07.10.2015

Zum Tod von Franz Hermann: Verbeugung vor einem Urgestein

Ein Fels in der Brandung mit eisernem Willen und viel Verständnis für seine Mitmenschen: Das war Franz Hermann. Am Montag, 05. Oktober, starb der DCIG-Ehrenpräsident im Alter von 76 Jahren. Er erlag den Verletzungen eines Verkehrsunfalls, der sich am Montagnachmittag in seinem Wohnort Illertissen ereignet hatte.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Hanna Hermann, der langjährigen Chefredakteurin der Fachzeitschrift Schnecke, machte Franz Hermann das Cochlea-Implantat in Deutschland bekannter. Über viele Jahre war er DAS Gesicht der DCIG.

Beigetreten ist er der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft e.V. (DCIG) am 1. Juli 1988. Von 1989 bis 1993 war er Kassenprüfer und von 1997 bis 1999 dann 3. Vorsitzender der DCIG. Von 2000 bis zum April 2004 war Franz Hermann DCIG-Geschäftsführer, von 1999 bis 2014 Präsident der DCIG und seit 2014 DCIG-Ehrenpräsident. Zudem war er Gründungsmitglied des Bayerischen Cochlea Implantat-Verbandes im September 1997, 1. Vorsitzender des BayCiv von 1997 bis Oktober 2010 sowie Ehrenmitglied des BayCiv seit September 2012.

Unter der DCIG-Präsidentschaft von Franz Hermann fand der erste Deutsche CI-Tag mit dem Grundmotto „Taub und trotzdem hören!“ statt. Ziel des CI-Tages war und ist es, das Cochlea-Implantat in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen.

Franz Hermann erhielt im Mai 2000 die Verdienstmedaille der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V., und im April 2003 bekam er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Zu den Aufgaben des Bundesverbandes zählt die Unterstützung von Hörgeschädigten, die politische Arbeit im Gemeinsamen Bundesausschuss zum Wohle der Menschen mit Hörbehinderung, die Franz Hermann stets vorangetrieben hat, die Beratung und Information von schwerhörigen, an Taubheit grenzend schwerhörigen oder ertaubten Menschen vor der Versorgung mit CI, die Öffentlichkeitsarbeit, die Förderung der CI-Selbsthilfe in Deutschland sowie die Förderung von CI-versorgten Kindern und Jugendlichen. All diesen Aufgaben hat sich Franz Hermann gewissenhaft und mit großer Empathie gewidmet.

Franz Hermann war es ein besonderes Anliegen, die Fronten zwischen Gehörlosen und CI-Trägern, zwischen dem Deutschen Gehörlosenbund und der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft mittels Gesprächen auf diversen Ebenen aufzuweichen. Beim DCIG-Seminar für hörgeschädigte Eltern mit CI-versorgten Kindern im Juni 2013 in Darmstadt gelang dies vor laufenden Kameras des Bayerischen Rundfunks für die Sendung „Sehen statt hören“. Für positive Verbindungen zwischen den einzelnen Verbänden der Hörgeschädigten hat sich Franz Hermann immer sehr intensiv eingesetzt. Er prägte die DCIG nachhaltig.

DCIG-Präsident Dr. Roland Zeh: „Die Nachricht von Franz Hermanns plötzlichem Tod hat mich umgeworfen. Für mich, wie für viele andere in der DCIG und drumherum, war Franz Hermann Vorbild, Autorität und Freund zugleich. Sein Einsatz für hörgeschädigte Menschen war unermüdlich. Auf seinen Rat war jederzeit Verlass. Ohne ihn wären die DCIG und die Schnecke nicht zu dem geworden, was sie heute sind. Ich hätte Franz und seiner Frau Hanna von Herzen noch viele gemeinsame Jahre gewünscht. Er wird uns sehr fehlen.“

Erst vor einer Woche besuchten Franz und Hanna Hermann die neuen Räume der DCIG und der Redaktion Schnecke und erzählten, wie viel sie noch vorhatten. Umso tiefer sitzt nun der Schock. Die Gedanken Aller in der DCIG und der Redaktion Schnecke sind bei Hanna Hermann. Wir trauern mit Freunden und Familie um einen großartigen Menschen, ein wahres Urgestein.

 

10. Oktober 2015

Trauerfeier in Illertissen

Eine schier unüberschaubar große Trauergemeinde aus Angehörigen, Freunden, Kollegen, Nachbarn und Weggefährten nahm am Freitag, 9. Oktober 2015, in der St. Martinskirche zu Illertissen Abschied von Franz Hermann und begleitete ihn auf seinem letzten Weg; darunter das nahezu komplette DCIG-Präsidium, ehemalige Präsidiums- und Vorstandsmitglieder, Vertreter von DCIG-Regionalverbänden, Prof. Dr. Thomas Lenarz aus der DCIG-Gründungsstätte Hannover sowie viele frühere und heutige Mitarbeiter der DCIG und der Redaktion Schnecke. Franz Hermann hatte (natürlich) sichergestellt, dass Predigt, Gesang und Reden auch für CI-Träger gut verständlich waren, da er dafür gesorgt hatte, dass in der Kirche eine Ringschleife installiert ist.

Wir dokumentieren die Rede von Dr. Roland Zeh:

Liebe Hanna, liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde,
Als Präsident der Deutschen Cochlea-Implantat-Gesellschaft (DCIG) und als Nachfolger von Franz Hermann in diesem Amt möchte ich einige Worte an Sie richten. Ich wünschte, nicht her stehen zu müssen. Noch nie zuvor ist es mir so schwer gefallen, eine Rede zu halten und passende Worte zu finden. Nur wenige Minuten vor dem tragischen Unfall habe ich Franz noch eine E-Mail geschrieben zur Vorbereitung eines gemeinsamen Termins, den wir eigentlich am Dienstag haben sollten. Ich hatte mich sehr gefreut, mal wieder nach Illertissen zu kommen und ihn und Hanna endlich mal wieder zu treffen. Nur wenig später erreichte mich die Nachricht von seinem schrecklichen Unfall und später die Todesnachricht. Ich bin immer noch erschüttert und kann - wie wohl alle in diesem Kreis - noch nicht fassen, was passiert ist.

Für die große DCIG-Familie ist es ein sehr großer Verlust, dass Franz nicht mehr unter uns ist. Wir alle haben uns sehr mit ihm verbunden gefühlt und werden ihn auch weiterhin im Herzen behalten. Wir haben einen guten Freund und einen großartigen Menschen verloren.

Es fällt mir sehr schwer, Worte des Abschiedes von unserem sehr geschätzten und geliebten Ehrenpräsidenten Franz Hermann zu sprechen. Zum einen, weil mich sein Tod wie alle hier sehr berührt, und zum anderen, weil man sein Wirken für die DCIG und für die hörgeschädigten Menschen nicht annähernd genug würdigen kann.

Franz Hermann war 17 Jahre lang im Präsidium der DCIG aktiv, davon 15 Jahre als Präsident. Seit seinem Ausscheiden aus der aktiven Vorstandsarbeit im letzten Jahr war er unser Ehrenpräsident und als Vertreter unseres Verbandes auch weiterhin in vielen wichtigen Gremien aktiv. Nur drei Tage vor seinem Tod war er noch zu einer Gremiumsitzung in Berlin.

Seine zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Funktionen und Aufgaben hier noch mit aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Seine Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland und mit dem Verdienstorden der Deutschen HNO-Gesellschaft sollen stellvertretend stehen für die vielen Ehrungen und Auszeichnungen, die Franz Hermann für seine Verdienste erhalten hat.

Mit seinem Engagement für alle Belange der Hörgeschädigten, nicht nur der CI-Träger, seiner Hilfsbereitschaft und seinem immerwährenden Einsatz in der ganzen Bundesrepublik und auch über deren Grenzen hinaus war er ein Vorbild für alle und wird es immer bleiben. Franz war immer für uns da, wenn es Fragen oder Probleme gab, er war stets hilfsbereit und zupackend, hat nicht um den heißen Brei herumgeredet, sondern gehandelt, während andere noch diskutiert haben. Ein Pragmatiker eben und ein "Schaffer", wie wir Schwaben sagen.

Wir verlieren mit ihm einen besonderen Menschen mit einem großen Herzen, einer stets ruhigen und besonnenen Art, der auch in schwierigen Situationen immer Herr der Lage war. Wir werden ihn sehr vermissen.
Liebe Hanna, liebe Familie Hermann – im Namen aller Mitglieder der DCIG wünsche ich Ihnen allen die Kraft, diesen Schicksalsschlag zu überstehen. Unser aller Mitgefühl gilt der Familie.

Ernest Hemingway sagte einmal:

„Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig und die, die es sind, sterben nie. Es zählt nicht, dass sie nicht mehr da sind. Niemand, den man wirklich liebt, ist jemals tot."

In diesem Sinne wird auch Franz in unseren Herzen ewig weiterleben.

 

 

Vita:

Franz Hermann, geb. am 26.10.1938, verheiratet seit 1996 mit Hanna Hermann; seit 1963 Mühleningenieur/Müllermeister, danach Produktions- und Technischer Betriebsleiter in diversen Mühlen-Betrieben, ab 1977 Betriebsleiter eines großen Mühlenbetriebes in Illertissen, mehrere Hörstürze, Tinnitus, Hörgerät, Taubheit mit 41 Jahren; 1. Implantation 1985 mit Nucleus Std li (Pat. Nr. 21), 2. Implantation 2001 mit Nucleus R-24CS li., 3. Implantation Nucleus RE-24 CA 6.8.2007 re; 2000-2004: DCIG-Geschäftsführer; seit 1999 im Ruhestand; 1999-2014: DCIG-Präsident; seit 2014: DCIG-Ehrenpräsident.

 


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