18. Juli 2018

Im Gespräch mit der Politik: „Gutes Hören als gesellschaftliche Aufgabe“

Anfang Juli trafen DCIG-Präsident Dr. Roland Zeh und DCIG-Geschäftsführerin Barbara Gängler Fachpolitiker und den Bundesbehindertenbeauftragten zu Gesprächen in Berlin. Dabei informierten sie über die Arbeit des Selbsthilfeverbandes und zeigten auf, wo es politischen Handelns bedarf.


Roland Zeh, Barbara Gängler und Wilfried Oellers (CDU/CSU-Fraktion).

Mit dem Beginn der laufenden Legislaturperiode haben viele Fraktionen neue fachpolitische Sprecher und Beauftragte benannt, so sind Wilfried Oellers (CDU/CSU-Fraktion), Jens Beeck (FDP) und Sören Pellmann (Die Linke) neu in dieser Funktion. Für einen ersten Austausch fuhren DCIG-Präsident Roland Zeh und die Geschäftsführerin Barbara Gängler deshalb Anfang Juli nach Berlin. Dabei trafen Sie auch Corinna Rüffer von Bündnis 90/Die Grünen, die bereits seit 2013 Sprecherin für Behindertenpolitik und Bürgerangelegenheiten ist. Den Besuch in Berlin nutzten Zeh und Gängler zudem für ein Treffen mit dem neuen Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel. Weitere Gespräche sind geplant.


Corinna Rüffer (Bündnis 90/Die Grünen), Roland Zeh und Barbara Gängler.

Dieser Austausch mit der Politik ist wichtig, denn nur so können Selbsthilfeverbände auf die eigenen Belange hinweisen. So war es der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft ein Anliegen, die Politiker für die Herausforderungen von Menschen mit Hörschädigung zu sensibilisieren. „Man darf nicht vergessen, dass Hörgeschädigte um sehr vieles kämpfen müssen“, sagte DCIG-Präsident Roland Zeh. Grund sei unter anderem die Vergabepraxis, die immer wieder dazu führe, dass sich Betroffene ihre Ansprüche vor dem Sozialgericht erstreiten müssen. „Hier braucht es eine Überprüfung der Bewilligungspraxis“, sagte Zeh.


Roland Zeh, Barbara Gängler und Sören Pellmann (Die Linke). 

„Viele haben Sorge vor Stigmatisierung“
Hörgeschädigte seien eine leise Gruppe, betonte Barbara Gängler, Geschäftsführerin der DCIG, in den Gesprächen. „Viele versuchen ihre Hörschädigung durch noch mehr Anstrengung zu kompensieren statt auf ihre Bedürfnisse hinzuweisen.“ Dabei ist auch mit CI das Gehör keinesfalls geheilt: Das Zuhören erfordert mehr Konzentration, vor allem in großen Runden und lauten Umgebungen. Doch aus Sorge vor Stigmatisierung hole der Schüler mit CI den Lernstoff mitunter lieber mühsam zuhause nach als im Unterricht wiederholt nachzufragen, berichtete Gängler.


Jürgen Dusel (Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen), Barbara Gängler, Roland Zeh.

Das Verstecken hat jedoch gleich zwei negative Folgen: Das Versteckspiel zerrt zum einen an den Kräften. Zum anderen hat das Umfeld so gar keine Chance, sich auf die Hörschädigung einzustellen. Dabei können technische Hilfsmittel wie FM-Anlagen und Induktionsschleifen das Hören und Sprachverstehen erleichtern – wenn sie denn zum Einsatz kommen. Außerdem gibt es eine Vielzahl von anderen Unterstützungsmöglichkeiten, die nicht selten auch guthörenden Menschen zugute kommen. Dafür braucht es wiederum die Offenheit der Lehrkräfte beziehungsweise Arbeitgeber und Kollegen. Neubauten müssen entsprechend ausgestattet sein. „Hier brauchen wir eine Verpflichtung zur Umsetzung hörakustischer Normen“, forderte Zeh. „Die Vor- und Fürsorgepflicht für gutes Hören muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden“, ergänzte Gängler in den Gesprächen.


Barbara Gängler, Roland Zeh und Jens Beeck (FDP). 


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