21. Juli 2016

Selbsthillfegruppe "CI-Träger in Thüringen" traf sich in Eisenach

Unter dem Motto „Aufmerksamkeit schaffen“, zog es uns am 18. Juni 2016 anlässlich des CI-Tages 2016 hinaus in die thüringische Stadt Eisenach. Unser spezielles Selbsthilfegruppen-Thema hieß: „Barrierefrei - Wir sind dabei!“

Für uns war vor Ort eine Altstadtführung mit Audio-System organisiert. Mit dieser Technik kann der Sprecher – auch bei lauter Innenstadt-Umgebung – per Funk perfekt verstanden werden. Anstelle der Kopfhörer können Hörgeräteträger, sofern das Hörgerät mit einer Induktionsspule ausgestattet und diese vom Hörakustiker eingestellt ist eine Halsringschleife (Induktionsschleife) nutzen. Dies gilt auch für CI-Träger. Die Hörsysteme sind dazu auf „MT“ oder „T“ umzuschalten.

In unserer Selbsthilfegruppe haben wir in den vergangenen 16 Jahren mehrfach diverse induktive Ringschleifen ausprobiert in Verbindung mit Technik, die es jeweils vor Ort gab, wie einen Audioguide. Auch nutzten wir die eigene Personenführungsanlage, z.B. bei Informationsveranstaltungen, bei Vorträgen von Fachleuten oder bei der Freizeitgestaltung. Für uns ein immer wieder faszinierendes Erlebnis alles problemlos und entspannter verstehen zu können. Unsere barrierefreie Stadtführung begann vor dem barocken Stadtschloss am Markt, wo sich auch die Tourist-Information befindet. Zwei Mitglieder des Schwerhörigen-Vereins Eisenach e.V. schlossen sich unserem Treffen an.

Nach dem Techniktest erfuhren die 17 Teilnehmer in den folgenden zwei Stunden auf dem Rundgang mit der Gästeführerin Petra Heym – vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Eisenachs – viele spannende Informationen zu Eisenachs Stadtgeschichte und berühmten Persönlichkeiten wie Bach, Luther oder der Heiligen Elisabeth. Die Georgenkirche, konnten wir leider nur von außen bewundern, da diese wegen einem Dreh für die Fernsehserie „Familie Dr. Kleist“ geschlossen war. Nebenbei erfuhren wir, dass diese Kirche mit einer induktiven Ringleitung ausgestattet ist.

Zum Mittagessen und regen Erfahrungsaustausch nahmen wir in der historisch-rustikalen „Marktschänke“ Platz und sorgten nicht nur hier mit unseren Luftballons „Taub und trotzdem Hören“ für Aufsehen, sondern bereits bei der Anfahrt per Bahn und am Nachmittag, als wir über den Markt zogen und später die „Eismanufaktur“ stürmten. Einige CI-TrägerInnen unserer Gruppe tragen ihr CI nicht dezent in ihrer Haarfarbe, sondern als auffälliges Schmuckstück, z.B. mit Folie beklebt zur Kleidung passend. Das ist mutig und erzeugt Aufmerksamkeit. Das CI kann so gegenüber Hörenden oder Menschen mit ähnlichen Problemen erklärt werden.

Wir wünschen uns als Selbstbetroffene, dass noch mehr Hörgeschädigte den Vorteil des induktiven Hörens nutzen können und auch Nutzen würden. Öffentliche Stellen müssen wir darauf ansprechen, da unsere Behinderung eine „unsichtbare“ ist. Es sollte klar darauf aufmerksam gemacht werden, wo „Hören ohne Barriere“ für uns möglich ist. Hörgeräteträger sollten zudem beim Hörgeräteerwerb darauf achten, dass das Hörgerät mit der Induktionsspule ausgestattet ist und diese vom Hörakustiker aktiviert wird, um diese Vorteile nutzen zu können. Unsere Stadtführerin war sehr an unseren Höreindrücken interessiert, auch in der Tourist-Information fragte man speziell nach unserer Technik und unseren Eindrücken nach der Stadtführung damit.

Jeder konnte an diesem Tag erfahren, dass Eisenach viel zu bieten hat an Kultur und Geschichte. Vielleicht kehrt der ein oder andere zurück. Denn ein Tag reicht nicht aus, um alle Sehenswürdigkeiten zu genießen. Auch die Schönheit der Landschaft ist ein Grund dafür, Eisenach wieder zu besuchen. 2017 findet hier das 500-jährige Reformationsjubiläum und der 117. Deutsche Wandertag statt.

Waltraud Thamm und Barbara Wagner, SHG „CI-Träger in Thüringen“

 


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