31.03.2015

Zwickauer Hochschule entwickelt Datenbrille für barrierefreies Kino

Ein Team um Prof. Rigo Herold von der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) hat eine neuartige Datenbrille entwickelt, die als Anzeigegerät zu einem Kinofilm Untertitel in verschiedenen Sprachen einblenden kann. Eine Technik, die nach Hochschulangaben nicht nur dabei helfen könnte, Sprachgrenzen zu überwinden.

Die Brille nützt insbesondere hörgeschädigten oder gehörlosen Menschen. Sie könnte zudem aber auch in ganz anderen Bereichen Anwendung finden. Denkbar wäre zum Beispiel, die Brille im Museum als virtuellen Führer zu nutzen. Oder auf Auslandsreisen als Dolmetscher für die Ansagen auf dem Bahnhof. Premiere hatte die neuartige Datenbrille auf der CEBIT in Hannover Mitte März. Sie wurde von der Fakultät Elektrotechnik und dem Berliner Kooperationspartner „Greta & Starks" erstmals vorgestellt.

Für den Anwender ist sie verhältnismäßig einfach zu nutzen: Zunächst sollte sich dieser eine der Apps (Filme) von Greta & Starks heruntergeladen haben, wo die Zusatzinformationen gespeichert sind. Das kann er über den AppStore für iOS oder auch bei Google Play. Denn die Brille muss mit dem Smartphone des Kinobesuchers verbunden werden, das die Untertitel auf die Datenbrille projiziert, sodass diese unterhalb der Leinwand mitgelesen werden können.

Der Nutzer muss die Brille einfach nur aufsetzen und wie gewohnt auf die Kinoleinwand schauen. Die App synchronisiert sich dann über eine Spracherkennung automatisch mit dem Kinofilm. Das Besondere: Weder der Zuschauer noch das Kino müssen in teure Technik oder Equipment investieren.

Momentan sieht der Prototyp noch nicht wirklich schick aus. Aber das tun 3D-Brillen ja auch nicht. Auf die Funktionalität kommt es an! Jede Menge Technik verbirgt sich hinter dicken Plastikbügeln. Die Funktionsweise: Das Smartphone synchronisiert den Audiokanal, über den gesprochenen Ton des Films mit der Untertiteldatenbank. Diese wurde mit der App von Greta & Starks zuvor heruntergeladen. Die gesprochenen Dialoge des Kinofilms werden als Text in ein durchsichtiges Display synchron zum Film eingespiegelt.

So können hörgeschädigte Menschen mitlesen, was da gerade gesprochen wird. Wenn jemand zwischendrin den Kinosaal verlässt und wieder betritt, wird nach wenigen Sekunden der Untertitel an der Stelle fortgesetzt, an der der Film für alle anderen ist. Es muss nicht vorgespult werden oder dergleichen!

Fazit: Für hörgeschädigte und gehörlose Menschen würde die Einführung der Datenbrille in den Kinos bedeuten, dass sie nicht erst auf die Erscheinung der DVD warten, sondern theoretisch bei jedem Filmstart in den Kinos dabei sein könnten! Damit wäre Barrierefreiheit in den Kinos kein ferner Wunschtraum mehr, sondern Realität!

 

INFO

Mittlerweile sind rund vierzig Filme schon mit der Untertitel-Datenbank verknüpft – darunter "Im Labyrinth des Schweigens" oder auch "Fifty Shades of Grey" informiert Greta & Starks. Mit dieser Technologie könnten Millionen hörgeschädigte Menschen in Deutschland ins Kino gehen oder auch fremdsprachige Menschen, die nicht ins Kino können, weil sie die Sprache nicht verstehen.

Weitere Informationen zu Filmen hier

 

HINWEIS

Bevor es jedoch in großem Stil losgehen kann, und beispielsweise Kinobetreiber für die neue Nutzergruppe die Brillen kaufen könnten, um diese zu verleihen, müssen zunächst juristische Hürden genommen werden: Als erstes muss die Filmindustrie die für den jeweiligen Film produzierten Untertitel freigeben, was ein Lizenzthema ist. Dann muss die Technik in der Breite den Kinobetreibern vorgestellt werden, die die Brillen dann kaufen und zum Verleih anbieten könnten. Und schließlich müsste der Filmverleih seine Rechte für die Untertitel, die meist in vielen Sprachen vorliegen, an Greta & Starks freigeben, damit diese dann in die Untertiteldatenbank aufgenommen werden können.


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