02.03.2015

Erfolgreiche Reha-Maßnahme - kein schöner Zusatzurlaub

Dass eine Reha-Maßnahme durchaus mit Anstrengungen und Arbeit verbunden ist, hat Wilfried Bertram bei seiner Rehabilitation in Bad Nauheim festgestellt. Doch der persönliche Einsatz lohnt sich, wenn man damit sein Hören verbessern kann und am Ende doch eine schöne Reha hatte.

Fünf Bereiche umfasste meine Reha-Maßnahme in der Median Kaiserberg-Klinik: Einzeltherapie, Gruppentherapie (2-3 Personen), Gruppentherapie (8-10 Personen), Kommunikationstraining (8-10 Personen) sowie Vorträge. Übungen zum besseren Sprachverstehen wurden grundsätzlich nur über die CI-versorgte Seite durchgeführt, d.h. evtl. zusätzliche Hörhilfen wurden ausgeschaltet. Außerdem wurde mit verdeckten Lippen gesprochen, sodass ein Verstehen nur mit CI möglich war.

In der jeweiligen Gruppe sprach nicht nur die Therapeutin, sondern auch die Teilnehmer. Man musste sich immer wieder auf eine neue Stimme konzentrieren. Jeder stellte sich mit Namen und Wohnort vor und dies wurde so oft wiederholt, bis alle Teilnehmer es verstanden hatten. Eine weitere Erschwernis waren eingespielte Störgeräusche bei den Übungen.

In der Einzeltherapie wurden die Übungen vertieft und das Telefonieren mit T-Spule und Lautstärkeerhöhung geübt. Außerdem wurde die Handhabung des Computer-Programms besprochen und bestimmte Übungen daraus empfohlen. Zwischenzeitlich wurden natürlich CI-Einstellungen durchgeführt und Fortschrittsüberprüfungen vorgenommen.

Ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Reha-Maßnahme war das Kommunikationstraining. Es wurde mit Ringschleife und Mikrofon gearbeitet, da es hier nicht um das Verstehen mit dem CI ging. Vielmehr war das zentrale Thema, wie ich mit meiner Schwerhörigkeit umgehe und wie ich die Kommunikation zu meinen

Oder wenn man sich mit nur einer Person unterhält und etwas nicht verstanden hat und trotzdem mit dem Kopf nickt, wo ein Kopfschütteln richtiger gewesen wäre, erzeugt man bewusst oder unbewusst ein anderes Bild beim Gegenüber.Kränkungen und Frustrationen führen irgendwann zur Vereinsamung. Deshalb ist es äußerst wichtig, sich zu der Schwerhörigkeit zu bekennen, seine Gesprächspartner darauf aufmerksam zu machen und sie zu bitten, langsam und deutlich zu sprechen und einen dabei anzusehen. Denn durch das Lippenablesen wird ein "Verstehen" - hier muss man schon fast "Begreifen" sagen - noch leichter gemacht.

Zusätzliche Körpersprache, Mimik, Gestik oder Gebärden können eine weitere Hilfe sein, werden aber auch häufig falsch interpretiert. Man muss sich aber auch selbst fragen, was man als Hörgeschädigter zu einer besseren Kommunikation beitragen kann, ohne die Verantwortung immer nur auf den Gesprächspartner abzuwälzen.
Diese ganzen Umstände erfordern eine gehörige Portion an Konzentration, die es zusätzlich zu bewältigen gilt und die nicht selten auch in zusätzlichen Stress ausarten.

Hilfreiche Informationen, Seminare und Maßnahmen

Abgerundet wurde die Reha durch zusätzliche Vorträge über Cochlea-Implantate, Schwindel, Tinnitus, Hyperakusis, Hörstress, Angst, Schlafstörungen sowie technische Hilfsmittel für Schwerhörige.
Bei dieser Fülle an Maßnahmen braucht sicher niemand auf die Idee zu kommen, dass es sich bei einer Reha-Maßnahme um einen schönen zusätzlichen Urlaub handelt. Das Gegenteil ist eher der Fall und eine Ausdehnung der Reha auf bis zu fünf Wochen ist aus Sicht der Betroffenen mehr als gerechtfertigt.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass das gesamte Personal in Bad Nauheim, angefangen von der Putzfrau bis hin zum Chefarzt, äußerst zuvorkommend und freundlich war. Einige der Ärzte und Therapeuten tragen einseitig oder sogar beidseitig CIs. Allein schon aus diesem Grunde kann man als Patient ein hohes Maß an Kompetenz und Verständnis erwarten. Als Betroffener kann ich nur jedem, der vor der Entscheidung "CI - ja oder nein?" steht, nahe legen, an einem CI-Entscheidungsseminar teilzunehmen.

Ich würde immer wieder diese Reha-Maßnahme durchführen, denn ein um insgesamt ca. 25 bis 30 Prozent besseres Verstehen kommt sicher nicht von allein. Dass ein CI das normale Gehör nicht ersetzen kann, ist bekannt. Aber dass eine solche Maßnahme das Verstehen um einen erheblichen Teil verbessern kann, habe ich selbst erfahren. Das Hören mit CI ist ein immerwährender Prozess, der nie ganz beendet sein wird und an dem man selber weiter arbeiten muss, dies sollte man als Betroffener natürlich auch wissen.

Ich möchte mich noch einmal bei dem gesamten Team für die Freundlichkeit, vor allem aber für das Erreichte recht herzlich bedanken.


Wilfried Bertram

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