Schnecke 97

Nicht ohne uns! - 21 Forderungen an die CI-Qualitätsinitiative

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Sicher durchs MRT mit Implantat

MED-EL macht Hörimplantate fit für die Magnetresonanztomographie

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Neu: Cochlear™  Nucleus® 7 

Der weltweit erste Soundprozessor für Cochlea-Implantate  „Made for iPhone" 

Im Mittelpunkt steht der Patient

Anforderungen der DCIG an die Neufassung der Leitlinen zur CI-Versorgung

Deaflympics 2017! 

Die 23. Olympischen Sommerspielen hörgeschädigter Menschen in Samsun.

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1_

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

Düsseldorf 5.-7. Oktober 2017

„Es gibt schon tolle Sachen!“

Wie es bereits Tradition hat, informieren auch 2017 Mitglieder des CIV NRW Besucher der Rehacare in Düsseldorf über das Leben mit einem Cochlea Implantat. Die Rehacare ist DIE internationale Fachmesse für Rehabilitation und Pflege.

Am ersten Messetag fanden Bernadette Weibel, Elvira Mager und Klaus Heinemann kaum Zeit, zwischendurch „in Ruhe mal’n halbes Brot zu essen“, wie Bernadette Weibel (lachend) klagte. Am Auftakt-Tag der Messe, die sich in fünf großen Hallen breitmacht, kommen viele Schulklassen mit ihren Lehrern auf das Messegelände. Nicht wenige haben offenkundig den Auftrag herauszufinden, was es mit diesen Dingern auf sich hat, die Taube wieder hören lassen.

Veronika Albers vom Internat des Diakoniewerks Essen plant an ihrem Internat für 2018 einen „Tag des Ohres“ und nutzte die Messe, um schon mal abzuklären, wie der nordrhein-westfälische Regionalverband der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft dabei mitwirken kann.

„Es macht Spaß, es macht richtig Spaß,“ stellte Elvira Mager glaubhaft fest: „Das ist richtig cool manchmal.“ Die Besucher der Düsseldorfer Messe zahlen Eintritt, sie müssen nicht erst angesprochen und motiviert werden, sich über Hör- und andere Hilfen zu informieren. Die allermeisten kommen mit gezielten Fragen auf die Rehacare – und viele von ihnen an den Stand des CIV NRW, der Teil eines kleinen „Themenparks Hören“ ist. Gleich nebenan informiert die Deutsche Tinnitus-Liga, die deutsche Hörgeschädigten Selbsthilfe ist vertreten, aber auch engagierte Firmen wie Bagus Auge+Ohr, Reha ComTech oder Humantechnik.

Umgeben ist der Themenpark Hören von durchaus spektakuläreren Ausstellungsobjekten. „Es gibt schon tolle Sachen!“, rief ein Besucher angesichts eines speziell für gehbehinderte Menschen ausgerüsteten Trikes.

Die Herstellerfirma des glitzernden Dreirads führt ein Zitat der französischen Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir ins Feld: „Das Glück besteht darin zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.“

Dabei helfen, neben Fahrzeugen aller Art, deren ausgeklügelte Technik wohl selbst den James-Bond-Tüftler Mister Q neidisch machen könnte, wuchtige Massagesessel oder Trainingshilfen, aber auch selbstklebende Kondom-Urinale oder „Softwarelösungen für das Gesundheitswesen“.  Ein Rundgang über die Rehacare lässt keinen Zweifel daran, dass Inklusion kein leeres Wort ist, sondern die Überschrift über einem großen und wachsenden Markt.

Das Thema Sport mit Behinderungen stellt 2017 einen Schwerpunkt dar. Besucher können ihre Fertigkeiten an allerlei Geräten erproben. Besonders herausfordernd: Ein riesiger Roboter, der zum Rodeo-Reiten einlädt: Gleichgewichts- und Körpertraining auf Wildwest-Art.

Neben Schülern, Studenten und Patienten besuchen auch Betreiber von Reha-Einrichtungen jeder Art und aus aller Welt die Düsseldorfer Messe. Beim Rundgang sind fast mehr spanische, italienische, englische oder russischen Satzfetzen aufzuschnappen als deutsche.

Zwischen all der High Tech wirkten Stände, an denen schlichte Klangschalen oder schicke Gehstöcke angeboten werden, wie Oasen der Ruhe – wenn nicht auch sie durchaus ihr Publikum anzögen.

Klaus Heinemann, Elvira Mager und Bernadette Weibel dürften sich derweil gelegentlich selbst wie Ausstellungstücke vorkommen. Alle drei sind selbst CI-Träger, was Besuchern schon mal die Frage entlockt: „Kann ich mal anfassen?“

Elvira Mager findet das durchaus nicht aufdringlich: „Nur so kann man das rüber bringen, was es heißt, ein CI zu tragen.“ Früher hätten Besucher schon mal gestaunt, dass unter dem Magneten kein Loch im Kopf war. Das Wissen über das CI ist seither offensichtlich gewachsen. Das Engagement der Selbsthilfegruppen wie jener des CIV NRW hat dabei zweifellos eine zentrale Rolle gespielt. (uk)

 

 

 


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