25.06.2015

Wie das Ohr dem Lärm selbst einen Riegel vorschiebt

Dass Lärm unseren Ohren schadet, ist bekannt. Trotzdem nehmen viele Menschen wenig Rücksicht auf sie. Erstaunlich, dass selbst nach jahrelanger Tortur das Hörorgan im Regelfall immer noch funktioniert. Forscher von der University of South Wales fanden nun heraus, woran das liegen könnte. So, wie manche Menschen "auf Durchzug" stellen, wenn ihnen etwas unangenehm ist, so verfügt auch das Ohr über einen Mechanismus, der bei zu großer Belastung seinen inneren Lautverstärker einfach abschaltet.

Wer hören kann, hat sicher schon erlebt, dass er sich reflexartig die Ohren zuhält, wenn es irgendwo zu laut ist. Zwar ist das Gehört nicht in der Lage, laute Umgebungsgeräusche einfach auszublenden. Wie eine Studie um den Wissenschaftler Gary Housley von der University of New South Wales in Sydney jetzt zeigt, gibt es aber einen Reflex der Nervenzellen, der im Ohr ausgelöst wird, wenn es überlastet zu werden droht. Deshalb gingen die Forscher der Frage nach, wie das Hörzentrum seine Informationen über hohen Schalldruck erhält.

Das internationale Forscherteam fand nun heraus, dass dieser Reflex von Nervenfasern ausgelöst werde, die entscheidend für die Lautstärkeanpassung sind und die von den äußeren Haarzellen im Innenohr zum Hirnstamm führen. Der cochleäre Verstärker in der Hörschnecke, über den Säugetiere verfügen, ist für unser feines Gehör verantwortlich. Die extrem schnellen Bewegungen der äußeren Haarzellen verstärken selbst bei leisen Geräuschen den geringen Schalldruck um ein Vielfaches.

Anders, wenn das Ohr laute Geräusche wahrnimmt: Reflexartig muss dieser "Verstärker" bei lauten Geräuschen entsprechend gedämpft werden, um die inneren Haarzellen zu schützen. Verantwortlich dafür ist das Medial Olivocochlear Syste (MOC-System), eine Nervenverbindung zwischen dem oberen Olivenkern im Stammhirn und den äußeren Haarzellen. Seine Aufgabe ist es beispielsweise, Sprache aus einer lauten Umgebung herauszufiltern, eine Geräuschquelle genau auszumachen oder das Gehör zu schützen.

In ihren Versuchen stellten die Wissenschaftler zunächst fest, dass Mäuse ohne das Gen, das benötigt wird, um ein bestimmtes Protein herzustellen, das seinerseits für die Bildung bestimmter Nervenzellen im Innenohr verantwortlich ist, genauso gut hörten, wie Mäuse, die das Gen hatten. Bei plötzlich auftretenden lauten Geräuschen änderte sich das allerdings: Hier reagierte nur das Gehör der Mäuse, die das proteinbildende Gen hatten, das den anderen fehlte, mit einer schlagartigen starken Dämpfung des cochleären Verstärkers.

Housley und sein Team hoffen, dass ihre Erkenntnisse zu einer Verbesserung der Tonqualität von Cochlea-Implantaten führen könnten.

Die Forscher stellten ihre Studie im Fachjournal Nature Communications vor

 

 


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