21.05.2015

Wie erkläre ich meine Hörbehinderung?

Kommunikation ist für Menschen mit Hörbeeinträchtigung nicht immer leicht. Denn jeder Mensch hört und versteht anders. Zudem haben Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen und normal Hörende gänzlich unterschiedliche Voraussetzungen. Das individuelle Hörvermögen, aber auch die Umgebungsbedingungen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Dass Störfaktoren wie eine Geräuschkulisse oder eine schlechte Raumakustik die Kommunikation maßgeblich beeinträchtigen oder schier unmöglich machen, leuchtet ein. Aber auch Lichtverhältnisse, die Aussprache des Gegenübers und vor allem das Wissen um die Hörbeeinträchtigung des Gesprächspartners sind für eine gelungene Verständigung unverzichtbar.

Daher ist es entscheidend, dass Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen ihren Gesprächspartner ganz bewusst "ins Boot holen". Denn sonst sind spontane Gespräche beispielsweise kaum zu meistern. Zeigen Sie sie ihrem Gegenüber daher möglichst zu Beginn Offenheit und sprechen Sie ihre Hörbehinderung an. Kurz und bündig und zugleich schlüssig zu erklären, wo das Kommunikationsproblem liegt, ist in jedem Fall hilfreich.

Eine ebenso große Rolle bei der Kommunikation ist der individuelle Hörstatus und natürlich die Art und Weise, wie jemand mit seiner Hörbehinderung umgeht, was eine Charakterfrage ist. So wird er je nach Situation und der eigenen aktuellen Konstitution entscheiden, ob er seine Hörbehinderung erklärt –oder (noch) nicht. In einmaligen Gesprächssituationen ist es sicherlich verständlich, wenn die Hörbehinderung nicht sofort offengelegt wird.

Doch wenn bei Gesprächen, die länger zu werden scheinen, Verständigungsprobleme aufgrund des Hörvermögens auftreten, spätestens dann sollte eine kurze Erklärung erfolgen. Was die Person mit Hörbehinderung dabei wissen sollte: Auch für den normal Hörenden ist die Situation eine Herausforderung. Denn auch das Gegenüber muss damit erst zurecht finden. Doch gelingt dies am besten bei entspannter Offenheit.

"Ich höre gut – aber ich verstehe schlecht"

Grundsätzlich muss ich meinem Gesprächspartner sagen, wie ich höre und unter welchen Bedingungen ich ihn am besten verstehen kann. Denn auch das kann sehr unterschiedlich sein: Höre ich nur Stimme und Sprachmelodie gut? Klingt alles dumpf und undeutlich? Verstehe ich womöglich nur Wortfetzen, weil mir einzelne Laute des Gesprochenen fehlen oder eventuell die Hintergrundgeräusche stören? Sie brauchen nicht ins Detail zu gehen. Aber es hilft, das Hörproblem ohne Umschweife zu thematisieren.

Fazit

Seien Sie getrost mutig, und legen Sie Ihre Hörbehinderung immer dann offen, wenn ein Gespräch schwierig zu werden beginnt oder Sie zum Beispiel wegen der Umgebungsbedingungen Probleme haben. Erklären Sie Ihre Hörbeeinträchtigung kurz und Prägnant, so vermeiden Sie Verunsicherung, Ängste oder gar Vorbehalte.

Beherzigen Sie diese Regeln, wird es Ihnen ganz sicher auch gelingen, ein begonnenes Gespräch entspannt weiter zu führen. Übrigens: Man kann nie früh genug damit anfangen! Wer von Kindheit an sein Hörproblem offen und aus dem Effeff erklären kann, wird sich im Erwachsenenalter in jedem Fall leichter tun.

Hanna Hermann, Redaktion Schnecke/Schnecke-Online

 

Zusatzinformationen

In dieser PDF haben wir einige Vorschläge tabellarisch für Sie zusammengestellt, wie verschiedene Hör- und Gesprächssituation kurz und knapp erläutert werden könnten.


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