25.02.2015

Starke Einschnitte bei Hörgeräteversorgung in England

Schwerhörige Menschen hatten in England bislang die Möglichkeit, vom "National Health Service (NHS)" kostenlos Hörgeräte ausgestellt zu bekommen. Doch jetzt wurde die Versorgung auf maximal ein Hörgerät rationiert. Das öffentliche Gesundheitswesen im Vereinigten Königreich muss sparen.

Die meisten Hörgeräte wurden in England bislang vom NHS-System getragen, auch die Batterien und die Wartung. Und zwar bereits seit 1948, das Jahr, in dem der NHS gegründet wurde. Offiziellen Zahlen zufolge sind in Großbritannien rund zwei Millionen Menschen mit Hörgeräten versorgt, obwohl die Zahl derer, die eine Hörhilfe bräuchten, bei sechs Millionen Menschen liege, berichtete die Dailymail im Februar.

Menschen, die sich aus eigener Tasche die Hörhilfen nicht leisten konnten, hatten unter bestimmten Voraussetzungen gute Aussichten auf eine Versorgung. Bedingung war lediglich, dass der praktische Arzt den Patienten an einen HNO-Arzt oder die (audiologische) Abteilung eines NHS-Krankenhauses überwiesen haben muss.

Auch wer sich privat ein Hörgerät angeschafft hat, konnte wenig falsch machen. In seinem Verfahrenskodex regelt der Hearing Aid Council (HAC) das Vorgehen von privaten Hörgeräteakustikern, die zugelassen sein müssen. Der HAC regelt Mindeststandards für die Erstattung von privat angeschafften Hörgeräten.

Jetzt ist im Land eine große Kostendebatte rund um das Thema Hörgeräte entbrannt. Zwei von fünf der NHS-Audiologie-Abteilungen sind gezwungen, ihre Leistungen zu kürzen. Der Grund: Die Budgets sind geschrumpft, während die Nachfrage in die Höhe schnellte. Die Zeiten für die bisherigen "Wohltätigkeitsaktionen" im Kontext mit dem Thema Hörverlust seien endgültig vorbei, resümiert das Nachrichtenblatt. In einzelnen Gremien werde unverständlicherweise sogar die Auffassung vertreten, dass Betroffene erst dann mit einem Hörgerät versorgt werden sollten, wenn es anders nicht mehr ginge.

Paul Breckell, Geschäftsführer "Action on Hearing Loss" kritisiert die bevorstehende Hinhaltetaktik. Es könne nicht angehen, dass nun hunderttausenden von Menschen ein deutliches Minus an Lebensqualität drohe, nur weil plötzlich eine notwendige zweiseitige Hörgeräteversorgung nicht mehr finanzierbar sei. Für Hörgeschädigte, die zwei Hörgeräte brauchen, bedeute die, dass sich ihr Gehör unter Umständen noch weiter verschlechtert, was nicht umkehrbar sei: "Wer würde schon auf die Idee kommen, ein Monokel bei Sehverlust zu verschreiben? - Wieso sollte es dann akzeptabel sein, Menschen, die zwei Hörgeräte benötigen, nur eines zuzugestehen?"

Nicht besser sehe es für Hörgeschädigte aus, die ein Cochlea-Implantat benötigten, heißt es. So ließ bereits die "Ear Foundation Charity" verlauten, dass in Zukunft die Versorgung mit einer Innenohrprothese deutlich reduziert werden müsste. um

 

Quelle: DailyMail, 11.02.2015

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