09.03.2015

OpenEarConcert – besonderer Musikgenuss durch Reduktion

Das erste "OpenEarConcert" auf Schloss Montabaur überzeugte besonders die CI-Träger. Endlich wieder Musik erleben dürfen – was für ein schöner Jahresbeginn. Die Schirmherrin der Veranstaltung war Bundesverteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen.

Ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Art: Um hörgeschädigten Menschen Musikgenuss im Rahmen eines Konzertes zu ermöglichen, hat sich das innovative OpenEarConcept gegründet. Die Musik wird bearbeitet und neu arrangiert, sodass Menschen mit Hörhilfen oder Cochlea-Implantaten diese als angenehmen Genuss erleben können. In Montabaur wurde dieses "Concept" im Januar auch live umgesetzt. Klar verständliche Texte, gut erkennbare Rhythmusstruktur und transparenter Melodieverlauf sind für Konzertbesucher mit leisen Ohren von besonderer Bedeutung. Instrumente können schnell als verzerrt, zu laut oder nicht hörbar erlebt werden. Auch vielen Stimmen gleichzeitig oder schnellen Rhythmen zuzuhören, stellt die Implantat-Träger vor große Herausforderungen. Wer sich auf das Hören zu sehr konzentrieren muss, der kann das Entspannende, Angenehme und Wohlklingende in der Musik nicht mehr genießen.

Test im Tonstudio

Die Gründer der Initiative – Dr. Roland Jacob, Direktor der HNO-Heilkunde-Abteilung des Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenhauses, die Gehörlosenpädagogin Ingrid Eikmeier-Stindt des CI-Centrums Rhein-Mosel-Lahn sowie der Tontechniker und Musikpädagoge Frank von Häfen aus Remagen – überarbeiteten die musikalische Präsentation völlig neu und testeten mit engagierten CI-Trägern die Überlegungen seit zwei Jahren in einem Tonstudio aus.

Diese Arbeit im Rahmen des ersten "OpenEarConcerts" live zu übersetzen wurde dank der großzügigen Unterstützung der CI-Hersteller Advanced Bionics, Cochlear und Med-el, Hörgeräte Becker Koblenz, dem Schloss Montabaur und dem Lions-Club Koblenz Rhein-Mosel ermöglicht. Das Trio Everson - mit Heike Schuh am Saxofon, Andreas Wahl am Marimbaphon und Frank von Häfen am Piano - sowie die Vokal-Gruppe "Die Komischen Harmoniker" präsentierten vor ausverkauftem Saal bekannte Stücke aus den Musikbereichen Chanson, Pop, Schlager, Jazz, Folk, Klassik und a cappella.

Hörpausen mit Fotopräsentationen

Weniger ist mehr: Nach diesem Motto wurde beispielsweise das Arrangement der Stücke auf drei Instrumente oder Stimmen reduziert, die Dynamik den technischen Leistungen der CIs angepasst und die Führungsstimme angehoben. Reichlich Hörpausen mit entspannenden Fotopräsentationen sorgten für eine Hör-Erholung der Zuhörer. In der begleitenden Befragung wurde das Hörerlebnis bewertet, hierbei beteiligten sich 84 Prozent der Zuhörer. Im Publikum waren Hörgeräteträger, CI-Träger und Normalhörende fast gleich stark vertreten. Hierbei zeigten sich gerade die CI-Träger von der Veranstaltung besonders angetan. Bei einigen Hörgeräteträgern wurden die Saxophon-Passagen als zu laut empfunden, die normal hörenden Personen erlebten gleichfalls ein schönes Konzert. Dies bestätigt, dass Cochlea-Implantate und Hörgeräte die Musik doch sehr unterschiedlich verarbeiten.

Mit Kommentaren wie "Danke für den schönen Nachmittag", "Eine tolle Veranstaltung", "Weiter so", "Eine schöne Musikauswahl, ich bin begeistert" nahm das Publikum das gelungene Experiment begeistert auf und empfahl die Fortführung dieser Idee.

Priv.-Doz. Dr. Roland Jacob
Direktor der HNO-Klinik am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
CI-Centrum Rhein-Mosel-Lahn


Zurück