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21. Juni 2023

Parlamentarisches Mittagessen: „Für mich ist jedes Cochlea-Implantat ein Wunder“

Anlässlich des Aktionstags zum Cochlea-Implantat lud der Deutsche Hörverband (DHV) zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG) und Deutscher Schwerhörigenbund (DSB) am 15. Juni zum parlamentarischen Mittagessen im Deutschen Bundestag ein, um über die Chancen des Hörimplantats, aber auch die Versorgungslücke vieler Betroffene, die bislang unterversorgt sind, zu sprechen. Auch die Finanzierung der CI-Nachsorge war Thema.

„Wir haben eine klare Botschaft: Mit einem Cochlea-Implantat (CI) kann man wieder richtig gut hören“, sagte der DHV-Vorsitzende Dr. Harald Seidler, der selbst ein CI und ein Hörgerät trägt. „Für mich ist jedes Cochlea-Implantat ein Wunder.“ Doch auch für Wunder müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Auf zwei Probleme machten der DHV-Vorsitzende und sein Vizevorsitzender und DCIG-Präsident, Dr. Roland Zeh, daher im Rahmen des parlamentarischen Mittagessens mit Politikern des Deutschen Bundestags anlässlich des Deutschen CI-Tags am 17. Juni aufmerksam: „Hören mit Cochlea-Implantat ist etwas anderes als das Hören mit Hörgerät“, sagte Seidler. Das Hören mit Elektroden müsse gelernt werden, eine spezialisierte Rehabilitation trage wesentlich zum Erfolg eines CIs bei. „Das wird oft unterschätzt“, so Seidler. Es gebe jedoch bislang keine einheitliche Regelung, führte Zeh, beidseitig mit Cochlea-Implantaten versorgt, aus. „Im Augenblick macht jede Klinik, was sie für gut befindet.“ Daher brauche es für die Nachsorge eine Vereinheitlichung und eine gesicherte Finanzierung.

Als weiteren Punkt sprachen die Selbsthilfevertreter die Versorgungslücke an: „Die Steuerung zum Cochlea-Implantat funktioniert nicht“, so Seidler. Schätzungen zufolge gebe es rund 50.000 CI-Träger in Deutschland, während rund zehn Mal so viele von einem solchen Implantat profitieren könnten. Andere Erhebungen gehen sogar von deutlich höheren Zahlen aus. Unklare Behandlungspfade führten jedoch oft zu einer Unter- oder Fehlversorgung.

Versorgungslücke schließen, Lebensqualität verbessern

Eine rechtzeitige CI-Versorgung aber ist nicht nur wichtig für das bestmögliche Sprachverstehen, sie verbessert auch die Lebensqualität und mentale Gesundheit. So bewahrt eine optimale Hörversorgung vor sozialer Isolation und reduziert die Gefahr kognitiver Beeinträchtigungen wie Demenz. „Mit dem Cochlea-Implantat kann man nicht altersschwerhörig werden. Depression, Vereinsamung, Demenz – all diese Risiken minimieren sich“, sagte Zeh. Zudem bleiben CI-Träger erwerbstätig. „Wir bringen die Menschen nach einem Hörverlust wieder in den Job“, sagte Seidler.

Ein wichtiger Schritt hin zur frühzeitigen Versorgung eines Hörverlustes sei unter anderem ein freiwilliger Hörtest ab 50 Jahren im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen. Denn: „Schlecht hören tut leider nicht weh. Man kann ganz schlecht einschätzen, ab wann ein Hörgerät notwendig ist“, so Seidler.

Neben der FDP-Bundestagsabgeordneten Kristine Lütke waren aus der Politik die beiden Bundestagtagsabgeordneten Hubert Hüppe und Wilfried Oellers der CDU/CSU-Fraktion sowie dessen Referent Wolfram Giese anwesend. Lütke und Hüppe sind beide Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Oellers wiederum ist Beauftragter für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Fraktion sowie ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie im Rechtssausschuss.

Begleitet wurden die Politiker zudem von Hospitantinnen der Wirtschaftsjunioren Deutschland e. V., welche eine Woche in den Politikbetrieb im Deutschen Bundestag Einblick nahmen. Auch die österreichische und australische Botschaft schickten jeweils eine Gesandte, Elisabeth Binder für Österreich und Kate Luxford für Australien. Von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nahm Julius Lehmann an der Veranstaltung teil.

Die Selbsthilfe war durch Dr. Harald Seidler, Vorsitzender des DHV, sowie Dr. Roland Zeh, Präsident der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG), und Kriemhild Egermann-Schuler, gesundheits- und sozialpolitische Referentin des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) vertreten. Über die Technik klärten zudem Vertreter der CI-Firmen Med-El und Cochlear auf.

Mit Technik gegen Hörbarrieren

Im Gespräch demonstrierten die CI-Träger Seidler und Zeh, die beide bereits in ihrer Kindheit hochgradig schwerhörig beziehungsweise ertaubt waren, quasi nebenbei, wie die richtige technische Versorgung zu einem guten Sprachverstehen führen kann. Eine Umstellung für die Politiker war die Nutzung der mitgebrachten Tischmikrofone, die den CI-Trägern in der lauten Restaurantumgebung ein gutes Verstehen auch in Gesprächen mit weiter entfernten Gästen am Tisch erlaubte. Denn bei aller Faszination über die Leistung, die ein CI vollbringt, ein natürliches Gehör kann es nicht ganz ersetzen. Eine gute Raumakustik, Kommunikationsregeln, FM-Anlagen und Untertitel helfen unter anderem, Hörbarrieren zu reduzieren. Der von der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft ins Leben gerufene Deutsche CI-Tag fand 2023 bereits zum 17. Mal statt. Er dient dazu, die Gesellschaft über das Cochlea-Implantat und die Belange von Menschen mit Hörbehinderungen aufzuklären. 

Text und Fotos: Marisa Strobel


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