31. März 2017

Im Schnee zum Glück

Die DCIG-Blogwerkstatt IV traf sich für sieben Tage im österreichischen St. Jakob in Osttirol. Hier geht es zum Bericht und zur Bildergalerie.

„Ich bin schwerhörig – und das ist gut so!“ In Anlehnung an das berühmte Zitat Klaus Wowereits ermunterte Roland Zeh die gut 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vierten DCIG-Blogwerkstatt, Kraft aus vermeintlichen Schwächen zu ziehen. Das gelang in St. Jakob in Osttirol sieben Tage lang auf wundersame und vielfältige Weise. Die Tagung stand unter dem Motto: Mein Weg – unser Ziel.

Als die ersten Fotos aus dem Deferreggental im Internet gepostet waren – sie zeigten heitere, selbstbewusste, in Schnee und Seminarraum höchst aktive junge Menschen - erreichten die DCIG-Geschäftsstelle prompt Zurufe älterer CI-Träger: „Warum machen wir nicht so etwas auch?“

Ja, warum eigentlich nicht? OK, das Programm nennt sich „Junge Selbsthilfe“. Es wendet sich an junge Erwachsene. An Hörgeschädigte mit CI und/oder Hörgeräten. Es ist die Frucht der von DCIG-Vizepräsident Oliver Hupka ins Leben gerufenen, gelenkten und geleiteten Blogwerkstatt. Gebloggt wird auf den Seminaren der Jungen Selbsthilfe immer noch, aber längst nicht nur. Und Jugend, so zeigt sich dort, ist nur bedingt eine Frage des Alters.

Line Dance auf der Alm
Diesmal ging es um Wege zur Stärkung des Selbstbewusstseins, um Gleichgewichtstraining im Schnee, auf Skiern und zu Fuß – und immer darum, von einander zu lernen, einander zu stärken. Dabei kam es schon mal zu spontanen Line-Dance-Einlagen vor einer Almhütte auf 2400 Meter Höhe, zu Interviews überraschter Urlauber („Wissen Sie, was ein CI ist?"), zum Hörtraining im Lift und zu spontanen Demonstrationen von „deaf power“ vor dem Rathaus von St. Jakob.  Der Bürgermeister des Osttiroler Örtchens hatte der DCIG den Gemeindesaal für Workshops zur Verfügung gestellt. Selten zuvor dürften dort Coping-Strategien zur Optimierung von Glücksgefühlen erörtert worden sein. Audiocoach Jana Verheyen fragte – einer Sportverletzung tapfer trotzend - : „Wie positiv ist euer Leben?“ und lehrte, „den eigenen Glücksanker auf Knopfdruck“ zu finden. Oder: „How to be an artist.“  Im Sinne Josef Beuys‘: „Lass dich fallen. Lerne Schnecken (!) zu beobachten…Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu…“  Jana Verheyens Ratschläge und Übungen wurden postwendend angewandt und umgesetzt. Indoor und unter freiem Himmel auch.

„Macht euch interessant!“
Etwas länger mag es dauern, bis alle TeilnehmerRoland Zeh auf dessen Weg zum Chef-Sein nachgefolgt sein werden. Der Arzt, DCIG-Präsident und Leiter zweier Reha-Kliniken zeigte anhand seines eigenen, ganz und gar nicht leichten, Lebenswegs auf, wie sich vermeintliche Schwächen in Stärken ummünzen lassen: „Ihr müsst euch für die Leute interessant machen!“ Es lohne sich, Verantwortung zu übernehmen und sich in der Selbsthilfe zu engagieren. „Seid immer etwas früher da!“

Feuerwehrfrau Anne Beer und Rettungssanitäterin Madeleine Fischer demonstrierten Kniffs der Ersten Hilfe und boten einen Überblick über die Notruf-Apps für Hörgeschädigte. Diplom-Betriebswirtin Anne Becker bewies: „Wer fragt, der führt!“ Alle drei haben über die Blogwerkstätten zur Selbsthilfe gefunden. Und damit schon wahr gemacht, wozu Roland Zeh angeregt hat.

„Wann merke ich, dass der Himmel lacht?“ lautete eine weitere Frage von Jana Verheyen. Es hagelte Antworten, die ganze Woche hindurch. Eine kleine Auswahl:

„Wenn ich gebraucht werde.“ „Bei Erfolg im Sport.“ „Wenn ich jemand anderem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“

Und: „Hier auf der Blogwerkstatt im Schnee.“

Ein ausführlicher Bericht erscheint in Schnecke Nummer 96 (Juni 2017).

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