05.05.2015

DGHNO KHC warnt: Hörstörungen bei Jugendlichen nehmen zu

Den diesjährigen Tag gegen Lärm am 29. April 2015 nahm die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) zum Anlass, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, wie wichtig es sei, Kinder und Jugendliche für gehörschädigenden Freizeitlärm zu sensibilisieren und diesen verbindlich zu begrenzen. 

Hörstörungen bei Kindern und Jugendlichen hätten sich in den letzten 24 Jahren verdoppelt, so die DGHNO KHC. Denn neben Umweltlärm gelte Freizeitlärm als Hauptursache für den Hörverlust. Mit den "Anzeichen lärmbedingter Innenohrschädigung bei jungen Nutzern tragbarer Audiogeräte" wird sich daher auch die 86. Jahresversammlung der DGHNO KHC beschäftigen. Außerdem stehen die therapeutischen Ansätze gegen Tinnitus, der durch Lärm und Stress verursacht wird, auf der Agenda.

Tragbare Musikplayer besonders gehörschädlich

Aufschluss über riskante Nutzungsgewohnheiten tragbarer Audiogeräte bei Jugendlichen gab kürzlich die OHRKAN-Studie am Universitätsklinikum Regensburg. Für die Studie testeten Ärzte der Universitäts-HNO-Klinik Regensburg das Gehör von 2149 bayerischen Schülerinnen und Schülern im Alter von 13 bis 19 Jahren. 85 Prozent der Jugendlichen gaben an, tragbare Musikabspielgeräte zu nutzen. 22 Prozent hörten so laut, dass  von einem "riskanten Musikkonsum" von mehr als 80 Dezibel (Ampere) bei 40 Stunden pro Woche gesprochen werden könne. 

Bei einer gleichgroßen Gruppe lag die Lärmbelastung 85 dB (A) sogar bei über 40 Stunden pro Woche und mehr. Die riskante Nutzung tragbarer Audiogeräte fand sich in der Studie zudem häufiger bei Jungen als bei Mädchen und häufiger bei Hauptschülern als bei Gymnasiasten. 2,4 Prozent der untersuchten Schüler wiesen eine Senke ihres Hörvermögens im Hochtonbereich auf. Dies sei als ein Hinweis auf eine beginnende Lärmschwerhörigkeit zu werten.

Empfehlung zur Nutzung von Audiogeräten

Durch Lärm bedingte Hörstörungen seien vermeidbar, so die Experten der HNO-Fachgesellschaft. Deshalb haben sie, zusammen mit der Bundesärztekammer, im September 2014 eine Empfehlung "Zur Frage der Vermeidung von Hörstörungen durch Freizeitlärm im Kindes- und Jugendalter" herausgegeben. 

Im Zentrum steht die Nutzung von Audiogeräten wie MP3-Playern durch Kinder und Jugendliche. So müssten "Die Hersteller von MP3-Playern die Nutzer über die Risiken von Lärm durch die Geräte aufklären", so Professor Dr. Werner Hosemann, Kongresspräsident der DGHNO KHC und Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie der Universität Greifswald. Empfohlen werde, die Lautstärke dieser Geräte und Kopfhörer auf maximal 80 dB zu begrenzen.

Weitere Empfehlungen, um Hörschädigungen vorzubeugen

Neue Richtlinien sollten zudem für Konzertbesuche und Kinderspielzeug gelten, die zu dauerhaften Hörschäden führen könnten: Gemeint seien damit in erster Linie Spielzeuge mit Knalleffekten. Hier sollten die Hersteller den Spitzenschallpegel angeben, lautet die Empfehlung. Ähnliches sollte auch für Musikveranstaltungen gelten. Eine akustische Belastung sollte auf einen Dauerschallpegel unter 95 dB (A) und einen Spitzenschallpegel von unter 100 dB (A) begrenzen werden.

Terminhinweis

86. Jahresversammlung der DGHNO KHC, 13. Mai bis 16. Mai 2015, Berlin
Weitere Informationen unter 
http://www.hno.org/

INFO: Wann ist Umgebungslärm gesundheitsgefährdend

Für Wohngebiete gilt ein Grenzwert von 65 (dB) am Tag und 57 Dezibel (dB) in der Nacht als gesundheitsgefährdend.


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