25.03.2015

Behinderung im Fernsehen – Klischee oder Realität?

Erinnern Sie sich noch an den Kinofilm "Rain Man" von 1988, in dem Dustin Hoffman einen Autisten so authentisch spielte, dass er mit einem Oscar belohnt wurde? Oder an den Spielfilm "Jenseits der Stille", 1996 im Fernsehen ausgestrahlt, in dem eine hörende Tochter gehörloser Eltern die Liebe zur Musik entdeckt?

Wie viele Klischees stecken in der deutschen Fernsehlandschaft und haben die Filme mit der Realität etwas gemeinsam? Dieser Frage gingen über 130 Journalisten und Medienschaffende bei der Veranstaltung "Inklusion im Fernsehen" am 17. März in Köln nach. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und die Grimme-Akademie – in Kooperation mit "die medienanstalten" und "Sozialhelden e.V." – hatten zu dieser wichtigen Tagung eingeladen.

"Menschen mit Behinderung werden im Fernsehen nicht selten entweder als bemitleidenswerte Geschöpfe dargestellt oder völlig überhöht als ’Super-Menschen‘ präsentiert. Sie stehen jedoch ganz normal im Leben. Und genau so wollen sie auch gezeigt werden", so Verena Bentele, die Beauftrage der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Frauke Gerlach, Direktorin der Grimme-Akademie, äußerte zu Beginn der Veranstaltung, dass sie sich besonders im fiktionalen Bereich noch einiges vorstellen könne. Menschen mit Behinderung gehörten vor und hinter die Kamera. Hier gelte es aufzuholen. Was möglich sei, zeige die diesjährige Nominierung von "Be my Baby" für den Grimme-Preis, so Gerlach. In dem Spielfilm wird die Geschichte einer jungen Frau mit Down-Syndrom erzählt, die einfach nur normal sein möchte.

Vom Normalfall sei man aber weit entfernt, stellt Medienkritiker und Grimme-Juror Dr. Torsten Körner fest. Allerdings gebe es Beispiele, die hoffen lassen. Dazu zählt er u.a. "Das Jenke-Experiment" sowie "Dr. Klein", die neue ZDF-Serie mit der kleinwüchsigen ChrisTine Urspruch als Kinderärztin.

Eckart von Hirschhausen stellte schließlich in einer illustren Runde die provokante Frage: "Wie viel Behinderung verträgt und braucht das deutsche Fernsehen?" Darüber diskutierten Katja Hofem, Geschäftsführerin von kabel1, Carina Kühne, Hauptdarstellerin in "Be my Baby", Katrin Kuhn, Redakteurin "Das große Quiz des Menschen", Friederike Brost, Produzentin von "Zeig mir deine Welt" sowie Raul Krauthausen, Gründer von Sozialhelden e.V. und Buchautor "Dachdecker wollte ich nie werden".

Sind wir also gespannt, wie die Medienverantwortlichen die Erkenntnisse dieser Tagung in die Praxis umsetzen werden. Übrigens, den "Leitfaden zur Darstellung von Menschen mit Behinderung für Medienschaffende", der bei der Veranstaltung präsentiert wurde, kann man sich hier herunterladen: www.behindertenbeauftragte.de/leitfaden_medien

Sylvia Kolbe, Redaktion Schnecke/Schnecke-Online

 

Quelle:

Behindertenbeauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen


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