24. Juli 2026
Bildungsurlaub für Hörbeeinträchtigte: Mit Achtsamkeit und Kreativität neue Kraft schöpfen
Wie können Menschen mit Hörbeeinträchtigung im Alltag besser mit Hörstress und Erschöpfung umgehen? Der Bildungsurlaub „Wo meine Ohren Ruhe finden – Achtsamkeit im Alltag und kreative Selbstfürsorge“ der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige vermittelt vom 28. September bis 3. Oktober 2026 praktische Strategien. Referentin Sabrina Semmel gibt im Interview Einblicke in das Konzept und die Inhalte.
Kreative Selbstfürsorge: Was ist darunter zu verstehen?
Menschen mit Hörbehinderung befinden sich täglich in einer enormen Überbelastung durch das angestrengte Hör-Verstehen. Das kontinuierliche Fokussieren auf verschiedenen Ebenen wie z.B. vom Mund absehen, Gespräche filtern in Störgeräuschen und Weiteres kann zu chronischen Erschöpfung führen. Selbstfürsorge bedeutet hier vor allem, diese Erschöpfung als reales körperliches Signal zu verstehen und zu akzeptieren und dagegen zu steuern.
Mit der „Kreativen Selbstfürsorge“ wollen wir gezielt eigenes Handeln mit kreativen Schöpfen nutzen, um achtsame und resiliente Auszeiten zu schaffen.
Und was erwartet Teilnehmende?
Wir informieren und beschäftigen uns mit den Themen:
- Zur eigenen Hörgesundheit
- Kommunikationsübungen, Stressmanagement, Resilienz und Achtsamkeitsübungen
u.a. Klangmeditation, Atemmeditation, Malmeditationen - Spaziergang im Park – Gehmeditation
- Kreative Malübungen für den Alltag
- Eigene kreatives Ausleben und Erstellen eines Bildes „Wo meine Ohren Ruhe finden“
Wie kam es zu der Idee eines Bildungsurlaubs, der das Thema Hörbehinderung mit Kreativitätsangeboten und Achtsamkeitsübungen verbindet?
Ich biete den Bildungsurlaub zusammen mit Renate Enslin, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPP) und Klangschalentherapeutin, an. Wir sind Kolleginnen aus der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige mit unterschiedlichem Backround und Erfahrungen. Wir kommen beide aus der therapeutischen Szene und bringen unser Wissen ein. Vor etwa 1,5 Jahren hatten wir die Idee und haben uns damit auseinandergesetzt, Menschen mit Hörbehinderung und Tinnitusbetroffenen eine „Auszeit“ vom Hörversteh – Alltag zu geben.
Wieso als Bildungsurlaub? Was ist das Besondere daran?
Ein Bildungsurlaub eignet sich besonders für Personen, die zusätzlich 5 Tage mehr Urlaub und gleichzeitig keine Urlaubstage verschenken möchten. Sie schaffen Distanz zum Arbeits- und Lebensalltag. Man lernt wie man seinen Leistungsdruck und seinen Stress bewältigen kann. Das fördert die eigene Gesundheit und steigert die Lebenszufriedenheit. Bei unserer Recherche zu Bildungsurlauben ist uns aufgefallen, dass insbesondere Menschen mit Sinnes – bzw. Hörbehinderungen kaum oder gar keine hörbarrierefreien Angebote gibt. Dies können wir hier gut verbinden, da der BU extra für Menschen mit Hörbehinderung mit tech. Hilfsmittel stattfinden kann. Wir Referentinnen sind beide auch von einer Hörbehinderung betroffen und kennen den Umgang als Selbstbetroffene gut.
Was bringen Sie als Referentinnen ein?
Wie oben schon erwähnt, sind wir beide selbstbetroffene Menschen mit Hörbehinderung und Tinnitus. Dies schafft einen guten Blick auf Augenhöhe zu anderen Betroffenen.
Wir bringen Erfahrungen aus einigen ganzheitlichen Bereichen mit. Wir begleiten Menschen einfühlsam in persönlichen Entwicklungsprozessen, z.B. aus den Bereichen Klangmeditationen und Kunsttherapeutischen Ansätzen. Dies ergänzt und ermöglicht uns, kreative und entspannungsfördernde Methoden in die Begleitung einzubeziehen. Wir freuen uns darauf, unsere Erfahrungen in den BU einzubringen.
Das Interview führte Marisa Strobel.
Mehr zum Bildungsurlaub Kreative Selbstfürsorge erfahren Sie hier: www.glsh-stiftung.de und im Schnecke-Veranstaltungskalender.
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