Med-El präsentiert vollständig implantierbares Cochlea-Implantat (TICI)
Med-El hat in einer globalen Pressekonferenz die kontrollierte Markteinführung des TICI in Europa bekannt gegeben. Das TICI Unico ermöglicht es Menschen mit schwerem bis hochgradigem Hörverlust, rund um die Uhr zu hören, ohne dabei auf einen externen CI-Prozessor angewiesen zu sein.
„Das TICI Unico ist eine völlig neue Kategorie von Cochlea-Implantaten. Für mich ist ein Traum wahr geworden, den ich seit Beginn unserer Arbeit gehabt habe“, sagt Dr. Ingeborg Hochmair, Mitgründerin und CEO von Med-El. Mit dem vollständig implantierbaren Hörsystem werde unsichtbares Hören mit einem Cochlea-Implantat möglich. „Ich hoffe sehr, dass das TICI Unico vielen Menschen, die sich bisher aus unterschiedlichen Gründen nicht für ein Cochlea-Implantat entschieden haben, einen neuen Zugang zum Hören eröffnet.“
Bei einem TICI (kurz für: Totally Implantable Cochlear Implant) sitzen alle Komponenten einschließlich des Mikrofons vollständig unter der Haut. Das integrierte Mikrofon nimmt Schall durch die Haut auf. Anschließend werden die Signale in elektrische Impulse umgewandelt und an die Elektrode in der Cochlea weitergeleitet. Dort wird der Hörnerv elektrisch stimuliert, sodass das Gehirn die Signale als Klang wahrnehmen kann. Aufgeladen wird das System über ein externes Gerät, GoPod genannt, das optisch einem Single-Unit-Prozessor ähnelt. Eine Stunde Ladezeit soll für 24 Stunden Nutzung ausreichen, der Clou: Auch während des Ladens lässt sich über das TICI hören. Bezüglich der Lebensdauer teilte Hochmair mit: 15 Jahre lang soll der Akku bei gleicher Leistung laufen, anschließend seien möglicherweise häufigere Ladezyklen erforderlich. Auch ein externer Prozessor könne dann zum Einsatz kommen.
Foto: Med-El
Hochmair betonte in einer globalen Pressekonferenz, dass für TICI-Nutzer die Technik in den Hintergrund trete, da es Hören in jeder Lebenssituation ermögliche. Nutzer müssten sich keine Sorgen mehr machen um den Verlust oder die Beschädigung des Cochlea-Implantat-Prozessors. Prof. Philippe Lefèbvre, Leiter der HNO-Klinik am CHU Lüttich, hob die lange Nutzungsdauer am Tag hervor. „Zuerst dachte ich, der größte Vorteil sei, dass es unsichtbar ist. Doch das ist längst nicht alles. Rund um die Uhr hören können, verändert die Welt der Hörimplantate grundlegend.“
„Das TICI gibt mir Freiheit“
Zwei Studienteilnehmer unterstrichen die Aussagen: „Das TICI gibt mir Freiheit. Ich kann manchmal vergessen, dass ich taub bin. Und ich kann wählen, ob ich nachts höre“, sagte Diana Grosser, die vor drei Jahren ertaubte (ihren ausführlichen Erfahrungsbericht lesen Sie in der aktuellen Printausgabe Nr. 133 der Schnecke). Auf die körpereigenen Geräusche angesprochen, die mit einem TICI wahrgenommen werden, antwortete sie: „Man gewöhnt sich unglaublich schnell daran. Für mich war es ein Geschenk, mich wieder atmen zu hören.“ Artur Robbesom aus Belgien erhielt das TICI vor drei Jahren. Auch für ihn ist der entscheidende Vorteil die Freiheit ohne externes Gerät. Zudem empfinde er den Klang als reicher im Vergleich zu dem seines Hörgeräts auf der Gegenseite.
Das Unternehmen betonte zugleich, dass das TICI Unico das klassische CI-Portfolio der Implantate ergänze, das klassische CI aber nicht ersetze. Denn ob eine Versorgung mit einem TICI infragekommt, wird individuell geprüft. Zu berücksichtigen sind zahlreiche medizinische, audiologische und anatomische Kriterien. Auch die Kostenübernahme ist noch zu klären, da sowohl das Implantat selbst teurer ist als auch der operative Aufwand höher. Gespräche mit den Krankenkassen wurden bereits aufgenommen. Mögliche Wege führen vorerst über den NUB-Antrag (Antrag für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) oder auch Einzelanträge. Liegen genügend Fallzahlen, kann eine DRG erstellt werden. Langfristig rechnet der Geschäftsführer von Med-El Deutschland Gregor Dittrich damit, dass das TICI Teil der Regelversorgung werden wird.
Bislang wurden 40 Personen mit einem TICI Unico im Rahmen von Studien versorgt. 2020 wurden die ersten TICI in Belgien und Deutschland eingesetzt. Nach eigenen Aussagen begann das Unternehmen vor 15 Jahren mit der Entwicklung. Seit Juni 2026 ist das TICI Unico CE-zertifiziert und wird aktuell in mehreren europäischen Ländern eingeführt. Dittrich betonte, dass die Markteinführung streng kontrolliert vorgenommen werde, da entsprechende Schulungen notwendig seien. In Deutschland waren das LMU Klinikum München und das Universitätsklinikum Würzburg beteiligt. Weitere Informationen zum TICI Unico finden Sie auf hearlife.medel.com/de/campaigns/tici.
Quelle: Med-El
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