27. Juni 2018

Grenzen sind relativ: „Selbst denken – selbst handeln“

Einmal im Monat lädt der Verein Grenzen sind relativ e.V. in Hamburg zur Netzwerkfeier mit Talkrunde und Live-Musik. Katja Steppke und Gesa Temmelmann haben sich die Veranstaltung für uns angeschaut.

„Wieso tue ich mir das eigentlich an?“, fragte sich die Musikerin und Eventmanagerin Katy Rastocny in der Talkrunde, die der Auftakt der „Grenzen sind relativ“-Netzwerkfeier Mitte Mai in Hamburg war. Anschließend kamen Künstler wie Kabarettist Felix Oliver Schepp, DJs und Live-Musiker auf die Bühne. Alles kostenlos für die Inklusion. Am Ende ging ein Hut rum.

Der Initiator und Projektleiter Mischa Gohlke gründete 2011 den Verein Grenzen sind relativ e.V., mit dem er sich für eine inklusive, integrale und nachhaltige Gesellschaft einsetzt. Sein Verständnis von Behinderung ist für ihn umfangreicher und nicht nur auf Menschen mit einer formal anerkannten Behinderung zu beschränken, schließlich könne sie auch emotionaler oder sozialer Natur sein, so der Musiker und Aktivist. Das erste Projekt des Vereins „Musikunterricht für Hörgeschädigte“ wurde vielfach ausgezeichnet. Mittlerweile etabliert sind auch die „Grenzen sind relativ“-Festivals, die Aktionstage Inklusion in Schulen, Universitäten und anderen Einrichtungen sowie die Netzwerkfeier, die Mitte Mai zum fünften Mal stattfand.

Jede Netzwerkfeier steht dabei unter einem anderen Motto. Das Gesprächsthema an diesem Abend: „Selbst denken – selbst handeln“. Musiker Markus Riemann moderierte den Talk mit Kulturmanagerin Katy Rastocny, Mischa Gohlke und dem Publikumsgast, der Projektleiterin Lea Gies vom Q8 Altona-Forum „Eine Mitte für alle“.

Nach ihrer Motivation für ihren Einsatz in Sachen Inklusion gefragt, verdeutlichte Gies am Beispiel der Bordsteinkante, warum die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in der inklusiven Stadtentwicklung einen wichtigen Stellenwert hat. Die anfänglich vorherrschende Idee war, den neuen Stadtteil in Altona ohne Bürgersteige zu bauen, um ihn barrierefrei für Rollstuhlfahrer zu gestalten. Doch schnell meldeten sich die Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit und Blinde zu Wort, dass für sie die Bordsteinkante eine enorme Bedeutung hinsichtlich der Orientierung habe. Daran zeige sich wie wichtig, der Austausch mit den Experten in eigener Sache ist, betonte Gies.

„Nimm dir niemals die Chance, nur weil jemand gesagt hat: Das geht nicht. Sondern greife dir ein Ziel und tue es!“ So ermutigte Rastocny das Publikum zum Selbstdenken und Selbsthandeln. Mit dieser Einstellung hat sie selbst viel erreicht: Rastocny organisiert Wohltätigkeitsfestivals wie den grünen Kiez in Berlin und ein Festival in Südamerika. Ihr Antrieb für ihr Engagement ist der Dank, den sie auch Monate später von Teilnehmern eines Projektes bekommt, vor allem der Dank von den Skeptikern.

Im Anschluss an die Talkrunde wurde die Bühne für den Musikkabarettisten Felix Oliver Schepp freigemacht. Dank der exzellenten Raumakustik war es gut möglich, dem Kabarett auch akustisch verständlich zu folgen. Schepp philosophierte skurril-ironisch in seinen Texten mit Klavierbegleitung in unter anderem den Stücken „Oxytocin“ und „Über die Wahrheit“ über das was ein Mensch für ein gutes und zufriedenes Leben braucht. Die Band „Van Wolfen“ rundete den Abend musikalisch ab.

Wie wichtig ein Austausch zwischen verschiedenen Initiativen und beteiligten Gruppen sowie Raum und Zeit für einen Schaffensprozess neuer Projekte sind, wurde an diesem Abend deutlich. Der Fokus liegt auf der Umsetzung, sodass eine Idee nicht länger eine vage Idee bleibt. Besonders hilfreich sind dabei Mitstreiter, die am gleichen Strang ziehen.

Wer Lust hat, selbst bei einer solchen Netzwerkveranstaltung dabei zu sein, die nächste findet am 12. September im Kukuun in Hamburg statt. Zu empfehlen ist auch das „Grenzen sind relativ“-Festival, das am 20. Oktober 2018 in der Fabrik in Hamburg-Altona stattfindet.

Katja Steppke und Gesa Temmelmann


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