8. Januar 2019

Silvesterparty der jungen Selbsthilfe:
Ein Feuerwerk an Emotionen. Und ein Feuerwerk

Das neue Jahr haben 33 Deafies in Frankfurt am Main am Eisernen Steg mit viel Feuerwerk und Freude begrüßt.

 

Bei einem Glas Bier eines Abends im Oktober wurde der Plan einer gemeinsamen Silvesterfeier geboren. Gesagt, getan! Spontan organisierten zwei lokale Untergruppen der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG) – Deaf Ohr Alive (DOA) NRW und DOA RheinMain ein gemeinsames Silvesterevent. Zwei Tage verbrachten wir in Frankfurt am Main mit Übernachtung im Hotel. Dabei haben wir auch an informativen Austausch gedacht: Nach dem Einchecken konnten sich alle Teilnehmer im Foyer des Hotels an einer großen Auswahl von Infomaterial aller CI-Firmen – Med-El, Cochlear, Advanced Bionics und Oticon – sowie Informationsbroschüren der DCIG und Bundesjugend bedienen und sich bei Kaffee und Tee über nützliche Tipps und Tricks für den Alltag unterhalten.

 

Nach dem ersten Kennenlernen haben wir an beiden Tagen viel gemeinsam unternommen. Wir waren Schlittschuhlaufen, haben den Zoo besucht, den Main Tower erklommen und am Abend bei Cocktails und Bier gemütlich zusammengesessen. Und auch die Zimmerparty im Hotel hat nicht gefehlt. Es war ein richtig tolles und sogar internationales Event mit zwei Teilnehmern aus Österreich und neuen Gesichtern, die sich vorher noch nie oder nur sehr wenig mit Gleichbetroffenen ausgetauscht hatten. Und obwohl diese Teilnehmer zu Beginn noch niemanden kannten, wurden sie von allen herzlich aufgenommen. Denn „mit Schwerhörigen passieren Dinge, die mit Normalhörenden nicht passieren“, wie Gesa schon auf der Blogwerkstatt in Berlin treffend formulierte.

Es ist auch immer wieder schön zu sehen, wie unterschiedlich wir trotz unseres gleichen Handicaps sind: Es gibt gut hörende CI- und Hörgeräteträger, die zu fast 100 Prozent lautsprachlich kommunizieren und weniger gut hörende CI- und Hörgeräteträger, die dafür die Gebärdensprache sehr gut beherrschen. In der Gruppe wird dann immer wie selbstverständlich von Lautsprache zu Gebärdensprache und andersherum gedolmetscht, damit jeder alles versteht.

 

„Es war eine tolle Zeit mit Euch! Mit Gleichgesinnten macht es einfach Spaß, weil man automatisch dazugehört“, schrieb eine Teilnehmerin im Gruppen-Chat. „Wenn du mit 30 Normalhörenden feiern gehst, ist das einfach nur Stress! Feierst du mit 30 Hörgeschädigten, ist das so viel entspannter!“, sagte ein Teilnehmer nach unserem Silvesteressen beim Italiener. Über solch Feedback freuen wir uns sehr und fühlen uns in unserer Arbeit bestätigt. Das Gefühl dazuzugehören ist für viele (hör-)behinderte Menschen nicht selbstverständlich und daher eine extrem wertvolle Erfahrung, die unser Selbstbewusstsein enorm stärkt!

 

Natürlich gab es dabei auch einige lustige Missverständnisse, wenn wir mal wieder etwas falsch verstanden hatten. Passend dazu schrieb Sebastian Fehr, einer der Teilnehmer aus Österreich, der auch durch seinen Blog „fehrhoert“ bekannt ist, sein Gedicht „Verwechslungsgefahr “. Das Gedicht ist auf seinem Blog www.fehrhoert.com (verlinken, habe hier nur das Gedicht auf Facebook gefunden, nicht auf dem Blog:

https://www.facebook.com/fehrhoert/photos/a.269916233459193/578323029285177/?type=3) zu finden.

Als das Jahr 2018 nur noch 10 Minuten dauerte, nutzten wir die Gunst der Stunde! Denn es waren auch sechs Teilnehmer des Gebärdenmusikvideo-Workshops der Bundesjugend vom September 2018 (verlinken: https://youtu.be/hnvX4rGJLaE) mit dabei und haben mit ihren Gebärden gleich die halbe Gruppe „angesteckt“. Und was passt besser zu Silvester, als den Song „Feuerwerk“ von Wincent Weiss zu gebärden. Ein Feuerwerk an Emotionen. Und ein Feuerwerk. Prost Neujahr!!

 

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen und wünschen allen ein gutes, glückliches, erfolgreiches und entspanntes Hör-Jahr 2019!

 

Eure Steffi und Jan mit DOA-Team


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