18. Juli 2017

Viel Erfolg bei den Deaflympics!

Auch CI-Träger hoffen bei den 23. Olympischen Sommerspielen hörgeschädigter Menschen auf Medaillen. Die Deaflympics finden vom 18. bis 30. Juli 2017 im türkischen Samsun statt.

AKTUELL: Zwei Medaillen für Thomas Keinath

Bei den 23. Deaflympics holt der Tischtennisspieler Thomas Keinath die Silber-Medaille im Einzel und die Bronze-Medaille im Mix. Die HÖREX sponsert den schwerhörigen Tischtennisspieler seit Anfang 2016.

Vom 18. bis zum 30. Juli 2017 finden im türkischen Samsun die Olympischen Spiele der Gehörlosen statt. Beim Tischtennis-Finale der Herren am 27. Juli sicherte sich der Hanauer Thomas Keinath die Silber-Medaille. Das Spiel gegen den Chinesen Cong Wang war hart umkämpft und ging über sieben Sätze. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es waren meine ersten Olympischen Spiele, da war ich einfach sehr aufgeregt. Sonst wäre vielleicht noch mehr drin gewesen“, so Thomas Keinath nach der Siegerehrung.

Bereits vor dem Finale der Herren hatte Keinath, der seit 2007 für die Slowakei spielt, zusammen mit seiner Partnerin Eva Jurkova die Bronze-Medaille im Mix geholt. „Wir gratulieren Thomas ganz herzlich zu den beiden Medaillen“, so Gerd Müller, Hörakustikermeister und Vorstandsmitglied der HÖREX. „Seine Erfolge zeigen, dass man trotz Hörverlust unglaublich viel erreichen kann.“ Seit Anfang 2016 unterstützt die HÖREX Thomas Keinath bei seiner sportlichen Karriere und stellt ihm die neuesten Hörgeräte der Marke Sonic zur Verfügung, die bundesweit exklusiv über die mehr als 500 HÖREX Mitgliedsfachbetriebe vertrieben werden.

Mehr Ballgefühl dank Hörgeräten
Anders als bei den Gehörlosenturnieren darf Keinath bei den Normalhörenden Hörgeräte tragen. „Damit höre ich den Ball besser. Am Geräusch erkenne ich den Spin und habe dadurch ein besseres Ballgefühl“, so Keinath, der jahrelang keine Hörgeräte getragen hatte. Erst Hörakustikermeister Gerd Müller konnte ihn von den Vorteilen überzeugen: „Wir freuen uns, dass wir mit unseren Sonic-Hörgeräten Thomas bei seinen sportlichen Zielen unterstützen können“, so Gerd Müller. Eines der Ziele sind die Olympischen Spiele der Normalhörenden 2020 in Tokio. „Das ist schon immer mein großer Traum – und 2020 meine letzte Chance. Ich werde alles dafür tun“, so Keinath. Zunächst aber startet am 20. August die Bundesliga. Dort spielt Keinath beim Bundesligaverein TTC Rhön-Sprudel Fulda-Maberzell.

ÜBER DIE DEAFLYMPICS

Hochmotiviert sind die deutschen Sportlerinnen und Sportler zu ihren „23. Olympischen Sommerspielen“ an die türkische Schwarzmeerküste geflogen. Für die Deaflympics können sich taube Menschen, CI-Träger (Cochlea Implantat) und Schwerhörige mit einer Hörbehinderung ab 55 dB auf beiden Ohren qualifizieren und danach bei entsprechender sportlicher Leistung an den Spielen teilnehmen. Bei den 22. Spielen vor vier Jahren in Sofia waren 90 Nationen und über 2700 Athletinnen und Athleten am Start. Aus Samsun werden neue Rekordzahlen erwartet.

Die Gehörlosensportler sind stolz darauf, Deutschland bei diesem weltweit beachteten Großereignis vertreten zu können, schreibt uns Michel Gerald Bauer vom Bayerischen Gehörlosenverband: „Bayerische Sportler treten in den Disziplinen Bowling, Fußball, Handball, Karate, Leichtathletik, Radsport, Sportschießen und Tennis an und erhoffen sich wieder ansprechende Ergebnisse. Das Bestreben geht dahin, wie bei den Spielen im Jahr 2013, eine Anzahl von Medaillen zu erringen.“ Die Konkurrenz, vor allem aus Russland, sei groß, aber mit bayerischer Hilfe wolle die deutsche Mannschaft nach dem 14. Platz in Sofia im Vorderfeld der Nationenwertung landen.

Die „bayerischen Farben“ werden dabei vertreten durch Melanie Klinke und Daniel Duda, beide vom GSV München e.V.. Im Fußball geschieht dies durch Denis Jukovskiy vom GVIUS Ingolstadt e.V. sowie Robert Hofmann vom GSV Augsburg e.V.. Die Sportart Handball vertritt Alwin Ruf vom GSV München e.V.. Dr. Christoph Rieck wird versuchen in der Disziplin Karate auf dem Treppchen zu landen. In der Leichtathletik sind es Georgina Schneid, Nadine Brutscher und Christoph Bischlager, alle vom GSV München e.V., die an den Wettkämpfen teilnehmen.

Im Radsport wollen Isabelle Boberg (GSV Landshut e.V.), Kilian Deichsel (GSV Bayreuth e.V.) und Peter Hiltl (GSV München e.V.) alles daran setzen vordere Plätze zu belegen. Die größte Gruppe stellen die Sportschützen dar. Sabrina Eckert, Silke Fischer (beide GSV München e.V.) und Melanie Stabel (GSV Augsburg e.V.) bei den Frauen sowie Colin Müller (GSV München e.V.), Marco Baron (GSC Nürnberg e.V.), Thomas München (GSV Bamberg e.V.) und Werner Lackerbauer (GSV München e.V.) sind bestrebt in den Kampf um die vorderen Plätze einzugreifen. Und last but not least wird Sebastian Schäffer vom GBF München e.V. sein Bestes in der Sportart Tennis geben um die bayerischen Farben hochzuhalten.

Eine erste Silbermedaille holte am Donnerstag, den 20. Juli, die Sportschützin Melanie Stabel im Dreistellungskampf mit einem Kleinkaliber. Die 17-Jährige vom Gehörlosen-Sportverein Augsburg e. V. ist zum ersten Mail bei den Deaflympics dabei. 

Von den jüngst verschärften Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes für die Türkei ließen sich die Athleten und Verbandsmitarbeiter indes nicht verunsichern. „Der Sport steht im Vordergrund“, betonte Michel Gerald Bauer am Freitag auf Nachfrage der Schnecke. Es sei auf diesem hohen Leistungsniveau nicht möglich, sich ablenken zu lassen. 

Wir von der Redaktion Schnecke und der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft e.V. drücken allen teilnehmenden Sportlerinnen und Sportlern die Daumen, insbesondere den deutschen, ob mit oder ohne CI!


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