Schnecke 113

Gute Aussichten — Erwachsenwerden mit CI

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Unser neuester frei vom Ohr getragener Soundprozessor

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CI-Infoveranstaltung

Für Interessierte und Kandidaten

7. DCIG Fachtagung

Mit dem CI durchs Leben - Veränderungen | Umbrüche | Wandel

Bundestagswahl 2021

Wahlprüfsteine der DCIG und DSB an die Parteien

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

Notfallblatt

7. DCIG Fachtagung

Mit dem CI durchs Leben - Veränderungen | Umbrüche | Wandel


29. - 30. Oktober 2021 | Katholische Akademie Hamburg (KAHH)

Umbrüche und Veränderungen ziehen sich über unsere gesamte Lebensspanne hinweg. Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit ist für die Betroffenen in allen Altersstufen ein Thema. Obwohl die Themen in der frühen Kindheit andere sind als in der Jugend und Adoleszenz, im Berufsleben andere als am Ende des Lebens im hohen Alter: Letztlich tauchen doch immer wieder die gleichen Fragen auf. Wie immer ist es auch 2021 unser Anliegen, für diese Frage zu sensibilisieren, uns über die Rollen von Professionellen, Betroffenen und der Selbsthilfe auszutauschen.


Programmübersicht
FR. 29.10. 14.00 - 18.00 Uhr  Tagungsbeginn und Block I

Eröffnung

  • Videobotschaft von Dr. Eckart von Hirschhausen
  • Grußworte u.a. von Jürgen Dusel
    Auftaktvortrag von Dr. Günther Beckstein


Block I Geburt und Spracherwerb


Von Neugeborenen-Hörscreening, Diagnose, Frühförderung und der Vaterrolle mit Beiträgen u.a. von Prof. Dr. Katrin Neumann, Prof. Dr. Manfred Hintermair sowie erfahrenen CI-Eltern


SA. 30.10., 9.00 - 17.30 Uhr  Block II und Block III


Block II Schulzeit, Ausbildung und Studium


Von Schulsystemen, Förder-/Regelschulen, Blicken in die Zukunft und individuellen Lösungen mit Beiträgen u.a. von Bernd Günter, Jim und Elsa, BBW Leipzig, IFD Darmstadt


Block III Berufsleben und Ruhestand


Vom Hörgeschädigten im Beruf, Umgang mit Kollegen, Schwerbehindertenvertretung, Wohnen im Alter und Demenz u.a. mit Beiträgen von Katja Drews, Olaf Biemann, Prof. Dr. Robert Pernetzky

 


Tagungsende Schlussworte von Dr. Roland Zeh

 

Appell zum Abbau von Hörbarrieren

15. Mai 2021

Vom Suchen und Finden nach dem „Ich“ als Cochlea-Implantatträgerin

Wurdest du schon mal in eine Schublade gesteckt? Oder hast du womöglich selbst jemanden, vielleicht aufgrund von Vorurteilen, in eine Schublade gesteckt? Das fragt CI-Trägerin Sabrina Franze und sagt: „Auch ich habe das schon getan.“ Warum passiert das? 

Wir übertragen manchmal (unbewusst) unsere eigenen Träume, Wünsche und Vorstellungen auf andere, und vergessen dabei, dass Menschen so individuell wie unsere Fingerabdrücke sind. Von Natur aus fällen wir Urteile, weil wir uns oft nicht in den anderen Menschen hineinversetzen können. Die eigene Perspektive ist nicht die Einzige, die es gibt.

Menschen mit Hörbeeinträchtigungen werden oft in Schubladen gesteckt, wusstest du das? Schnell verurteilt man sie, wenn z.B. der Dialog nicht klappt, als „komisch“ oder „dumm“. Woran mag das wohl liegen? Eine Hörbeeinträchtigung ist etwas Unsichtbares. Wir können sie nicht sehen und dementsprechend fehlt die Vorstellungskraft zu verstehen, wie sich diese Beeinträchtigung anfühlt. Hinzu kommt, auch hier wieder die Individualität. Eine Hörbeeinträchtigung ist nicht gleich Hörbeeinträchtigung, ob von Geburt an oder später erworben. Ich kann dir sagen, ich selbst blicke da manchmal nicht mehr durch, obwohl ich selbst von betroffen bin. (Umso mehr Betroffene Menschen ich kennenlerne, umso mehr sehe ich, dass wir uns selbst in diverse Schubladen stecken.) Wie schwer mag es dann für einen Menschen sein, der nicht unter dieser unsichtbaren Beeinträchtigung leidet. Auch das habe ich im Laufe der letzten Jahre oft erlebt.

Durch meine Selbstbetroffenheit, meinen Beruf und meiner ehrenamtlichen Arbeit habe ich viele solcher individuellen Menschen mit Hörbeeinträchtigung kennengelernt.

Was macht das mit diesen Personen, die in solche Schubläden gesteckt werden? Menschen ziehen sich meistens zurück und distanzieren sich von Situationen, die sie noch mehr Kraft kosten.

Was macht das nun mit einem selbst? Unser Individuum kann sich nicht mehr (weiter) entfalten. Dabei ist das Erlangen unserer Identitätsentwicklung
wichtig, um auch u.a. die eigene Beeinträchtigung anzunehmen und zu verstehen.

Was bedeutet Identität für dich? Meine Identität ist das, was mich zu einer einzigartigen Persönlichkeit macht, die sich von allen anderen Menschen unterscheidet. Kennst du das Statement: „Sei Pippi und nicht Annika“? Viel besser würde klingen: „Sei nicht Pippi und auch nicht Annika, sei du selbst“. Dein eigenes ich, die Liebe zu dir selbst, an der wir Tag für Tag (neu) arbeiten können.

In Bezug auf die Hörbeeinträchtigung wird der Zusammenhang oft mit den Begrifflichkeiten (ich nenne sie mal provokant gesagt): hörend, schwerhörig und gehörlos/taub dargestellt, weil auch hier die Lebenskultur eine große Rolle spielt.
Ich selbst habe große Probleme mich in diesen Schubladen unterzubringen, auch wenn ich mich versuche immer zu definieren. Woran mag das liegen? Ich bin Cochlea-Implantatträgerin (*Hörprothese, für (er-)taub(te) Menschen), das heißt ich bin klinisch taub, kann also nichts hören. Trage ich sie, bin ich hörend, aber auch nicht normalhörend. Ich spreche die Lautsprache, genauso aber auch die Gebärdensprache, weil ich beides zur Kommunikation brauche. Verwirrend? Ja absolut, auch für mich! Und jetzt befinde ich mich in einer großen Lücke! Wie soll ich also mein Individuum finden, meinen Bedürfnissen gerecht werden, ohne mich in eine Schubladenzugehörigkeit zu stecken?

Anderes Beispiel: immer öfter erlebe ich, wie andere Entscheidungen für mich (in Bezug auf die Schublade „hörend“ und „taub“) treffen. Diese Situationen sind für mich sehr, sehr schwer. Oftmals habe ich keine Möglichkeit mein Individuum zu entfalten und meine Bedürfnisse zu äußern, weil ich schon vorab in diese Schublade gesteckt wurde. Es wird einfach davon ausgegangen, dass ich den Schriftdolmetscher besser verstehe als den Gebärdendolmetscher, da die Schriftsprache meiner Muttersprache gleichgesetzt ist. Woher wissen die Menschen das denn jetzt so genau? Gefragt wurde ich nicht. Und auf das Bedürfnis meiner erleichternden Kommunikationsmethode (die ich wähle z.B. die Gebärdensprache) wird nicht eingegangen.

Beim Suchen und Finden nach dem Ich, geht es nicht darum, von anderen oder mich selbst in Schubladen zu stecken. Identität ist ein Prozess, in dem man nicht stehen bleiben sollte. Erlaube es dir also, dich selbst zu entfalten.

Und genau das bin ich.

Sabrina.

Mit Cochlea Implantaten, mit Lautsprache, mit Gebärdensprache, mit meiner Erkrankung XLH, mit Authentizität, mit Individualismus, mit Akzeptanz, mit Mut, mit Vertrauen, mit Dankbarkeit und mit Entschlossenheit einfach NUR ICH zu sein.

 

 Text und Fotos: Sabrina Franze


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