13. Juli 2017

Erlanger CI-Centrum veranstaltet erstmals den „Bayreuther Hörtag"

Über 80 Teilnehmer beim 1. Bayreuther Hörtag der HNO-Klinik Erlangen – Bedarf an Aufklärung auch in Oberfranken groß – Erfahrungsbericht von Dr. Günther Beckstein – Professor Dr. Dr. Ulrich Hoppe: „Viele Betroffenen wissen nicht, welche medizinischen Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen“.

Das Rauschen der Blätter, das Summen der Bienen, das Plätschern des Baches – für immer mehr Menschen ist die Wahrnehmung dieser kleinen Geräusche keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch im Alltag finden sich Menschen mit Schwerhörigkeit immer schlechter zurecht und fühlen sich – trotz Hörgerät – oft von gesellschaftlichen Vorgängen isoliert. Fakt ist: Die Zahl der zum Teil hochgradig schwerhörigen Menschen in Deutschland steigt weiter. Genauso der Bedarf an Aufklärung.

Grund genug für die HNO-Klinik, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen, das Cochlear-Implant-Centrum CICERO und den Verein „Hören schenken e. V.“, ihre Expertise gemeinsam unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident a. D. Dr. Günther Beckstein aktiv auch außerhalb Erlangens weiterzugeben. „Hilfe bei Schwerhörigkeit“ – unter diesem Leitspruch informierten die Veranstalter des 1. Bayreuther Hörtags am am 8. Juli 2017 im Arvena Kongress Hotel in Fachvorträgen und Erfahrungsberichten Betroffene, Angehörige und Interessierte über die Chancen einer Versorgung mit CI oder Hörgerät. Sie ermöglichten zudem den Austausch mit anderen Betroffenen.

Auf den Patienten kommt es an
„Viele unter Schwerhörigkeit leidende Menschen wissen nicht, welche medizinischen Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen, die sowohl das Hörvermögen als auch das Sprachverstehen verbessern und damit auch die Lebensqualität steigern können“, erläuterte Professor Dr. Dr. Ulrich Hoppe, Leiter des CICERO. Für Professor Dr. Dr. Heinrich Iro, Direktor der HNO-Klinik in Erlangen, ist es eine essentielle Aufgabe seiner Klinik, Fachwissen umfassend weiterzugeben: „Natürlich ist es am Ende nicht die Technik, sondern der Patient, der hier Behandlungswege vorgibt. Wir können ihm die Hilfestellung anbieten, sich im Austausch mit Ärzten und anderen Betroffenen zu informieren und herauszufinden, welche Behandlungsmethode für ihn infrage kommen könnte.“ Die Chance, fundiert mehr über die Versorgungsmethode CI zu erfahren, nahmen in Bayreuth über 80 Menschen wahr. In einem HörMobil des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V. (DSB) konnten vor Ort direkt orientierende Hörprüfungen durchgeführt werden.

Viel Eigeninitiative und Ausdauer
In Fachvorträgen beantworteten die Experten aus Erlangen zentrale medizinische Fragen: Welche Möglichkeiten gibt es, wenn Hörgeräte nicht mehr helfen? Welche Voraussetzungen brauchen Patienten für ein CI? Informationen aus erster Hand gab es auch zu den aktuellsten CI-Operationsmethoden, die immer weniger invasiv und somit patientenfreundlicher werden. Mit der OP allein sei es jedoch nicht getan. Besonders die Nachsorge spiele eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Gewöhnung an ein CI.

Nur sie führten im Verbund mit Maßnahmen aus Hörtherapie und technischer Anpassung langfristig zum Erfolg, betonte Professor Dr. Dr. Ulrich Hoppe auch in seinem Vortrag. „Unsere Patienten müssen auch immer ein hohes Maß an Eigeninitiative und Ausdauer an den Tag legen. Sie müssen das Hören und Sprachverstehen nach der OP erst wieder erlernen und richtig trainieren. Nur dann stellt sich ein echter Hörerfolg ein. Bei jedem gestaltet sich dieser Weg anders.“

Dass sich dieser Einsatz lohnt, zeigte an diesem Tag der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein, selbst CI-Träger. In seinem Gastvortrag „Hören mit Hörgerät und CI“ skizzierte er seinen Weg zum und mit dem CI und versicherte: „Mein Cochlea-Implantat hat mir meine Lebensqualität wiedergebracht.“

Fotos: Fabian Birke


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