Schnecke 111

Wenn ein Ohr schlappmacht. So wirkt sich einseitige Taubheit auf das Leben aus.

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CI-Infoveranstaltung

Für Interessierte und Kandidaten

Lautstark 

DCIG und Schnecke laden zum Online-Talk rund ums Hören

Gemeinsam gegen Hörbarrieren

Die CI-Botschafter-Aktion zum 15. Deutschen CI-Tag 2021

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

Notfallblatt

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

DCIG startet CI-Botschafter-Aktion

1. April 2021

Videokonferenzen im Homeoffice: Was Hörbeeinträchtigte wissen sollten

Um die Pandemie einzudämmen, arbeiten derzeit viele im Homeoffice. Für schwerhörende Arbeitnehmer bringt das akustisch gewisse Vor-, aber auch Nachteile. Carsten Ruhe hat 10 Aspekte für eine gute Kommunikation am Telearbeitsplatz zusammengetragen. 

Foto: iStock.com/FreshSplash
Foto: iStock.com/FreshSplash

Der Gang zum Schreibtisch der Kollegin fällt weg, der Austausch beim Kaffeeholen ebenso – stattdessen werden Gespräche im Homeoffice häufig über das Telefon geführt – für Menschen mit Hörbeeinträchtigung eine Herausforderung. Denn damit verändert sich nicht nur der Klang der Stimmen der Gesprächspartner, auch das Mundbild fällt weg, das viele zur Unterstützung benötigen. Das Verstehen des gesprochenen Wortes wird also weit schwieriger. Die Probleme erhöhen sich nochmals, wenn fremdsprachlich kommuniziert werden muss.

Eine recht passable Abhilfe zu Präsenzveranstaltungen können unter Umständen Videokonferenzen bieten. Dabei sind Schwerhörende aber oft noch stärker im Zu-Hörstress als sonst, wenn sie den Gesprächen über die in den Rechnern eingebauten Mikrofine verfolgen. Selbst für guthörende Teilnehmende sind solche Konferenzen belastend, auch sie sind danach „geschafft“. Denn diese eingebauten Lautsprecher sind zu leise, strahlen in die falsche Richtung und werden somit durch die Raumakustik im eigenen Büro verfälscht. Auch passt ihr Frequenzgang nicht zu den Notwendigkeiten von Schwerhörenden.

Technik schafft Abhilfe – doch wer zahlt?  

Deutliche Verbesserungen sind für ausreichend guthörende Teilnehmer mit Headsets (Kopfhörer mit integriertem Mikrofon) zu erreichen, bei denen die Tonaufnahme direkt vor/neben dem Mund erfolgt und die den Schall direkt an die Ohren bringen. Aber weder Kopfhörer noch Headsets lassen sich an die Hörsysteme ankoppeln. Auch in Bezug auf den Tragekomfort über Hörgeräten bzw. Sprachprozessoren sind sie eine Zumutung.

Teures Rechner-Zubehör wird meist nicht von den Kassen erstattet und ist deshalb für viele Betroffene unerschwinglich. Eine Finanzierung auf dem Klageweg zu erreichen, dauert für die derzeitige Situation viel zu lange. Zwischen „Mobilarbeitsplätzen“ und „Homeoffice-Arbeitsplätzen“ besteht ein rechtlicher Unterschied in Bezug auf Arbeitsschutz/-sicherheit und Ausstattung.[1][2][3]

Schwerbehinderte Mitarbeitende haben bei einem Telearbeitsplatz (so die rechtlich richtige Bezeichnung für ein Homeoffice) dieselben Ansprüche beim Arbeitgeber und Integrationsamt wie bei einem Arbeitsplatz in der Firma. Der Telearbeitsplatz zu Hause muss den Aufgaben und den besonderen Bedarfen Mitarbeitender mit Schwerbehinderung angepasst sein/werden. Das Integrationsamt beteiligt sich auf Antrag an den Kosten. Für die besondere Ausstattung sollte auch der jeweilige Technische Beratungsdienst einbezogen werden.[4]

Auch in den Büros der Gesprächspartner entsprechen die Raumakustik und die Mikrofonierung sehr oft bei Weitem nicht dem Standard für Videokonferenzräume. Die Qualität der Mikrofone ist gering, der Abstand zum Mund des Sprechenden zu groß, die Bildübertragung oft unbefriedigend. Ein Absehen vom Mundbild ist deshalb nur begrenzt möglich. Auch bei vielen Online-Angeboten, z. B. zur Weiterbildung, ist die Qualität der Aufnahmen begrenzt, weil sie nicht unter technisch optimalen Bedingungen produziert werden können und/oder weil man solche Schwierigkeiten nicht im Blick geschweige denn „im Ohr“ hat.

Bisweilen könnte man auf die Bildübertragung auch gut und gern vollständig verzichten, weil entweder der Mund gar nicht zum Absehen erkennbar ist (der Abstand ist zu groß, das Bild zu kontrastarm, das Gesicht liegt im Schatten) und/oder weil das Bild um mehr als zwei Silben verspätet zum Ton kommt und nicht synchron. Bei schlechten Übertragungs-Bedingungen sind nur ruckartige Kopfbewegungen zu sehen, aber gar keine Mundbewegungen. Dann ist auch nicht hilfreich, dass man bei Videokonferenzen auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten kann; denn ein Absehen von den Lippen ist trotzdem nicht möglich.

„Wie man in das Mikrofon hineinspricht, so schallt es aus dem Lautsprecher“

Wenn das Zwei-Sinne-Prinzip bei diesen digitalen Übertragungen wegen der unvermeidbaren Latenz-Zeiten nicht angewendet werden kann, dann ist für Teilnehmende mit Hörschädigung unbedingt eine exzellente Ton-Übertragung notwendig. Genauso natürlich auch (und erst recht) für die Konferenz-Beteiligten mit Sehschädigung.

Obwohl notwendig, ist eine derartige optimale Ton-Übertragung aber in vielen Homeoffices ebenfalls nicht gegeben. Hierzu gehört nicht nur eine optimale Positionierung des Mikrofons in Bezug auf die sprechende Person, sondern auch eine Raumakustik, welche zumindest annähernd für Videokonferenzen vorbereitet ist. Dafür sind bestimmte Dinge zu beachten und entsprechende Anpassungen vorzunehmen.

Alle Teilnehmenden von Videokonferenzen sollten bedenken, dass sie sich nicht nur über die schlechte Ton- und Bild-Übertragung der jeweils anderen beschweren dürfen, sondern dass sie in gleicher Weise selbst auch ihr eigenes Homeoffice entsprechend optimieren müssen. Die Abwandlung eines alten Sprichwortes lautet „Wie man in das Mikrofon hineinspricht, so schallt es aus dem Lautsprecher“.

Günstig ist, wenn man für das Homeoffice einen Raum auswählt, bei dem man die Tür schließen kann, um einige wohnungsinterne Störgeräusche auszublenden. Insbesondere bei jüngeren Berufstätigen erschweren sich die Bedingungen, wenn die (dann nicht ganz so) geliebten Kleinen zur unpassenden Zeit hereinkommen.

Ein paar Überlegungen, wie man die Situation im eigenen Raum verbessern kann, sind hier zusammengestellt:

1. Kamera

Die einfachste Lösung besteht darin, die in den häuslichen Laptop eingebaute Kamera zu verwenden. Dadurch entsteht eine Aufnahme frontal von vorne, was für das Lippenabsehen beim „Gegenüber“ hilfreich ist. Der Blickwinkel der Kamera ist in diesem Fall meist etwas schräg von unten nach oben und die Bildqualität kann durch Streulicht von den Deckenlampen beeinträchtigt werden.

Günstiger ist deshalb eine externe Kamera (Web-Cam), die man – weil unabhängig vom Rechner – relativ frei aufstellen kann. Hierdurch lassen sich auch ungünstige Beleuchtungsrichtungen (oder sogar Blendungen vom Fenster im Rücken) in gewissen Grenzen ausgleichen. Stellt man die Kamera direkt hinter/über dem Rechner auf (ähnlich zur im Rechner eingebauten Kamera), blickt man zumindest näherungsweise in Richtung der Zuschauer. Bei einer Aufstellung neben dem Rechner blickt am aber an ihnen vorbei.

Im Zusammenhang mit der Kamera-Aufstellung ist auch die Wahl des Sitzplatzes in Relation zu den Lichtquellen zu bedenken. Keinesfalls sollte man vor einem Fenster sitzen, weil man damit sich selbst in den Schatten stellt. Nur der Kopf-Umriss wäre dann scherenschnitt-artig zu erkennen, mehr aber nicht. Günstiger ist Licht von der Seite oder schräg von vorne, weil dann ein gewisser Schattenwurf die Mimik des Gesichtes besser erkennbar macht. Frontal von vorn beleuchtet wirkt ein Gesicht eher flach und ausdruckslos. Das Gleiche gilt auch für die Wahl und Ausrichtung weiterer Lampen („Scheinwerfer“), welche man zusätzlich zur Beleuchtung heranziehen kann. „Hell“ ist nicht unbedingt kontrastreich.

2. Mikrofon

Je näher sich das Mikrofon am Mund der sprechenden Person befindet, desto besser ist das Verhältnis zwischen dem Sprachsignal und anderen Geräuschen (Nachhall und Störgeräusche von dritter Seite). Personen (noch) ohne Hörgeräte oder mit „In-dem-Ohr“-Geräten (IdO) können vorteilhaft Headsets, also Mikrofon-Kopfhörer-Kombinationen, anwenden. Dann befindet sich das Mikrofon in wenigen Zentimetern Abstand vom Mund.

Trägt man aber Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO) oder Sprachprozessoren, so drücken die Kopfhörer bereits nach kurzer Zeit unangenehm und erschweren so die Teilnahme noch weiter, als es nur durch das eingeschränkte Hören begründet ist. Für diesen Personenkreis sind also Headsets ungeeignet.

Gute Ohrbügel- und Nackenbügel-Mikrofone sind nicht nur sehr teuer (meistens mehrere Hundert Euro), sondern sie sind für die Träger von HdO-Hörsystemen auch nicht geeignet, weil die Ohren bereits von diesen (und gegebenenfalls auch noch von Brillenbügeln) „besetzt“ sind.

Einige Hersteller bieten Lavalier-Mikrofone an (Ansteck-Mikrofone mit „Wäscheklammer“ zum Befestigen an der Kleidung). Hier ist recht gute Qualität bereits zwischen etwa 50 und 70 Euro erhältlich.

Schließlich gibt es Mikrofone, welche man unabhängig vom Rechner auf dem Tisch positionieren kann. Solche Mikrofone mit USB-Stecker bekommt man bereits für wenig Geld, aber für eine gute Übertragungsqualität muss man schon mindestens 150 Euro anlegen.

Typische Mikrofone für Videokonferenzräume liegen flach auf dem Tisch (sogenannte „Grenzflächen-Mikrofone“). Sie haben eine von allen Seiten her gleiche Aufnahme-Empfindlichkeit (Kugel-Charakteristik). Damit stellte man bei den bisher üblichen Videokonferenzen mit mehreren Personen in einem Raum sicher, dass alle Sprechenden gleich laut übertragen werden.

Für das Homeoffice sind Mikrofone mit einer gewissen Bündelung der Aufnahme-Charakteristik (Niere) in Richtung auf den jetzt einzelnen Sprecher vorteilhaft, weil sie Störungen von der Seite abschwächen. Sie sind dadurch auch etwas unempfindlicher gegen Nachhall. Auch diese Mikrofone sollten sich möglichst nahe am Mund befinden, gern auch im Blickfeld der Kamera. Schließlich sind auch die für Schwerhörende nicht geeigneten Headsets und Lavalier-Mikrofone der anderen Teilnehmenden im Bild sichtbar. Und wenn die sehen können, wieviel Mühe für gutes Verstehen man sich selbst gibt, wirkt das vielleicht als Vorbild.

3. Raumakustik

Auf dem Weg vom Mund zum Mikrofon wird der Schall durch den Nachhall im Raum überlagert, wenn man zu wenig dagegen tut. Eine „Rundfunkstudio-Akustik“ wird man im Homeoffice wohl kaum erreichen, Aber zumindest gewisse Verbesserungsmaßnahmen sind mit wenig Aufwand möglich. Genaueres dazu kann man nachlesen unter „Der Schall muss weg“ und „Schallabsorbierende Wandpaneele“. Auf jeden Fall sind Polstermöbel (mit Stoffbezügen), dichte Vorhänge und Teppich (vorrangig gegen Störgeräusche) hilfreich.

Entgegen weit verbreiteter und immer wieder publizierter Meinung wirken aber Pflanzen nicht schallschluckend. Genaueres steht mit physikalischer Begründung in der erstgenannten Veröffentlichung.

Wahre Wunder wirken gut bestückte offene Akten- oder Bücherregale. Sie haben nicht nur eine gute Schallabsorption, sondern streuen auch in verschiedene Richtungen (und damit zu den anderen Absorbern). Sollte ein Regal in „Blickrichtung“ der Kamera stehen, kann man es mit wenig Aufwand hinter einem einfarbigen Vorhang verstecken. Damit entsteht ein ruhiger Bildhintergrund ohne Lichtreflexionen; und bei geeigneter Farbwahl ist die sprechende Person kontrastreich zu erkennen.

4. Lautsprecher

Die in die Rechner eingebauten Lautsprecher sind meist zu leise, strahlen häufig nach unten und damit in die falsche Richtung. Dadurch werden sie durch die Raumakustik im eigenen Büro verfälscht. Auch passt ihr Frequenzgang nicht zu den Notwendigkeiten von Schwerhörenden.

Eine gute Hilfe bieten preisgünstige kleine Nahfeld-Monitor-Lautsprecher. Auch hier ist bei den ganz billigen, häufig sogar paarweise angebotenen, Vorsicht geboten. Den Testbericht über einen vom Autor viel verwendeten Monitor mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis kann man hier ansehen. Für das Homeoffice eignet sich die einfachste und damit kostengünstigste Variante (derzeit etwa 250 Euro).

Solch ein Nahfeld-Monitor sollte nicht einfach auf den Schreibtisch stehen, denn dann strahlt er an den Ohren vorbei. Besser stellt man ihn in Kopfhöhe auf ein Bücherbrett oder befestigt ihn mit einem Haltebügel in entsprechender Höhe an der Wand. Damit kommt viel Direktschall zum Hörer und der Nachhall wirkt weniger störend.

5. Raumakustik

Bei der Ton-Wiedergabe wirkt sich die Raumakustik in gleicher Weise auf die Schallausbreitung vom Lautsprecher zum Ohr des Zuhörers aus, wie bei der Ton-Aufnahme vom Mund zum Mikrofon. Deshalb gelten die obigen Hinweise natürlich auch hier.

6. Kopfhörer

Völlig unabhängig von raumakustischen Einflüssen wäre man dann, wenn man Kopfhörer anstelle von Lautsprechern verwenden könnte. Wie bereits oben erwähnt, ist das für viele Träger von Hörsystemen nicht möglich, allenfalls für solche mit IdO-Geräten. Hier sollen aber kurz einige Vorteile solch einer Lösung erwähnt werden.
Bei den Kopfhörern gibt es drei verschiedene Bauarten:

  • In-Ear-Kopfhörer zum Einstecken in den Gehörgang werden wie IdO-Hörgeräte getragen (häufig Zubehör von Mobiltelefonen),
  • ohraufliegende Kopfhörer liegen mit Polstern auf der Ohrmuschel,
  • ohrumschließende Kopfhörer liegen mit Polstern am Kopf an und greifen somit über die Ohrmuschel hinweg.

Die In-Ear-Kopfhörer sind im Allgemeinen nicht geeignet, weil die Ohren durch IdO-Geräte oder durch Otoplastiken „besetzt“ sind. Allenfalls bei leichtgradiger Schwerhörigkeit könnte man die IdO-Hörgeräte herausnehmen und die Kopfhörer einsetzen.
Früher waren auch ohraufliegende und ohrumschließende Kopfhörer problematisch, weil bereits leichte Schallreflexionen am Kopfhörer zu Rückkoppelungs-Pfeifen zwischen Lautsprecher und Mikrofonen der Hörgeräte führten. Durch die heutigen Algorithmen zur Rückkoppelungs-Unterdrückung ist dieses Problem zwar beseitigt, aber diese Kopfhörer tragen sich bei HdO-Geräten und Sprachprozessoren trotzdem nicht angenehm, weil sie „drücken“.

7. Halsringschleifen

Eine gewisse Abhilfe für das Verstehen verschaffen „IndukTive Halsringschleifen“. Sie werden an die Kopfhörerbuchse des Rechners angeschlossen und übertragen dann das Tonsignal ohne weitere Störungen von dritter Seite, ohne Umwege und ohne zusätzliche teure Technik direkt in die Hörsysteme mit aktivierten T-Spulen. Zu der dafür unbedingt notwendigen Aktivierung der T-Spulen in den Hörsystemen haben DCIG und DSB einen gemeinsamen offenen Brief an die BIHA, EUHA und alle Hörakustiker*innen verfasst „Aktivierung der T-Spulen ist JETZT besonders wichtig!“ (siehe hier).

Wenn die Programmierung der Hörsysteme so vorgenommen wurde, dass M oder T eingeschaltet werden kann, dann hat man in der T-Stellung sogar einen Vorteil gegenüber Guthörenden. Dann sind nämlich nur die Signale aus der Videokonferenz hörbar, aber keine Neben- oder Störgeräusche aus dem Raum. Man kann also „ganz in Ruhe“ an der Konferenz teilhaben.

8. Bildschirme

Falls im Homeoffice wegen umfangreicher Computer-Arbeiten ohnehin mit zwei Bildschirmen gearbeitet wird, sollte man bei Videokonferenzen den in der Nähe der Kamera als Monitor benutzen, während der weiter seitlich stehende für die Daten zur Verfügung steht. Das ist im Hinblick auf den Konferenz-Ablauf praktischer, weil man dann während des Sprechens zu den anderen Teilnehmenden diesen auch das Gesicht zuwendet, während man sich beim Nachschlagen von Dateien zur Seite dreht.

9. Telefon

Im Homeoffice fallen nicht nur Videokonferenzen an, sondern auch Telefonate oder sogar Telefonkonferenzen. Weil dann für die gute Verständlichkeit das Zwei-Sinne-Prinzip mit dem ergänzenden Bild fehlt, sind diese reinen Tonübertragungen noch herausfordernder und anstrengender. Umso wichtiger ist, dass beim Ton möglichst wenige Störungen auftreten.

Viel zu wenig ist den Nutzern von Hörsystemen bekannt, dass noch heute von allen Festnetz-Telefonhörern „an der Strippe“ ein gut nutzbares indukTives Signal abgestrahlt wird. Hier kann man also nach wie vor die T-Spule als echte „Telefon-Spule“ nutzen. Zwar sind die Hörkapseln nicht mehr dynamisch mit Magnet und Spule, aber ein Übertrager zur Spannungsanpassung erzeugt ebenfalls ein Streufeld, das gut nutzbar ist.

10. Verhaltensregeln für Videokonferenzen

Verbindliche Verhaltens- und Gesprächsregeln sind für alle an einer Videokonferenz teilnehmenden Personen sinnvoll, auch unabhängig von einer Hörbeeinträchtigung. Dazu gehört, dass immer nur jeweils einer spricht, die restlichen Beteiligten ihre Mikrofone stummschalten. Das vermeidet Nebengeräusche und Rückkopplungen, verbessert die Verständlichkeit und erleichtert das Verfolgen des Gesprächs. Will jemand etwas sagen, ist die Funktion „Hand heben“ zu nutzen.

Alle Teilnehmenden sollten ihre Kamera einschalten und dafür sorgen, dass ihr Gesicht für das Absehen vom Mund gut beleuchtet und ohne tiefe Schatten ist. Während des Sprechens sollte die jeweilige Person in die Kamera zu schauen. Dazu sind die obigen Hinweise zur Aufstellung der Geräte hilfreich.

Voraussetzung ist eine stabile Internetverbindung. Ideal dafür ist eine Breitbandinternetverbindung sowie den Computer eher mit einem Ethernet-Kabel anstatt über WLAN mit dem Internet zu verbinden. Ist die Verbindung für eine flüssige Bildübertragung (zu) langsam, hilft es bisweilen, wenn alle Teilnehmenden an ihren Rechnern die Einstellung für die Bildqualität reduzieren. Dann ist das Bild zwar etwas pixeliger, dafür ist die Übertragung aber deutlich schneller.

Dipl.-Ing. CARSTEN RUHE
hörgerecht planen und bauen

[1] https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/arbeitsrecht-was-mobilarbeit-von-homeoffice-unterscheidet_76_498118.html
[2] https://www.bundestag.de/resource/blob/516470/3a2134679f90bd45dc12dbef26049977/wd-6-149-16-pdf-data.pdf
[3] https://www.bghw.de/presse/newsletter/newsletter-3-2018/homeoffice-oder-telearbeit
[4] https://www.integrationsaemter.de/ZB-4-2020/906c11843i1p62/index.html


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