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Mit CI Vater werden, mit CI Vater sein

„Danke, dass ich mit dabei sein durfte!“

Ein Bericht von der DCIG-Blogwerkstatt

25. Februar 2021

Wie wird die wohnortnahe CI-Nachsorge organisiert? 

Zu diesem Thema hielt HNO-Oberarzt Dr. Jérôme Servais aus Mannheim Ende Januar einen Online-Vortrag im Rahmen der Frühjahrsfortbildung des BdAt. Die Zusammenfassung dazu gibt es hier.


Dr. Jérôme Servais. Foto: privat

Dr. Servais setzte in seinem Vortrag vier Schwerpunkte. Diese gliederten sich wie folgt:

1. Aktueller Stand der Hörversorgung in Deutschland

Hier berichtete er aus eigener Erfahrung als Oberarzt einer HNO-Klinik von einer großen Zahl an Menschen mit Hörbeeinträchtigung, die unversorgt oder unterversorgt sind. Das betrifft Menschen mit beginnender leichter (Alters-)Hörbeeinträchtigung bis hin zu hochgradig hörgeschädigten Personen.

Ein Handlungsbedarf für die Verbesserung der Situation in der Zukunft ist also gegeben. Im Vortrag sollte es um die Gruppe von Personen gehen, die aufgrund ihrer Hörminderung mit einem Cochlea-Implantat versorgt werden und eine erforderliche Rehabilitation, sog. CI-Nachsorge, benötigen.

2. Kooperationsformen

Um diese Nachsorge sicherstellen zu können, gehen Kliniken zunehmend Kooperationsformen ein. Dabei muss die operierende Klinik gemeinsam mit dem Implantathersteller gewährleisten, dass die Patienten ein Leben lang mit einem funktionierenden Hörsystem versorgt sind.

Für die nach der Operation erste technische CI-Anpassung (Erstanpassung) sowie alle weiteren Anpassungen ist sie (die Klinik) auf einen Audiologen bzw. Hörgeräteakustiker mit entsprechenden Weiterbildungszertifikaten angewiesen. Um den Patienten beim neuen Hören zu begleiten, ist eine Zusammenarbeit mit Logopäden und Audiotherapeuten nötig. Diese sind u.a. zuständig für ein Hörtraining, das mit den zunächst ungewohnten Höreindrücken vertraut macht; sie müssen technisches Zubehör erklären; neugierig auf Geräusche, Klänge und Töne machen und motivieren, das CI zu tragen und zu nutzen. Dabei werden die verschiedenen Kooperationspartner sich durch entsprechende Verträge binden und absichern.

Die lebenslange Nachsorge der CI-Patienten kann nur in einem Netzwerk erfolgen. Verantwortlich für Betrieb des CIs und Gesundheit des Patienten im Zusammenhang mit der Operation und danach bleibt dabei immer die Klinik!

3. Warum Vernetzung?

Sie ist zum Beispiel erforderlich, um eine jährliche CI-Einstellung beim Audiologen zur Sicherstellung eines bestmöglichen Hörerfolges zu ermöglichen. Auch technische Neuerungen können hier erklärt werden (z.B. bluetooth); ein sog. upgrade von einer Prozessorgeneration zur nächsten wird alle sechs Jahre ebenfalls beim Akustiker erfolgen.

Die hier aufgezeigten vielfältigen Rahmenbedingungen einer CI-Versorgung bei einer gleichzeitig immer älter werdenden Bevölkerung lassen eine wohnortnahe CI-Nachsorge sinnvoll erscheinen. 

4. Voraussetzung

Als Voraussetzung nennt Dr. Servais die Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ICF (international classification of functioning, disability and health). Sie dient der Beschreibung des Gesundheitszustandes, der Behinderung, aber auch der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren eines Menschen.

An diesem Punkt erläutert Dr. Servais, dass Ärzte oft „nur“ das Krankheitsbild beschreiben und zu selten oder gar nicht auf das Umfeld des Patienten eingehen. Das aber ist bei einer Behinderung wie der Schwerhörigkeit und der Versorgung mit einem CI von großer Bedeutung. Patienten haben individuelle Anforderungen, Rahmenbedingungen und persönliche Möglichkeiten. So kann zum Beispiel ein intaktes soziales Umfeld eine wichtige Unterstützung beim neuen Hören lernen sein. Dagegen werden bei gleicher Hörversorgung, aber fehlendem sozialen Austausch womöglich weniger günstige Hörerfolge erzielt.

Am Schluss seines Vortrages stellte Dr. Servais fest: „Die Hörrehabilitation braucht ein Netzwerk an unterschiedlichen Fachrichtungen, die koordiniert und gesteuert werden - ambulant wohnortnah sowie zentral in den Kliniken“

Eine CI-Nachsorge, die eine Woche stationäre REHA in der Anfangsphase beinhaltet und dann ambulant weitergeführt wird, ist sein Wunsch.

Jörn Paland,
Audiotherapeut und Schriftführer beim Bund deutschsprachiger Audiotherapeutinnen und Audiotherapeuten (BdAt)


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