“. Der Komponist zeigt mit seinem Werdegang exemplarisch, dass eine Beeinträchtigung sich nicht in einem Verlust erschöpft, sondern auch neue Möglichkeiten schaffen kann. „Wir betonen nicht den Verlust der Hörfähigkeit“, sagt Tellmann, „sondern umgekehrt die Fähigkeiten, die diese Menschen haben.“ Hörbeeinträchtigte sind eben keine reduzierten Menschen, sondern Menschen mit speziellen Eigenheiten – so wie auch nichtbehinderte Menschen jeweils besondere Eigenarten besitzen. „Es geht um Vielfalt in der Unterschiedlichkeit, nicht in der Begrenzung.“

Dies soll auch das Ausstellungskonzept widerspiegeln. Tellmann: „Die Ausstellung soll für jeden interessant sein, für Sie, für mich, für Menschen mit Down-Syndrom wie für Menschen, die gehörlos sind oder blind.“

So werden neben den üblichen Führungen durch hörendes Personal auch speziell für hörbehinderte Besucher Führungen angeboten, die von gehörlosem Personal geleitet werden. „Dies dient der Identifikation und ist besonders für Schulkinder wichtig“, sagt Karin Müller Schmid, die auf langjährige Erfahrungen als Ausstellungsführerin zurückblickt und selber hörbehindert ist. Im Unterschied zu hörenden Führungen wird dabei mit „lautsprachbegleitenden Gebärden“ kommuniziert. „Was ganz wichtig ist: Für das Betrachten der Werke wird mehr Zeit eingeräumt, in der nicht kommuniziert wird“, so Müller Schmied. „Diese Zeit wird bei Führungen für Guthörende oft nicht genommen.“

Musik mit dem ganzen Körper erleben
Müller Schmied lässt ihre Führungen möglichst im Dialog stattfinden: „Es gibt also viel Raum für die Interpretation der Werke durch die Besucher und ihre Fragen. So können die Werke besser erfahren und deren Inhalte besser erlebt werden.“ Hörbehinderte wie gehörlose Besucher sind als Augenmenschen teilweise aufs Lippenlesen angewiesen. „Auch deshalb dauern solche Führungen 30 Minuten länger.“

Für Rollstuhlnutzer und Kleinwüchsige gibt es höhenangepasste Podeste und Vitrinen, um eine barrierefreie Besichtigung zu ermöglichen. Ein Mediaguide enthält sowohl einen Audioguide für guthörende Besucher mit akustischer Begleitung via Kopfhörer als auch einen Videoguide für gehörlose Gäste in Deutscher Gebärdensprache. Auf Wunsch kann Hörbehinderten anstelle eines Kopfhörers eine Induktionsschleife ausgeliehen werden. Die gesamte Mediaguide-Ausrüstung wird bei Vorlage eines Schwerbehindertenausweises kostenfrei ausgehändigt.

Die Ausstellung ist für alle Besucher durch erlebbare Instrumente eine sinnliche Erfahrung, an manchen Stationen werden Gebärdensprach-Erklärvideos eingesetzt. Videos, die Sprache beinhalten, sind untertitelt. Ein besonderes Erlebnis verspricht der sogenannte Emoti-Chair aus Kanada, der Klänge in Vibrationen umsetzt und hörende wie nichthörende Besucher Beethovens Musik am ganzen Körper spüren lässt. Auf diese Weise kann das Publikum auf ganz unterschiedliche Weise in die Welt Ludwig van Beethovens eintauchen.

Die Ausstellungsabteilung „Welt“ beschreibt die globale Bedeutung des Künstlers bis in die Gegenwart. Die historischen Hintergründe beim Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert, an der Schwelle vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter, werden sinnlich erfahrbar gemacht.

Die Abteilung „Bürger“ ordnet Beethoven in den kulturhistorischen Zusammenhang ein und macht den spektakulären Wandel zu einer von bürgerlichen Werten geprägten Gesellschaft deutlich.

Fand Musik bislang im exklusiven Rahmen herrschaftlicher Repräsentationsräumen statt, so entstehen im 19. Jahrhundert prunkvolle Opern- und Konzerthäuser, Kaffeehäuser und Salons, die als gesellschaftliche Kommunikationsstätten an Stellenwert gewinnen. Hier zelebriert das Bürgertum seinen Ehrgeiz, die soziale Vormacht des Adels abzulösen.

In der dritten Abteilung „Musik“ wird Beethovens musikalisches Oeuvre gewürdigt. Gezeigt werden anhand ausgewählter Schlüsselwerke wie der Symphonie Nr. 3. „Eroica“, der Klaviersonate op. 106 oder der „Missa Solemnis“ die Zäsuren innerhalb der allgemeinen Musikgeschichte sowie die Wendepunkte in der Lebens- und Schaffensgeschichte Beethovens, seine künstlerische Entwicklung und sein richtungweisender Stil sowie die enorme Strahlkraft seiner Kompositionen. Originaldokumente von ersten Skizzen und Partituren, begleitende Korrespondenzen, Druckplatten und Erstausgaben des Werks entrücken die Besucher in eine Welt vor zwei Jahrhunderten.

Vollends auflösen wird die Sonderausstellung das Rätsel Beethovens gewiss nicht, aber sie führt uns vor Augen, wie ein Künstlerleben uns in Erinnerung rufen kann, dass manchmal tatsächlich Wunder geschehen.

Holger Fuß

Weitere Informationen:
Beethoven – Welt.Bürger.Musik
Ausstellung der Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn
17. Dezember 2019 bis 26. April 2020
www.bundeskunsthalle.de

Fotos: Beethoven-Haus Bonn


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