27.02.2015

Wie neu geboren nach erfolgter Cochlea-Implantation

Anderen Betroffenen Mut zu machen, ist das Ziel von Wilfried Zimmermann mit seinem Bericht. Sie sollen sich mit der Taubheit oder der starken Schwerhörigkeit nicht einfach abfinden, sondern Wege suchen und sich über alles informieren, was zu einer Besserung des Hörens und damit der Lebensqualität beiträgt.

Am 13. Februar 2014 wurde der Grundstein für die Wiedergeburt meines Hörsinnes gelegt. Hören ist ein wichtiger Sinn für uns Menschen. Wenn er fehlt, ist die Lebensqualität stark eingeschränkt. An diesem Tag wurde mir im Krankenhaus Marienhof in Koblenz, im Cochlear Implant Centrum (CIC), ein Cochlea-Implantat (CI) am rechten Ohr eingesetzt. Mit dem CI wurde der erste Schritt realisiert, mehr am Leben mit anderen Menschen teilzunehmen. Im Nachhinein bin ich froh, das Risiko einer Operation gewagt zu haben. Ich fühle mich wie neu geboren. Je näher der Operationstermin kam, umso mulmiger wurde mir. Ich sagte zu mir selbst: "Da muss ich durch." Einen Tag vor der Operation wurden nochmals Gespräche mit dem Stationsarzt, dem Anästhesisten und dem Operateur sowie letzte Untersuchungen durchgeführt. Am Tag der Operation wurde ich mit dem Bett in den Operationssaal geschoben. Ich sah kurz eine Schwester. Aus. Als wäre nur eine Sekunde verstrichen, wachte ich später auf. Ich hatte keine Schmerzen, nur ein Druckgefühl um den Kopf. Der Verband musste fest gewickelt sein wegen der Schnitte am Ohr.

Guter Heilungsverlauf und Erstanpassung

Im 6. Stock der HNO-Abteilung genoss ich danach die Regularien der Schwestern. Wir Patienten saßen an einer Flurecke und hielten einen Plausch. Da musste ich noch mit Händen und Füßen reden, es war alles noch tot im Gehör. Dann wurde ich entlassen. Ich bekam Instruktionen, u.a. keine Haare zu waschen wegen der Infektionsgefahr. Die ersten drei bis vier Wochen konnte ich auf der operierten Seite nicht liegen. Doch der Heilungsprozess verlief ohne Komplikationen. Der Tag beim Akustiker kam und da hieß es dann den CI-Prozessor anschalten, programmieren, langsam die Lautstärke hochregeln. Ich hörte mich selbst sehr stark und war wieder glücklich. Die ambulante Rehabilitationszeit begann. Man darf nicht glauben, wenn das CI eingesetzt ist, dass man sofort wieder alles hört Das Gehirn musste sich auch bei mir erst wieder an die neue Übertragungstechnik und an die neue "normale" Lautstärke gewöhnen nach all den Jahren der Stille. Ich hatte mich in der Klinik beim Akustiker während der Reha-Tage gut aufgehoben gefühlt. Anfangs wurden in kürzeren Abständen die Lautstärke und die gehörten Frequenzen in Tests festgestellt und gegebenenfalls erhöht. Später wurden die Testintervalle länger, wenn man einen ungefähr gleichen Einstellrhythmus erreicht hatte. Die Sprache hatte sich die ersten Monate wie in einem Mickey-Maus-Film angehört. Jetzt, nach sieben Monaten, habe ich eine sehr gute Sprach-Personenkennung.

Glücklich mit neuen Geräuschen

Jeden Tag höre ich wieder neue Geräusche und Töne die ich vorher nie gehört hatte. Das Ticken der Uhr an der Wand zum Beispiel oder das Zwitschern der Vögel im Wald. Ich höre sie ganz laut und deutlich, die hohen Töne, die ich nie gehört habe vor meiner Zeit mit CI. Ich heule ab und zu hemmungslos, so glücklich bin ich, dass ich so viele Höreindrücke wieder erleben darf. Das Hörenlernen mit dem Implantat ist Arbeit. Wenn ich zwei bis drei Stunden Übungen gemacht habe, falle ich ins Bett und schlafe glücklich ein. Natürlich gibt es auch Momente, in denen das CI an seine Grenzen stößt. Das ist bei lauten Nebengeräuschen der Fall oder in geschlossenen Räumen mit schlechter Akustik. Überall, wo ein normales gealtertes Ohr auch Schwierigkeiten bekommt.

 
Wilfried Zimmermann

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