02.11.2015

Von der Idee zur Tat: deaf-ohr-alive.de

Wie entsteht eine Selbsthilfegruppe im Netz? So wie am Halloween-Wochenende in Heidelberg! Der zweite Teil der DCIG Blogwerkstatt gebar eine Vielfalt an Ideen. Mehr als das: Der Anfang ist gemacht. Der Blog beginnt zu leben: www.deaf-ohr-alive.de. Eine Teilnehmerin berichtet:

Nach einem Rückblick auf die Blogwerkstatt I waren auch die neu Dazugekommenen bestens informiert und motiviert. Ulf Tramsen, Inhaber einer Werbeagentur in Weinheim, hatte die Erkenntnisse vom Mai bereits präzise in Layout und Strukturen umgesetzt. Seine Präsentation weckte die Vorfreude auf die Onlineschaltung.

DCIG Halloween Spezial

Zur Einstimmung zogen wir nach einem ereignisreichen Tag durch Heidelberg und feierten zusammen auf einer Halloween-Party in einer schummrigen Bar mit lauter Musik. Trotz der schlechten Akustik gab es keine Verständigungsprobleme untereinander, dafür aber jede Menge Spaß und Stoff für bleibende Erinnerungen. Oliver Hupka, Audiotherapeut und Vizepräsident der DCIG, am nächsten Morgen: „Normalerweise waren das die denkbar ungünstigsten Bedingungen für Hörgeschädigte, bei denen man unter Guthörenden schnell ein mulmiges Gefühl bekommt... entweder so tut als ob, oder einfach außen vor ist. Aber ganz ehrlich: Ich habe keinerlei Kommunikationsschwierigkeiten gesehen, im Gegenteil... Ich behaupte, das lag daran, dass ihr einfach Selbstvertrauen hattet und sich keiner geschämt hat, mal nachzufragen!“

Vlog – Video trifft Blog

Damian Breu präsentierte seine bisher gedrehten Videos über lustige Alltagssituationen eines Hörgeschädigten. Solche Situationen in einem Text wiederzugeben ist oftmals schwierig und längst nicht so verständlich wie ein kurzes Video. Der Schwerhörige erkennt sich sofort wieder, aber noch viel spannender ist, dass auch Guthörende so direkt einen Eindruck davon bekommen, was es bedeutet, gehandicapt zu sein. Damians Idee steckte an und sorgte dafür, dass auch die anderen Teilnehmer heitere Alltagsgeschichten zum Besten gaben.

Chancen und Gefahren

Die Diplom-Psychologin Lisa Manow schilderte Chancen und Risiken der virtuellen Kommunikation. Das Aufschreiben der eigenen Erfahrungen in Form eines Blogs könne sehr entlastend und befreiend sein. Ebenso wertvoll sei das Erleben, mit seinen Problemen nicht allein zu sein und sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen. Sie warnte aber auch vor der Gefahr, sich durch seine Offenheit verletzbar und angreifbar zu machen oder abhängig zu werden von der Anerkennung der Follower durch „Likes“ und positive Kommentare.

Der Kampf ums beste Bild

Christian Borth gab einen Einblick in das Leben eines Profifotografen und Tipps rund um das Thema Fotografieren. Er verdeutlichte den Teilnehmern, wie man mit Hilfe der Fotografie für sich und Andere einzigartige Momente festhalten kann. Und auch, wie sich durch gekonnte Inszenierungen beim Betrachter bewusst und unbewusst Gefühle und Emotionen erzeugen lassen. Deutlich wurde, wie wichtig ein gut ausgearbeitetes Konzept und die präzise Umsetzung beim Fotografieren sind, aber auch, wie tolle Schnappschüsse entstehen. Um das Gelernte in die Tat umzusetzen, zog die gesamte Blogwerkstatt los und erarbeitete in Gruppen eigene Konzepte zu den Themen „Gefühle & Empfindungen zeigen“, „Portraitieren zweier Personen (so dass man sie durch die Bilder kennenlernt)“ sowie „Präsentation der Räumlichkeiten (Jugendherberge)“. Dabei hätte wohl niemand im Vorfeld gedacht, welch enormes Potential in den Nachwuchsfotografen steckt (mehr dazu auf Seite XY unter „Blogwerkstatt Foto-Award“ und online unter www.deaf-ohr-alive.de und www.dcig.de).

Dem Chefarzt die Meinung sagen

Der Montag stand dann ganz im Zeichen des Austauschs zwischen Fachleuten aus Medizin und Industrie und den jungen Teilnehmern. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, wie sich Hersteller- und Klinikvertreter an der neuen Community-Plattform beteiligen können und wollen. Wann hat man schon mal die Chance, bei einem gemeinsamen, im wahrsten Sinne des Wortes aktiven Brainstorming einem Chefarzt seine Meinung sagen zu können?

„Wir“- eine Gemeinschaft, die verbindet

Als Teilnehmerin der Blogwerkstatt kann ich sagen, dass jegliche Erwartungen und Vorstellungen an diese Veranstaltung übertroffen wurden. Sei es beim Thema Fotografie, der Ausarbeitung des Blogs oder der Gemeinschaft, die sich dadurch entwickelte. Im Fokus stand nicht die Schwerhörigkeit, die uns verbindet, sondern die gemeinsame Motivation zum Mitwirken an einer Selbsthilfegruppe im Netz.

Helen Sovdat (18 J.)

 


  

Stimmen zur DCIG Blogwerkstatt

„Die Blogwerkstatt ist bereits zu einer tollen Community geworden. Es war ein sehr inspirierender und kreativer Austausch und es hat einfach sehr viel Spaß gemacht, die Zeit gemeinsam zu verbringen.“
Ulf Tramsen, Inhaber der Werbeagentur Tramsen Media

„Es ist mir ein großes Bedürfni,s mich für dieses sensationelle Seminar zu bedanken. Die Tage waren eine reine Bereicherung in der Zusammenarbeit mit jungen CI Trägern, die keinen Frontalunterricht, sondern echte Interaktion und hilfreiches Coaching waren.“
Oliver Walenta, Marketing Manager BU Service & Care Med-El

„Ich bin beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und dem Engagement der Werkstättler und sicher, dass der neue Blog eine Inspiration auch für die Zeitschrift Schnecke sein wird.“
Uwe Knüpfer, Chefredakteur Schnecke

„Wer bei Junge Selbsthilfe an verzweifelte junge Menschen denkt, irrt sich gewaltig. Die Werkstättler haben mich auch dieses Mal von der ersten Sekunde an mit ihrem Einfallsreichtum und ihrem Teamspirit begeistert.“
Lisa Manow, Diplom Psychologin

„Die Blogwerkstatt ist mehr als nur ein Workshop. Diese Gruppe bringt neben einem außergewöhnlichen Verbundenheitsgefühl unwahrscheinlich viel Einfallsreichtum und Talent mit. Man darf auf etwas Großes gespannt sein.“
Oliver Hupka, Vizepräsident DCIG e.V.

„…ein wirklich gutes Gefühl, so schnell in die Gruppe aufgenommen zu werden. Und aufregend, eine Welt kennenzulernen, die irgendwie intensiver zu sein scheint als die Welt, die ich sonst kenne. Ich hoffe, mit meinem Abstecher in die Welt der Fotografie auch etwas da gelassen zu haben.“
Christian Borth, Profifotograf

„…der Vortragsraum zum Bersten gefüllt, die Atmosphäre sehr dicht, dank der Verbundenheit und guten Beziehungen untereinander, aber auch durch das hohe Commitment, das von jedem Einzelnen ausging… einfach herausragend, nachdem ich schon viele Workshops gesehen habe, aber selten einen so wertvollen erleben durfte.“
Patricia Mattis, Advocacy Manager Cochlear

„So stelle ich mir Selbsthilfe für junge Leute vor. Hier hat sich eine tolle Gruppe zusammengefunden und es war schön, in der Feedback-Runde zu hören, dass sich alle schon auf das nächste Treffen freuen"
Dr. Roland Zeh, Präsident der DCIG


Zurück