20.05.2015

Hörgeräte: Zahlen Versicherte zu viel?

Im Auftrag der hkk (Handelskrankenkasse) hat Dr. Bernard Braun vom Bremer Institut für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG) und dem Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen eine Untersuchung zum Thema Hörhilfen durchgeführt.

Hierfür wurden in zwei Erhebungswellen insgesamt 1481 hkk-Versicherte über 18 Jahre befragt, denen vor oder nach der Erhöhung der Festbeträge für Hörhilfen am 1. November 2013 eine Hörhilfe verordnet wurde. Die Befragung erfolgte mit einem schriftlichen Fragebogen. Der Rücklauf betrug 77,8 Prozent (Welle 1) und 51,4 Prozent (Welle 2).

Nach wie vor hoher Eigenanteil für Versicherte
Vor allem Rentner sind von den hohen Eigenleistungen der Versicherten für Hörgeräte erheblich. Zwar sank der Anteil der Befragten, die einen Eigenanteil leisten, von 80,6 auf 74,1 Prozent. Doch auch nach der Festbetragserhöhung, zahlen weiterhin knapp 40 Prozent einen Eigenanteil von 500 bis 2 000 Euro. Allein im hochpreisigen Segment mit Eigenanteilen über 2000 Euro, sank der Anteil von 25,5 Prozent auf 13,7 Prozent.

Allerdings war festzustellen, dass die Ausgaben um 60 Prozent gestiegen sind, seitdem die Festbeträge für Hörgeräte erhöht wurden. Trotzdem zahlen Hörgeräteempfänger immer noch überproportional zu, lässt die Untersuchung erkennen. Das Bundesministerium für Gesundheit bestätigte jüngst, dass die gesetzliche Krankenversicherung 2014 rund 380 Millionen Euro mehr als im Vorjahr für die Hörgeräteversorgung ausgegeben habe.

Teuer muss nicht besser sein
Die mit hohen Preisen verknüpften Erwartung an eine bessere Erlebnisqualität der Hörgeräte, habe sich indes nicht grundsätzlich bestätigt. Studienleiter Dr. Bernard Braun kritisiert: "Nach der Festbetragserhöhung gibt es zwischen Eigenanteilszahlern und -nichtzahlern keinen signifikanten Unterschied in Bezug auf die Hörqualität." Außerdem seien die Versicherten nicht zufriedener mit ihrem Hörgerät als vor der Reform.

Beratung durch Akustiker gut
Die Untersuchung ergab zudem, dass die Befragten mit der Arbeit der Hörgeräteakustiker gleichbleibend hoch war: 90 Prozent der Befragten waren "sehr" oder zumindest "eher zufrieden". Allerdings wurde über die Hälfte der Befragten nach eigenen Angaben kein Hörtraining angeboten. Dies sei bedauerlich, zeige sich doch im "Härtetest", ob ein Gerät richtig eingestellt ist oder gegebenenfalls nachjustiert werden müsse. Es wäre daher zu empfehlen, die Beratung der Hörgeräteakustiker stärker darauf auszurichten, Hörhilfen unter Alltagsbedingungen zu testen.

Studienleiter Dr. Braun fasst zusammen: "Ich sehe eine große Diskrepanz zwischen den Leistungsversprechen der Hörgerätehersteller und -akustiker und dem tatsächlichen Nutzwert, vor allem bei komplexen Hintergrundgeräuschen: So hätten annähernd 40 Prozent der Befragten Schwierigkeiten bei Unterhaltungen mit mehreren Personen in großen, offenen Räumen und vermieden daher oft solche Situationen. Für eine realistische Erwartungshaltung müssten blumige Werbeversprechen im Hinblick auf den tatsächlichen Nutzwert der Hörgeräte kritisch überprüft und angepasst werden."

INFO
Zum 1. November 2013 haben die gesetzlichen Krankenkassen ihren Festbetrag für Hörhilfen deutlich erhöht. Dadurch sollen Versicherte finanziell entlastet sowie die Leistungsanforderungen an die Hörgeräte deutlich erhöht werden. Doch kommen diese Verbesserungen überhaupt bei den Betroffenen an? Für den aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse hkk hat Studienleiter Dr. Bernard Braun von der Universität Bremen insgesamt 1 481 hkk-Versicherte ab 18 Jahren befragt, die vor oder nach der Festbetragserhöhung eine Hörhilfe erhielten.

Der ausführliche hkk-Gesundheitsreport "Hörhilfen: Ergebnisse einer Versichertenbefragung" steht unter … bereit.

Kurzinterview mit Studienleiter Dr. Bernard Braun (Bremer Institut für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG)) und Dr. Jan Löhler (Wissenschaftliches Institut für angewandte HNO-Heilkunde (WIAHNO) des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte e.V.; Facharzt für HNO-Heilkunde)

 


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