21.12.2015

Ein Meilenstein für die Bildung hörgeschädigter Kinder in Hessen

Das hessische Kultusministerium will gemeinsam mit Elternvertretern, den Leitern der vier Beratungs- und Förderzentren für Hören und Kommunikation und weiteren Fachleuten bessere Rahmenbedingungen für hörgeschädigte Schüler erarbeiten.

Vor kurzem empfing Staatssekretär Dr. Manuel Lösel im Kultusministerium einige Vertreter des jungen hessischen Netzwerkes engagierter Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Hörschädigung sowie auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS). Marie Martin, die 1. Vorsitzende der Elternvereinigung hörgeschädigter Kinder in Hessen, übergab das gemeinsam erarbeitete „Netzwerk-Memorandum zu den bildungsrelevanten Bedürfnissen von Schüler/innen mit Hörschädigung oder mit auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung.“ Ziel der Netzwerkpartner ist es, über gemeinsame Aktivitäten und das Memorandum Fachleute und Entscheidungsträger für die besonderen Bedürfnisse einer sehr heterogenen Gruppe von Schülern zu sensibilisieren. Zu den wichtigsten Anliegen, die dem Kultusministerium nun gesammelt vorgestellt wurden, gehören die Aufstockung der personellen Ressourcen im mobilen Dienst, die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache im Schulsystem und die Bereitstellung eines entsprechenden Sprachangebotes an interessierten Schulen. Die Identitätsarbeit, vor allem bei inklusiv unterrichteten Schülern. Die fachliche Beratung und Schulung von Lehrkräften und Schulbegleitern an allgemeinen Schulen sowie die Transparenz über bereits erworbene Erfahrungen in verschiedenen Modellregionen. Die Netzwerkpartner fordern die Verantwortlichen aus dem Kultusministerium, die Schulleitungen (an Förderschulen und allgemeinen Schulen) und die Schulträgerschaft zu einem konstruktiven Dialog auf. Hierfür scheint der Weg nun geebnet.

Lücken und Defizite im hessischen Schulsystem systematisch aufarbeiten

Auch wenn das Kultusministerium nicht auf alle Themen eingehen oder Einfluss nehmen kann, wurde ein deutliches Signal zu Handlungsbereitschaft signalisiert: „Es sind konkrete Anliegen konkreter Kinder die wir gerne mit Ihnen gemeinsam und in strukturierter Weise abarbeiten wollen“ sagte Staatssekretär Lösel in dem rund zweistündigen Gespräch. Das Forum wird eine Arbeitsgruppe „Bildung für Schülerinnen und Schüler mit Hörschädigung“ sein, die erstmals am 15. Dezember in Wiesbaden zusammen kommt. Marie Martin freut sich über die Einladung: „Das ist möglicherweise ein Meilenstein für die Bildung hörgeschädigter Kinder in Hessen.“ Martin hebt hervor: „Es scheint, dass unser geschlossenes Auftreten der richtige Weg nach vorne ist und wir gemeinsam Inklusion gestalten können“. Neben den Vertretern der vier hessischen Beratungs- und Förderzentren für Hören und Kommunikation wird das Elternnetzwerk von der ersten Stunde in die Arbeit eingebunden sein. Je nach Themengebiet kann das Netzwerk weitere Experten aus der Schulpraxis vorschlagen und in die Arbeitsgruppe einladen.

DGS bald als Wahlpflichtfach in Hessen?

Ein erstes Entgegenkommen signalisierte Staatssekretär Lösel im Hinblick auf die Forderung nach einer Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache (DGS) im Schulsystem. „Ich sehe keinen Grund, warum eine interessierte Schule die DGS nicht im Wahlpflicht- bzw. Wahlunterricht anbieten kann.“ Vor allem im Rahmen eines Schulversuches sei er überzeugt, dass der zuständige Schulträger eine entsprechende Anfrage unterstützen würde. Hamburg hatte bereits im Sommer als erstes Bundesland die Einführung der DGS als Wahlpflichtfach angekündigt.

 

Tamara Schmidt vom Hofe, Projektbetreuung für Kinder und Jugendliche mit Hörbarriere

baff! Projektbüro
Bornheimer Landstraße 48
60316 Frankfurt am Main

Elternvereinigung hörgeschädigter Kinder in Hessen e.V.
Marie Martin
Bächelsgasse 4a
65520 Bad Camberg


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