GEMEINSAM. STARK. UNZERTRENNLICH.

Vom 25. April bis 2. Mai veranstaltete die DCIG eine ganz besondere Blogwerkstatt in Würzburg: Zum zehnjährigen Jubiläum der jungen Selbsthilfe „Deaf Ohr Alive“ fanden in Würzburg gleich drei Workshops parallel statt: Impro-Theater, Tanz und Erlebnis. Für die 50 Teilnehmer gab es Herausforderungen zu bewältigen, Grenzen auszutesten und vor allem: Vertrauen und Gemeinschaft. Zwei der Teilnehmenden haben ihre Eindrücke von der Blogwerkstatt zu Papier gebracht.

Vor zehn Jahren startete der Blog „Deaf Ohr Alive“, der junge Menschen mit Hörbeeinträchtigung zusammenbringen sollte. Das Ziel ist erreicht, wenn auch weniger über den Blog als über die begleitenden Veranstaltungen, die zum Start des Blogs stattfanden. Schnell kristallisierte sich heraus, dass sich die jungen Menschen nicht nur online austauschen, sondern auch im realen Treffen wollen – und das nicht nur zentral auf Bundesebene, sondern auch in den Regionen (siehe regionale DOA-Gruppen in den Schnecken S. 85). Mit der Blogwerkstatt hat die DCIG ein Format erschaffen, das immer wieder neue Interessierte anlockt und dank der vielseitigen Workshops auch für treue Teilnehmer spannend bleibt. Die Internetseite existiert auch heute noch – als zentraler Informationsort über die junge Selbsthilfe.

Zum Jubiläum in Würzburg erwartete die 50 Teilnehmenden ein Best-off: Roman Windisch bot einen Tanz-Workshop in- und outdoor. Bei Mira und Markus Rohr probierten sich die Teilnehmer im Impro-Theater aus. Und das Referenten-Duo Andreas Beier und Judith Gutbrod ließ ihre Gruppe Innen- und Außenwelt erleben – mit geschärften Sinnen und achtsamen Aufgaben. Ein Highlight dabei: eine (zwar kalte, aber besonders eindrucksvolle) Übernachtung in einem Baumhaus. 

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Am Abschiedsabend präsentierten die Teilnehmer einander Ergebnisse und Erlebnisse aus den Workshops. Der Applaus war groß, die Emotionen auch. Tränen flossen, als Teilnehmerin Lea Kubitz einen eigens für den Abend verfassten Poetry Slam vortrug.  Ein besonderer Dank ging an Oliver Hupka, Blogwerkstatt-Leiter und Initiator von „Deaf Ohr Alive“: „Du bist der Vater von allem. Ohne dich gäbe es die ganzen Untergruppen nicht. Danke für alles!“, so Andreas Beier. (MS)

Dieser Artikel erschien in der Schnecke 132 /Sommer 2026, die Sie hier bestellen können.

Die DCIG dankt der Techniker Krankenkasse für die Förderung der Veranstaltung sowie den Referenten und ehrenamtlichen Betreuern Sonja Körfgen, Pia Leven, Ingo Schmitt, Oliver Faulstich und Oliver Hupka, Initiator und Leiter der Blogwerkstatt.


Vor der Blogwerkstatt schrieb Chistophe Guerry:

Ich bin Christophe, 66 Jahre jung, einseitig taub und mit CI und HG unterwegs – also quasi halb Mensch, halb Technik… meistens funktioniert beides.

Meine erste Blogwerkstatt war 2021 auf Sylt. Seitdem: keine Heilung in Sicht. Diagnose: chronische Blogwerkstatt-Sucht.

Waren, Baad, Innsbruck/Possenhofen – ich reise inzwischen nicht mehr, ich pilgere. Und jedes Mal denke ich: „Das war jetzt wirklich die beste!“ …bis zur nächsten.

Das Geniale: Wir sind alle CI-Träger.

Heißt: Endlich normale Leute.

Hier muss sich keiner erklären, wenn man

– zum dritten Mal „Wie bitte?“ sagt

– auf eine Frage antwortet, die nie gestellt wurde

– oder plötzlich in eine ganz andere Richtung schaut, weil das CI meint: „Der Ton kommt von da!“ Spoiler: tut er nicht. 

Und das Beste: Keiner nimmt’s übel.

Im Gegenteil – meistens passiert’s allen gleichzeitig. 

Alter? Völlig egal.

Hier sind alle gleich alt… nämlich genau richtig für diesen Wahnsinn. 

Eine Woche lang leben wir in unserer eigenen Welt:

Wir lachen (laut, falsch getimed, aber herzlich), wir reden durcheinander (perfekt!), wir improvisieren, tanzen, wandern – und zwischendurch sucht irgendwer sein CI oder fragt: „Hab ich dich jetzt gehört oder geraten?“ 

Und dann… zack:

„Schon vorbei?!“

Und ausgerechnet DAS haben wir alle sofort verstanden. Unfair. 

Dann wird gedrückt, gelacht, geweint – alles gleichzeitig. Abschiedstränen, Glückstränen… und wahrscheinlich versteht keiner mehr ein Wort, aber fühlt alles.

Denn klar ist: Nach der Blogwerkstatt ist vor der Blogwerkstatt.

Ich freue mich riesig auf Würzburg – alte Verrückte wiedersehen, Neue dazubekommen und wieder eine Woche erleben, in der Hören manchmal Glückssache ist, aber Verstehen garantiert.

Ich mache natürlich wieder viele Fotos – sicher ist sicher, falls ich akustisch wieder die Hälfte verpasse.

Und ganz ehrlich:

Es vergeht keine Woche, in der ich nicht daran denke… oder irgendwem davon vorschwärme (ob er will oder nicht).

Danke euch – ihr seid der beste „Sound“, den ich kenne!

Christophe Guerry


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