Schnecke 96

Am Ohr der Macht - Wer spricht für uns? 

Anzeige

Sicher durchs MRT mit Implantat

MED-EL macht Hörimplantate fit für die Magnetresonanztomographie

Anzeige

Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

 

Im Schnee zum Glück

Die DCIG-Blogwerkstatt IV traf sich für sieben Tage im österreichischen St. Jakob in Osttirol

Deaflympics 2017! 

Die 23. Olympischen Sommerspielen hörgeschädigter Menschen in Samsun.

Am Ohr der Macht – Wer spricht für uns?

Lobbyismus in der Gesundheitspolitik

 

Die Fachzeitschrift Schnecke beleuchtet in ihrem aktuellen Schwerpunkt, wie sich Hörgeschädigte in der Politik Gehör verschaffen können und wer sie wo vertritt.

 

Senden, Juni 2017: In Deutschland werden jährlich rund 300 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen ausgegeben. Fast fünf Millionen Menschen sind im Gesundheitsbereich tätig. Kein Wunder, dass in der Gesundheitspolitik viele Verbände und Lobby-Organisationen tätig sind, denn es geht um richtig viel: um (sehr viel) Geld für die einen, um Lebensqualität für die anderen. Umso wichtiger ist es, für die Belange von Betroffenen zu kämpfen: in der Politik, damit sie die richtige medizinische Versorgung erfahren können, in der Medizin, damit der Prozess von der Beratung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge transparent und einfühlsam gestaltet wird. In der aktuellen Ausgabe der Schnecke stellen wir die wichtigsten Interessensvertreter für Hörgeschädigte vor, diskutieren das Pro und Contra des  derzeit praktizierten Lobbying und zeigen auf, warum es wichtig ist, dass sich Menschen in Vereinen oder der Politik  engagieren. Im Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl haben wir die im Bundestag vertretenen Parteien zudem einem Inklusions-Check unterzogen und stellen die  gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen vor.

 

Weitere Themen in Schnecke Nr. 96 sind:

- MDK-Gutachter: Schicksalsmächte ohne Gesicht

- Missachtung der Rechtsprechung: Ein Sparmodell der Krankenkassen
- Hörverluste verhindern: Die DCIG fordert die Bundesregierung zum Handeln auf

- Patienten informieren Ärzte: Die Ergebnisse der DCIG-Aktion

- Aufbruch zu einer neuen Kommunikationskultur zwischen Laien und Experten

- Helden des Hörens: Graeme Clark

Cochlear Deutschland - Beats of Cochlea Festival 2017

Taub sein und Musik machen? Cochlear lädt 2 Musiker im Juli ein

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1_

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

13. Juni 2016

CI-Tag 2016 Leipzig1

Sprich mit mir“ – Fehlanzeige!

Drei Landesregierungen demonstrieren ihr Desinteresse an gelebter Inklusion

Drei Kultusminister waren eingeladen, am CI-Tag 2016 mit Hörgeschädigten über Inklusion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sprechen. Keiner erschien. Keiner schickte auch nur einen Vertreter ins Haus des Buches zu Leipzig. Allein die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr aus Halle vertrat „die Politik“ - und schlug sich umso wackerer.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ zitierte Angela Gorr ihre eigene Homepage. Sie ist behindertenpolitische Sprecherin ihrer Partei in Sachsen-Anhalt und ermunterte die rund sechzig Teilnehmer des 8. Mitteldeutschen CI-Symposiums: „Versuchen Sie sich politisch einzumischen! Treten Sie Ihren Lokalpolitikern auf die Füße!“

Wo Inklusion - halbwegs - funktioniert, das hatte die vorangehende Diskussion eindringlich gezeigt, funktioniert sie wegen des bewundernswerten Engagements Einzelner; seien es Schulleiter, Lehrer oder, oft genug, Eltern, die manchmal sogar eigenhändig dafür sorgen, dass die Akustik in Klassenzimmern stimmt.

Barbara Gängler, die Geschäftsführerin des CIV Mitteldeutschland, berichtete von frustrierenden Bemühungen, im Internet handliche Informationen über Inklusionsmaßnahmen in den drei mitteldeutschen Bundesländern zu finden: zwei magere Seiten dazu fand sie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, und „in Thüringen gibt’s nichts.“

Mangels offizieller Weiterbildungsmaßnahmen bietet der Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland selbst Workshops für Lehrer an, um ihnen nahezubringen, was es bedeutet, wenn in ihren Klassen hörgeschädigte Kinder sitzen. Die Reaktion? Mager. Insbesondere „in Sachsen beißen wir auf Granit,“ so Barbara Gängler.

Aber alle drei Bundesländer haben Inklusion offiziell zu ihrer Politik erklärt. Was eigentlich bedeutet, wie der Pädagogik-Professor Dr. Andreas Hinz aus Halle erläuterte, nicht nur in der Bildungspolitik „radikal umzusteuern“. Wer Inklusion wirklich wolle, müsse „eine Schule für Alle“ einführen. Katharina Kubitz vom Berufsbildungswerk Leipzig regte an, MIT Hörgeschädigten und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu reden, statt ÜBER sie: auch das wäre gelebte Inklusion.

Die Bildungsverantwortlichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten dazu am 11. Juni eine große Chance gehabt. Eltern und ehemalige Schülerinnen schilderten im Haus des Buches eindrucksvoll, wie sie Inklusion im Alltag erlebt oder – öfter – eben nicht erlebt haben. Selten wird so offen und konstruktiv diskutiert wie an diesem CI-Tag in Leipzig. Die zuständigen Ministerien haben eine große Chance mutwillig verpasst. (uk)

 

02. Juni 2017

WHO fordert Maßnahmen zur Eindämmung von Hörverlusten

Zum ersten Mal seit 22 Jahren hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den Ursachen für und den Auswirkungen von Hörverlusten befasst. In einer Ende Mai 2017 in Genf verabschiedeten Resolution fordert sie alle Mitgliedsstaaten zu detaillierten Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Hörverluste auf.

Weltweit sind 360 Millionen Menschen, also rund fünf Prozent der Weltbevölkerung, von einschränkendem Hörverlust betroffen. Dennoch hatte es dieses Thema bislang nie auf die globale Gesundheitsagenda des Entscheidungsgremiums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geschafft.

In der Resolution werden nun wichtige Schritte zum Kampf gegen die Auswirkungen von Taubheit und Hörverlust dargelegt, darunter:

• Stärkung des Bewusstseins für die große Verbreitung von Hörverlust sowie für seine sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen unter den Entscheidern und in der Gesellschaft
• Besserer Zugang zu bezahlbaren, qualitativ hochwertigen Hörlösungen, darunter auch Hörgeräten und Cochlea-Implantaten, als Teil der universellen Gesundheitsversorgung
• Erweiterung der Untersuchungsprogramme zur Früherkennung und Diagnostizierung von Ohrerkrankungen und Hörverlust, wobei der Schwerpunkt Säuglingen, Kleinkindern und älteren Erwachsenen gilt
• Stärkung des Bewusstseins für die Gefahren von Hörverlust durch Lärm sowie Umsetzung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Lärmexposition am Arbeitsplatz, in der Umwelt und in der Freizeit • Bessere Erfassung von Informationen zu Ohrerkrankungen und Hörverlust, damit die politischen Entscheidungsträger über eine bessere Grundlage für die Erarbeitung evidenzbasierter Strategien verfügen

Viele Ursachen von Hörverlust können durch öffentliche Gesundheitsmaßnahmen vermieden werden. Schätzungen gehen davon aus, dass 60 Prozent aller Fälle von Hörverlust bei Kindern vermeidbar sind. In Ländern mit einem niedrigen bis mittleren Einkommensniveau ist diese Zahl höher (75 Prozent); in Ländern mit höheren Einkommen dagegen niedriger (49 Prozent).

Die Chefs der Herstellerfirmen von Cochlea Implantaten und anderer Hörhilfen, Cochlear und Med-el , begrüßten die Resolution umgehend. Beide fordern nun Sofortmaßnahmen von den Mitgliedsstaaten, um dieses zentrale Gesundheits- und Gesellschaftsthema in Angriff zu nehmen. DCIG-Präsident Roland Zeh hatte in einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Gröhe die Bundesregierung aufgefordert, zum Gelingen der Resolution beizutragen. Er sieht die Verabschiedung der Resolution auch als Folge des Engagements von Patienten und Versorgern.

Ingeborg Hochmair, CEO von Med-el und Miterfinderin des ersten mehrkanaligen Cochlea Implantats, erklärte: „Als Unternehmen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden, sind wir unglaublich stolz, dass wir zu diesem Erfolg beitragen können.“ Nun gelte es, dieser Resolution auch Taten folgen zu lassen. So sollen die Mitgliedsstaaten nun beispielsweise zügig den Weg für Hör-Screenings für Erwachsene ebnen, damit Hörverlust möglichst frühzeitig behandelt werden kann. Auch bei der Datenerhebung zum Thema Hörverlust in der Bevölkerung besteht Handlungsbedarf. Sie ist als Informationsgrundlage notwendig, um geeignete Maßnahmen zu entwickeln und sinnvoll umzusetzen.

Chris Smith, CEO & President von Cochlear, erklärte: „Diese Resolution gibt vielen Menschen mit Hörverlust neue Hoffnung, und zwar ungeachtet ihres Alters und ihrer Herkunft. In einigen Ländern sind Kinder mit Hörverlust von der Schulbildung ausgeschlossen. Betroffene Erwachsene finden keine Arbeit oder können ihr berufliches Potenzial nicht ausschöpfen, ältere Menschen sehen sich bei unbehandeltem Hörverlust mit kostspieligen gesundheitlichen Problemen konfrontiert."
Smith sprach von einem „Meilenstein“. Die Umsetzung der Resolution könnte „für Millionen Menschen und viele Gesellschaften eine erhebliche Erleichterung bedeuten.“

Hörverlust schränkt nicht nur die Kommunikation ein – für Betroffene hat er auch massive Auswirkungen auf Bildung, Einkommen und sozialen Status. Aktuelle Studien weisen zudem eine Verbindung zu einer Reihe anderer gesundheitlicher Probleme nach. Schwerhörigkeit wird etwa mit einem rascheren geistigen Abbau im Alter, Depressionen und Demenz - einer der größten Belastungen für Gesundheitssysteme weltweit – in Zusammenhang gebracht. Die WHO schätzt die sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten unbehandelten Hörverlusts auf rund 750 - 790 Mrd. USD jährlich.

Über die Weltgesundheitsversammlung 2017
Die Weltgesundheitsversammlung ist das Entscheidungsgremium der Weltgesundheitsorganisation. Die Delegierten aller WHO Mitgliedsstaaten treffen zusammen, um eine vom Exekutivrat vorbereitete spezifische Gesundheitsagenda abzuarbeiten. Die Weltgesundheitsversammlung legt die Programme der Organisation fest, ernennt den Generaldirektor, überwacht die finanziellen Geschäfte und prüft und genehmigt Budgetvorschläge. Die Weltgesundheitsversammlung findet jährlich in Genf, Schweiz, statt. 

Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO)


Zurück