Elektronische Patientenakte: Viel Potenzial – aber bislang wenig Nutzen
Eine aktuelle, repräsentative Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen Bekanntheit und aktiver Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA).
Zwar kennen 94 Prozent der gesetzlich Versicherten das Angebot, doch 71 Prozent verwalten ihre ePA bislang nicht aktiv. Ein kleinerer Teil hat der Anlage widersprochen oder sie wieder löschen lassen.
Hohe Bekanntheit, geringe Auseinandersetzung
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Grafik: Rinke / Quelle: vzbw
Die vom Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des vzbv durchgeführte Umfrage macht deutlich: 75 Prozent der Befragten haben sich bisher kaum oder gar nicht mit ihrer ePA beschäftigt. Rund ein Drittel (33 Prozent) sieht derzeit keinen persönlichen Mehrwert in der digitalen Akte. Weitere 13 Prozent nennen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als Grund für ihre Zurückhaltung.
Technische Hürden und fehlende Funktionen
In einem ergänzenden Verbraucheraufruf berichten Versicherte von praktischen Problemen bei Einrichtung und Nutzung. Die Registrierung sei kompliziert, die Benutzerführung wenig intuitiv. Zudem fehle es aus Sicht vieler Befragter an verständlichen Informationen durch die Krankenkassen. Auch gewünschte Funktionen wie digitale Impf- oder Bonushefte sowie differenzierte Einstellungen zur Datenfreigabe würden teilweise vermisst.
Forderung nach stärkerer Nutzerorientierung
Nach Einschätzung des vzbv bietet die ePA grundsätzlich großes Potenzial für eine bessere medizinische Versorgung, etwa durch einen gebündelten Überblick über Diagnosen, Befunde und Medikationen. Dieses Potenzial komme jedoch im Versorgungsalltag bislang kaum an. Die Verbraucherorganisation fordert daher eine nutzerfreundlichere Weiterentwicklung der ePA, mehr Transparenz bei der Datenverwendung sowie gezielte Unterstützung für Versicherte bei der Anwendung.
Ziel müsse es sein, die elektronische Patientenakte so auszugestalten, dass sie im Alltag einen spürbaren Mehrwert bietet und das Vertrauen der Versicherten stärkt.
Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband
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