28.01.2016

Wenn Elektroden wandern

2013 stellten Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover bei der Untersuchung von CI-Trägern, deren Sprachverstehen sich verschlechtert hatte, erstmals fest, dass sich die Platzierung des Cochlea-Implantats im Innenohr dieser Patienten geändert hatte: Die Elektroden waren „migriert“: gewandert. Seither wurde mit Hilfe erneuter radiologischer Untersuchungen dieses Phänomen in der MHH bei 33 Patienten beobachtet. „Wir wissen immer noch nicht warum,“ räumte Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat auf dem XVII. Hannoverschen CI-Kongress ein. Das Phänomen trat bei verschiedenen Elektroden verschiedener Hersteller auf. Die Folgen waren bei allen Patienten unterschiedlich. Die gute Nachricht ist: Allen Patienten konnte geholfen werden. In bislang 15 Fällen war eine erneute Operation notwendig: Im Knochenwinkel wurde eine tiefere Halterille gebohrt. Damit werde, „nach heutigem Kenntnisstand“, die Migration von Elektroden verhindert. Anke Lesinski-Schiedat schließt aus dieser Entdeckung: Wer im Zusammenhang mit Cochlea-Implantationen „von Routine spricht, hat die Realität nicht verstanden.“

uk, Schnecke 90

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