17. Oktober 2018

Selbsthilfe mobilisiert: Der erste Tag des Hörens in Calau

Am 20. Oktober findet in Calau zum ersten Mal der „Tag des Hörens“ statt. Zu verdanken ist der Informationstag der örtlichen Selbsthilfe. Wie es genau dazu kam, berichtet Sylke Bärbock.

Calau ist eine Kleinstadt, welche als Ursprungsort des „Kalauer“ gilt. Sie liegt im südlichen Bundesland Brandenburg und hat einen verträumten und idyllischen Charme. Viele Vereine gibt es in diesem kleinen Ort und seit dem 29. Oktober 2016 auch die „Seelsorger der Ohren e.V.“.

Wir sind ein Verein mit einer vielleicht etwas anderen Philosophie, wir kümmern uns auch um uns, tauschen uns zu Neuigkeiten in der CI-Welt oder zu Veränderungen im Hilfsmittelgesetz aus. Wir arbeiten in der Öffentlichkeit, sind aktiv am Abbau der Barrieren im kommunalen Bereich tätig, beraten niederschwellig Hilfesuchende zu verschiedensten Themen und wir sensibilisieren für unser unsichtbares Handicap. Ich glaube, das ist auch der Grund, dass unsere Mitgliederzahl von ursprünglich sieben Gründungsmitgliedern bei derzeit 49 Mitgliedern liegt. Natürlich hat uns unser Projekt „Notfallkarte“ neben tollen Erfahrungen der Akzeptanz und Kommunikation auch aktive Mitglieder als Unterstützer aus Bundesländern wie Bayern, Hessen, NRW und Niedersachsen gebracht.

In unserer Vorbereitung auf 2018 machten wir uns Gedanken zum Thema der Barrierefreiheit in unserer Heimatstadt. Aus eigener Betroffenheit – mein sehnlichster Wunsch, einem Vortrag des Kriminalbiologen Mark Benecke zu lauschen – führte uns schnell zu der Idee, uns eine mobile Induktionsanlage anzuschaffen, um diese dann auch für gemeinnützige und kommerzielle Zwecke zur Verfügung stellen zu können. Gesagt, getan: Wir holten Angebote ein, entwarfen einen Finanzierungsplan und hatten den Einfall, die Induktionsanlage feierlich in einem tollen Rahmen einzuweihen.

Und dann kam alles ein bisschen anders als erwartet: Im Gespräch mit der Verantwortlichen der Stadtverwaltung Calau, uns bei der Anschaffung der Induktionsanlage zu unterstützen, erzählte ich ganz grob, was wir als Verein planen, nämlich eine kleine Informationsveranstaltung, gemeinsam mit einem deutschen Wohlfahrtsverband, in der Nachbarstadt zu initiieren. Unsere Idee wurde sofort aufgegriffen, geschaut, wann im Landkreis die „Woche der Gesundheit“ stattfindet, und die große Stadthalle eingebucht. Wir gingen aus dem Rathaus und waren erst einmal sprachlos. Was war passiert? Wollten wir nicht einen „kleinen Hörtag“ organisieren? Und nun in der Stadthalle mit über 500 Quadratmetern... wie sollen wir das machen? Gut, neue Aufgaben bedürfen einer Herausforderung und ein gutes Management.

An dem gleichen Abend setzte ich mich dran und entwickelte das erste Konzept. Mein Lebenspartner Gregor war der große Telefonierer, alle zu dem Thema Hören involvierten, von HNO-Arzt, über HNO- und Rehakliniken, Hörgeräte- und CI-Hersteller, das Hörmobil der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH), ein Fachanwalt für Sozialrecht (speziell Hilfsmittelverordnungsgesetz) und mehr erhielten in den nächsten Tagen einen wichtigen Anruf. Es war Januar 2018...

Viele Zusagen stimmten uns optimistisch, aber es war auch eine Frage der Finanzierung, denn: ohne Moos nix los. Ein Anruf bei einer Krankenkasse reichte vorerst, uns die Sorge zu nehmen. Auch die Kosten für die Gebärdensprachdolmetscher waren – Gott sei Dank – sehr zügig geklärt: Über die Fördermöglichkeiten der Selbsthilfegruppen nach § 20h des SGB V, auch in einem Verein organisierte Selbsthilfegruppen, erhalten wir nach der Beantragung, große Unterstützung durch die AOK Nordost und der Barmer. Es schien alles doch ein wenig leichter als zunächst vermutet. Auch die Übernahme der Schirmherrschafft für den ersten „Tag des Hörens“ in Calau durch unseren Landrat des OSL Kreises, Herrn Siegurd Heinze, gibt uns Recht, dass solch ein Event doch von einer enormen Wichtigkeit ist und helfen kann, vorhandene Barrieren weiter schrumpfen zu lassen.

Das vielseitige Knowhow unserer Mitglieder nutzend, wurde aus dem Konzept schnell ein Arbeitsplan mit Zeitschiene. Die Werbung war eines der ersten Aufgaben, aber auch die Licht- und Tontechnik sowie die Moderation und Versorgung mussten gut geplant werden. Kleine Arbeitsteams waren sehr schnell gebildet und in den nun häufigen Treffen der Vereinsmitglieder ging es wiederholt um den aktuellen Stand und die folgenden Aufgaben.

Ja, wir haben es geschafft! Am 20. Oktober 2018 findet in der Stadthalle in Calau eine der größten Veranstaltungen zu dem Thema Hören statt. Über 22 Aussteller werden ihr Angebot an Betroffene und Interessierte präsentieren. Eine Vortragsreihe von einer niedergelassenen HNO-Ärztin, einer operierenden HNO-Oberärztin, des Integrationsfachdienstes speziell für Hörstörungen, einer Cochlea-Implantat-Rehabilitationsklinik sowie der Vortrag eines Fachanwaltes für Sozialrecht sorgen für einen umfassenden Wissenstransfer. Auch die Möglichkeit individuelle Fragen stellen zu können sowie ein Austausch unter den Betroffenen wird an einem Hörgeräte- und CI-Treff gegeben sein.

Bei der Frage, wie es mir eine Woche vor dem großen Event geht? – Ich bin schon mega angespannt und aufgeregt, renne nur noch mit Stift und Zettel (selbst die kleinsten Einfälle schreibe ich mir inzwischen auf) durch die Gegend, schlafen ist nun auch nicht mehr so toll... aber ich kann es kaum noch erwarten. Denn in unseren orangen T-Shirts werden wir nächste Woche um 10 Uhr den ersten Hörtag in Calau im Beisein kommunaler Politiker eröffnen. Wer es nicht glaubt, sollte kommen und schauen...

Sylke Bärbock
1. Vorsitzende des Vereins „Seelsorger der Ohren e.V.“


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